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Rheinsberg Europäische Keramik-Künstler in Rheinsberg
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13:21 28.09.2018
Maria Volokhova an ihrer Rheinsberger Teekanne, die sie mit einer Friedrich-Figur kombiniert hat. Quelle: Annika Jensen
Rheinsberg

Der detailreiche Kopf schaut aus dem Deckel der Teekanne heraus. Es sieht ein wenig so aus, als wäre Friedrich II. von Preußen ein Flaschengeist, der aus seinem Gefängnis auszubrechen versucht.

Kanne und König vereint

Maria Volokhova sitzt vor ihrem Werk und korrigiert die letzten Feinheiten. „Ich versuche, fertige Kannen anders zu gestalten“, sagt die 38-Jährige Berliner Porzellan-Künstlerin und bearbeitet mit einem Pinsel die Übergänge zwischen Königsfigur und Teekanne. Beide Stücke waren vorgefertigt von der Rheinsberger Dornbusch Keramik-Manufaktur. Volokhova kommt ursprünglich aus der Ukraine und fertigt sonst, wie sie sagt, funktionelle Figuren aus Porzellan an. So etwa Sphinxen, die als Briefbeschwerer dienen.

Marlies Wieking zeigt ihre Farbproben. Quelle: Annika Jensen

Sie ist eine von neun Keramik-Künstlern, die derzeit am „1. Europäischen Keramik-Symposium Rheinsberg“ teilnehmen. Drei Wochen lang arbeiten die Männer und Frauen in einem großen, offenen Raum im Friedrichszentrum an ab­strakten Objekten, Tellern, Schalen und Tassen. Sie kommen aus ganz Deutschland und Osteuropa. Das Symposium soll Rheinsberg laut Veranstalter weiter bringen auf seinem Weg zur Heimstätte für Keramik.

Organisiert wird es vom Förderverein Keramik in Rheinsberg. Die beiden Manufakturen Dornbusch und Carstens Keramik unterstützen die Künstler, indem sie ihre Brennöfen und Materialien zur Verfügung stellen. Karl Fulle, Rheinsberger Keramiker, und sein Kollege Hendrik Schink, ebenfalls Rheinsberger Keramik-Experte, leiten das Symposium und helfen den Künstlern, wo sie können.

Künstler thematisieren Rheinsberg in ihren Werken

„Uns war es wichtig, junge Künstler nach Rheinsberg zu holen“, sagt Karl Fulle. „Ich denke, wir haben ein gute Mischung hinbekommen. Gerade durch die Zusammenarbeit von jungen und erfahrenen Keramikern besteht ein sehr guter Austausch.“ Schließlich solle es auf dem Symposium vor allem darum gehen, dass die Künstler zusammenarbeiten. „In der Keramik ist das wichtig. Dadurch lernt man die verschiedenen Techniken und künstlerischen Auffassungen.“ Und die Symposiums-Teilnehmer sind aufgefordert, Rheinsberg in ihren Werken zu verarbeiten.

Andreas Vormayr und seine beiden Königsrohre. Mit einer Flex hat er sie gestaltet. Die verspielte Form im Hintergrund soll Heinrich, den Königsbruder, symbolisieren. Mit der Variante im Vordergrund hat Vormayr seine in Rheinsberg gewonnen Erkenntnisse über Friedrich II. verarbeitet. Quelle: Annika Jensen

So hat Maria Volokhova Friedrich den Großen und die berühmte Rheinsberger Teekanne miteinander kombiniert. Auch Andreas Vormayr (32) hat sich von der Stadt am Rhin inspirieren lassen. Der österreichische Keramiker und Fotograf hat sich mit der Geschichte Friedrichs II. und seines Bruders Heinrich auseinandergesetzt. „Ich habe erfahren, dass der Königsbruder der künstlerisch interessierte war und sich dafür Zeit nehmen konnte, während Friedrich sich seinen Amtsgeschäften widmen musste.“ Diese Kenntnisse hat Vormayr in zwei ausgeflexten Rohren verarbeitet. Er hat sich zwei große tonerne Rohre vorgenommen und das eine verspielt gestaltet und das andere mit geraden Linien. „Die verspielte Variante steht für Heinrich, die sachlichere für Friedrich“, sagt Vormayr.

Mit alten Techniken neues schaffen

Auch Marlies Wieking (25) und Magdalena Dziewit (29) nehmen an dem Symposium teil. Die beiden Berlinerinnen studieren in Potsdam Produktdesign und haben sich in ihrem Studium auf das Material Keramik spezialisiert. Sie hatten sich im Team für das Rheinsberger Symposium beworben. Sie kreieren moderne Tassen, Becher, Schüsseln und Kannen und entwerfen ein eigenes Dekor für ihre Stücke. „Das sind Motive, zu den uns die Gegend inspiriert hat“, sagt Marlies Wieking und zeigt auf Farbproben auf dem Boden. „Da haben wir Ziegel, Wasser, Kiefernwald, Gestein.“ Auftragen wollen die Frauen die Farbe nach einer alten Tradition, die sie sich von einer Frau zeigen lassen wollen, die die Methode noch beherrscht. „Das soll ein Pinselstrich mit Hilfe von Staniol werden“, sagt Wieking.

Neun Künstler aus Deutschland und Osteuropa arbeiten drei Wochen an Tassen, Tellern, Kannen und abstrakten Objekten.

Sie wurden aufgefordert, sich mit Ideen zu bewerben. Die sollten sich mit Rheinsberg und seiner Umgebung befassen.

Am Sonnabend, 29. September, um 11 Uhr öffnen die Künstler ihre Werkstatttüren. Dann können die Besucher ihnen über die Schultern schauen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Das Symposium ist Teil der Reihe „Kulturland Brandenburg“. Deswegen hat das Land auch 15.000 Euro beigesteuert. Die Reihe steht unter dem Motto „Europa in Brandenburg. Brandenburg in Europa“. Für Wolfgang Titze, Vorsitzender des Fördervereins Keramik in Rheinsberg und einer, der viel organisiert hat, ist das der Leitgedanke des Symposiums. „Die Idee ist, dass wir europäische Künstler nach Rheinsberg einladen, hier arbeiten lassen und sie ihre Ergebnisse nach Europa tragen. Denn sie kehren ja in ihre Heimat zurück und erzählen von ihren Erfahrungen in Rheinsberg.“

Von Annika Jensen

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