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Rheinsberg Friedemann Röhlig leitet die Meisterklasse beim Opernfestival Rheinsberg
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00:21 16.07.2018
Friedemann Röhlig leitet in diesem Jahr den Meisterkurs beim Opernfestival Rheinsberg. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Wenn Friedemann Röhlig in Rheinsberg ist, dann mit einer ehrlichen Dankbarkeit. Vor 20 Jahren begann hier seine Opernkarriere. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf Rheinsberg gekommen bin. Wahrscheinlich hing ein Zettel am schwarzen Brett, dass Rheinsberg Sänger fürs Casting sucht“, sagt er. „Als Student hat man sich auf so etwas ja oft beworben.“ Wie auch immer: Er bekam die Rolle des Osmin in „Die Entführung aus dem Serail“ – eine Basspartie, wie für ihn geschaffen.

Es war der Beginn seiner Karriere als Opernsänger, die ihn direkt ins Engagement katapultierte. Denn die Dirigentin, die in Rheinsberg die parallel laufende Produktion leitete, eine Operndirektorin aus Kassel, wurde auf den jungen Sänger aufmerksam und warb ihn sofort für ihr Haus. „Ich war schon immer ein Glückskind“, sagt der heute 48-Jährige und lächelt. „Dass ich zur Wende 20 war – bereit, die Welt aus den Angeln zu heben – und sich die Welt tatsächlich öffnete.“

Dabei fing seine Laufbahn völlig anders an. Friedemann Röhlig wuchs in einem musischen Elternhaus auf: Die Mutter, Ärztin, war opernbegeistert, der Vater Dramaturg an der Leipziger Oper. Dazu kam die Freundin der Mutter, die Opernsängerin war und dem kleinen Friedemann immer wieder sagte: „Junge, du hast das Talent und also die Pflicht, zu singen.“ Er habe das zuerst nicht ernst genommen und erst einmal Klavier, Harfe und Dirigieren studiert.

Für viele junge Opernsänger war Rheinsberg ein Karrieresprungbrett – auch für Friedemann Röhlig

Um sich das Studium zu finanzieren habe er als Korrepetitor gearbeitet – bei einem Meisterkurs von Julia Hamari in Stuttgart habe es ihn dann erwischt. „Es hat mich so begeistert und berührt, dass ich ihr im Überschwang vorgesungen habe.“ Die Reaktion war positiv – und Hamari hatte auch noch einen Platz in ihrer Klasse frei.

In einem Marathon-Monat nahm der Student Gesangsstunden bei der Freundin der Mutter, um sich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Es glückte – nach dem Crashkurs ging es für den Sachsen nach Schwaben. „Da war ich 23. Ich dachte, wenn singen, dann muss es jetzt sein“, sagt der Bass rückblickend. „Nach einem Semester wusste ich: Das ist es.“ Eine glückliche Fügung nennt er es.

Seit dem Rheinsberger Start hat der Bass viele Rollen an vielen Opernhäusern und Festivals in aller Welt gesungen: den Sarastro, den Banco, den Gurnemanz und Baron Ochs. Einen Traum hat er noch: „Den Hans Sachs“ aus Wagners „Meistersingern“. Eine Rolle, die ihn am meisten beeindruckt hat, gesteht er. Bereits mit 5 Jahren habe er die Oper erstmals gesehen und seitdem immer wieder – so oft wie keine andere.

Friedemann Röhlig am Piano – er studierte zuerst Klavier, Harfe und Dirigat. Quelle: Regine Buddeke

„Ich habe sie auch am häufigsten gesungen – in den verschiedensten Bass-Rollen“, sagt er. „Mittlerweile ist meine Stimme reif für den Hans Sachs.“ Und: „Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Geschenk. Ich habe schon soviel bekommen – mehr als ich mir je erträumt habe.“

Auch einen Traumort hat er noch: Klar, er hat noch nie in der Met gesungen oder in Sydney. Aber wenn er es sich wünschen dürfte, würde er gern eine Rolle am Leipziger Opernhaus singen. „Da, wo ich herkomme“, sagt er.

Seit 2009 ist er Professor für Gesang an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Das kommt ihm als „absolutem Familienmenschen“ sehr gelegen. Er kann viel öfter bei Frau und Kindern sein, wenn er nicht wie viele Sänger mal hier mal dort auf Gastspiel ist. „Ich habe Kollegen, die haben keine Wohnung mehr“, weiß er. Das wäre nichts für ihn. Familie erdet ihn, auch wenn er dafür auf eine noch steilere Karriere mit noch mehr Rollen und noch mehr Ruhm verzichten musste. „Aber dann ist man auch kaum noch selbstbestimmt“, sagt er.

Erden kann er sich auch in der Kampfkunst Iaido: eine japanische Schwertkampftechnik. Die sich schlussendlich auch auf seinen Gesang auswirkt: „Die Kenntnis des Körpers, Balance, Körperspannung, Willen, Courage und Kampflust – alles Dinge, die einem auch beim Singen helfen. Und den Wettbewerb auszuhalten, der der Kampf um eine Rolle ja ist.“ Auch die Fallschule konnte er schon einsetzen, um dramaturgisch effektvoll von der Bühne zu stürzen.

Friedemann Röhlig, hier mit Kollegin Susanne Elmark, die ebenfalls in Rheinsberg ihre Karriere begann und dort Jahre später die Meisterklasse leitete. Beide moderierten die diesjährige Operngala. Quelle: Regine Buddeke

In Rheinsberg war er seit 1998 schon mehrfach – bei Benefizkonzerten und Liederabenden. Vor zwei Jahren hat er „in alter Verbundenheit“ das Spiegelsaal-Konzert geleitet – in diesem Jahr nun den Meisterklasse-Kurs. Was gibt er seinen Schützlingen, den Opernsängern von morgen mit auf den Weg?

„Mentale Techniken, um ihnen die Angst vor dem Auftritt zu nehmen“, sagt der Bass, der nach wie vor auch selbst noch Lampenfieber hat. „Im besten Sinne – ohne eine Prise Extraspannung kann man auf der Bühne nicht spannend sein“, sagt er und erinnert sich an seine eigene Jugend, das Vorsingen bei Julia Hamari: „Mir haben so die Knie gezittert, dass ich mich am Flügel festhalten musste. Mir ging – mit Verlaub – der Arsch auf Grundeis.“

Das sei kein Wunder: „Unser Beruf ist immer ein Wettbewerb. Das muss man aushalten lernen.“ Es gebe immer mehr Sänger als Rollen. Aber trotz der Konkurrenz sei Oper auch ein „Team-Sport. Man profitiert von den Kollegen. Alle gewinnen, wenn das Gesamtpaket gut ist.“ Das wird man beim Abschlusskonzert von Friedemann Röhligs Meisterklasse erleben – am 22. Juli um 11 Uhr im Rheinsberger Schlosstheater.

Von Regine Buddeke

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