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Rheinsberg Netzwerker mit vielen Ideen
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14:48 30.01.2019
Musiker, Spezialist für historische Aufführungspraxis und neuer Leiter der Rheinsberger Musikakademie: Felix Görg. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Viele Zettel in der Tabelle „in Arbeit“. Erst einer in der Tabelle „fertig“. Auf einer großen Tafel hat Felix Görg bunte Zettel aufgehängt für all die Aufgaben, die er in den kommenden Wochen erledigen will. Es sind sehr viele kleine Papiere.

Seit Anfang des Jahres ist der 35-Jährige der neue Leiter der Rheinsberger Musikakademie. Der Bassist und Spezialist für historische Aufführungspraxis soll Kurse entwickeln, die die Bundes- und Landesakademie künftig anbieten will.

Anders als die 24 anderen Bundes- und Landesmusikakademien war das Rheinsberger Haus zuletzt vor allem ein Proben- und Werkstattort von fremden Angeboten. Künftige Kurse sollen aus dem besonderen Rheinsberger Erfahrungsschatz schöpfen – dem Musiktheater.

Für die Praktiker des Musiktheaters

„Akademie und Opernfestival – das ist wirklich einzigartig in Rheinsberg“, sagt Görg. Abseits des Arbeitsalltags sollen sich die Sänger, Regisseure und vielen anderen Praktiker des Musiktheaters in Workshops künstlerisch zurückziehen können. „Wir bieten den Reflexionsrahmen“, sagt Görg. „Das Wissen ist da“.

Noch untersucht er, welche Kurse in Brandenburg gebraucht werden. Für das zweite Halbjahr soll es bereits ein Programm geben, das über die bisherigen Qualifizierungsangebote hinaus geht. Auch für Musiklehrer und Chor- oder Orchesterleiter will die Musikakademie ein Inspirationsort sein. Die Kurse, so hofft Görg, schaffen Raum für das „Reflexionsmoment, das man im Alltag nicht hat“.

Aufgabe Görgs ist auch, nach pädagogischen Formaten zu suchen, die die Akademie mit Leben füllen. In der vergangenen Woche besuchte er eine Bundesverbandstagung der deutschen Musikakademien in Holland – und kehrte begeistert nach Rheinsberg zurück. Mit vielen Anregungen für das, was „pädagogisch up to date“ ist.

Begeisternder Redner

Görg selbst versteht sich vor allem als Netzwerker. „Es prasseln hier täglich Mails mit Ideen ein“, sagt er lachend. Görg redet schnell, begeisternd, druckreif. Wer ihm zuhört, glaubt sofort, dass er das kann: Begegnungen zwischen ganz unterschiedlichen Talenten zu schaffen.

Für Görg selbst ist die neue Aufgabe in Rheinsberg auch eine Rückkehr an einen bekannten Ort. Mit 18 Jahren nahm er dort im Sommer am Deutschen Kammermusikkurs teil. Zwei Wochen Kammermusik mit anderen Enthusiasten. „Da hat was angefangen“, sagt er.

Die Welt Alter Musik

Viele Musiker, die später in Rheinsberg spielten, kennt er. Die unterschiedlichen Ensembles der Rheinsberger Hofkapelle etwa, die in der Tradition des jungen Friedrich oder Prinz Heinrich jedes Jahr das Rheinsberger Musikleben bereichern. Die Welt der Alten Musik sei klein, sagt Görg. „Ich kenne von fast jedem Jahrgang die Hälfte.“

Görg kommt aus einer Musikerfamilie. Mit fünf Jahren begann er Klavier zu spielen. Als Jugendlicher wechselte er jedoch zum Bass. Eine Entscheidung, die seine musikalische Laufbahn prägte. „Man kommt da schnell ins Gruppenmusizieren“, sagt er. „Mit dem Bass ist man sehr gebraucht im Orchester.“ Schon als Jugendlicher spielte er in vielen Ensembles – auch im Europäischen Jugendorchester.

Bandfestival in Magdeburg

Trotzdem studierte er nach der Schulzeit in Nürnberg zunächst Cultural Engineering – einen Studiengang, für den er unter anderem ein Jugendbandfestival für eine sozialschwache Region Magdeburgs organisierte und eine interdisziplinäre Konzertreihe auflegte. Doch füllte ihn dieses Studium nicht aus. Görg begann parallel modernen Kontrabass in Leipzig zu studieren. Lange Zeit pendelte er zwischen den Studienorten Magdeburg und Leipzig hin und her. Ohne das zusätzliche Kontrabassstudium hätte ihm was gefehlt, sagt er: „Da war ein großer Anspruch an mich selbst.“

In Amsterdam machte er später einen Masterstudiengang in Alter Musik. Intensiv beschäftigte er sich mit historischen Streichbassinstrumenten. Was ihn an Alter Musik fasziniert? Die Interpretationsmöglichkeiten vielleicht, die große Kreativität, die Alte Musik ihren Interpreten einräumt. „Es geht sehr viel um die Darstellung von Affekten“, sagt Görg. Wer Alte Musik spiele, müsse sich nicht nur fragen, wie sie auf das damalige Publikum gewirkt habe. Er muss auch immer entscheiden, ob und wie er sie für heutige Zuhörer übersetzt.

Interpretation für Zuhörer von heute

Als freier Musiker war Görg zuletzt ein viel beschäftigter Mann. Er gab Konzerte, wirkte in verschiedenen Ensembles mit und verantwortete das internationale Forschungsprojekt „Neue Pohlnische Capelle“. Eines seiner unter Musikliebhabern vielleicht bekanntesten Projekte ist das Michaelis Consort, das er gemeinsam mit seinem Bruder, einem Trompeter, gründete. Gemeinsam versuchen sie, die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts für das heutige Publikum zu übersetzen – mit Tanz, Gesang oder Film.

Vor kurzem ist Görg nach Neuruppin gezogen – eine gemeinsame Entscheidung mit seiner Partnerin, die als Musikerin nach Berlin pendeln muss. Ob er in Rheinsberg schon angekommen ist? „Noch nicht.“ Er fängt gerade erst an.

Von Frauke Herweg

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