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Rheinsberg Kinderoper sorgt für Spannung
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00:19 15.08.2018
Der böse Samiel flößt dem Jäger Max den geheimnisvollen Zaubertrank ein, der ihm zu den treffsicheren Kugeln verhelfen soll. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Für die Premiere der Kinderoper „Der kleine Freischütz“ im Rheinsberger Schlosstheater hat sich der neunjährige Gregory extra in Schale geworfen. Ein weißes Hemd muss es sein, das war klar, schließlich ist es der erste Opernbesuch, den er gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Freund Carl erlebt.

Carl und Gregory Quelle: Cornelia Felsch

Kennengelernt haben sich die beiden einst im Kindergarten. Carls Großeltern, die in Neuruppin leben, haben am Freitag mit den beiden Potsdamer Jungs einen Kulturausflug nach Rheinsberg unternommen.

Spannung bis zur letzten Minute

Die Kinderoper, ein Auftragswerk der Kammeroper Schloss Rheinsberg, ist ein Novum in der Tucholsky-Stadt, und die Begeisterung der Zuschauer am Ende der Aufführung bewies, dass das Experiment gelungen ist. Von der ersten bis zur letzten Minute herrschten im Schlosstheater Spannung und keineswegs Langeweile.

Für den musikalischen Leiter Aurélien Bello und die Regisseurin Mareike Zimmermann war die Kinderoperproduktion durchaus eine Her­ausforderung. Schließlich sollte die "kleine" Oper auf der Bühne des Schlosstheaters keine Miniversion der großen Heckentheater-Produktion sein.

Ein kindgerechtes, schlichtes Bühnenbild, das aus zahlreichen Baumstämmen besteht und an die märkische Landschaft erinnert, lässt die Kinder schnell in das Abenteuer eintauchen, das der junge Jäger Max erlebt.

Einsam im dunklen Wald

Witzige Effekte und Requisiten – wie geheimnisvoll flackerndes Licht und bunte Luftballons, die das zu schießende Wild ersetzen, sorgen für Spannung und amüsante Szenen. Die Kinder fiebern mit Max, der sich im dunklen Wald einsam fühlt, Angst hat, zu versagen und sich wünscht, zaubern zu können. Er muss m nächsten Tag das Preisschießen gewinnen, wenn er seine Agathe zum Traualtar führen möchte.

Samiel im finsteren Tann. Quelle: Peter Geisler

Mit seinem Gewehr streift er durch den Wald, aber es ist wie verhext, die Kugeln treffen ihr Ziel nicht, und so lässt sich Max schließlich auf einen Handel mit einem Unbekannten ein, der sich als Samiel vorstellt. Er erinnert ein wenig an Pumuckel , allerdings mit grünen Haaren auf dem Schopf.

Webers Originalvorlage wurde für die Kinderoper auf eine Stunde verkürzt, die Handlung gestrafft, Figuren schmelzen zusammen. So wird Agathes Cousine Ännchen zu Agathes Mutter. Die Figur des tückischen Nebenbuhlers, des Jägers Kaspar, wird eingespart, für das Böse ist der Jäger Samiel zuständig.

Die Spannung leidet darunter keineswegs. Teilweise mit offenem Mund verfolgen die Kinder die Handlung. Fünf Sänger und die Musiker der Jungen Kammerphilharmonie verstehen es, mit frischem Elan die jungen Opernbesucher in ihren Bann zu ziehen.

Des Nachts heißt es für Max allen Mut zusammen zunehmen und zur Wolfsschlucht aufzubrechen, um dort mit Samiel die immer treffenden, magischen Zauberkugeln zu gießen.

Elixier aus Quecksilber, Blei und drei Augen

Kein Mucks ist im Theater zu vernehmen, gespannt schauen die jungen Zuschauer auf das geheimnisvolle Treiben. Weniger Mutige kuscheln sich an Mama, Papa oder an die Oma. Der Jäger muss in der Wolfsschlucht ein magisches Elixier trinken – Quecksilber, Blei und drei Augen sind nur einige der Schaudererregenden Zutaten. Fast dem Zusammenbruch nahe, würgt der junge Jäger die Kugeln hervor, die für das Preisschießen bestimmt sind und ihm am nächsten Tag den erhofften Sieg bringen sollen.

Max und Ännchen ist bang vor dem großen Tag. Quelle: Peter Geisler

Für die beiden Potsdamer Opernbesucher Carl und Gregory einer der schaurigsten Momente. „Das sah so entsetzlich echt aus, wie Max den Trank nehmen musste“, sagt Gregory, dem immer noch die Eindrücke des gruseligen Erlebnisses anzusehen sind.

Aber auch die schöne Agathe in ihrem Brautkleid hat die beiden Jungs nachhaltig beeindruckt. Langweilig war es für die beiden Potsdamer Knaben jedenfalls nicht. Sie werden ihren Eltern viel zu erzählen haben. Nach einer Stunde märchenhafter Opern­atmosphäre und tobendem Applaus strömen die jungen Besucher schwatzend in das Foyer, die vielen spannenden Eindrücke müssen nun erst einmal verarbeitet werden.

Erstmals zeigten die Rheinsberger Opernmacher an diesem Wochenende während ihres Festivals, mit „Der Kleine Freischütz“, ein Programm extra für Kinder. Das will der Geschäftsführer Thomas Falk auch künftig ausbauen.

Von Cornelia Felsch

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