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Rheinsberg Hunde schützen Herde
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Hunde schützen Herde
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00:17 03.07.2018
Reinhard Brehe mit seiner Herde. Er arbeitet seit fünf Jahren für den Naturschutz im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Quelle: Cornelia Felsch
Rheinsberg

Still und friedlich liegen die Herdenschutzhunde zwischen den Schafen. Mit ihrem hellen Fell sind sie von der Herde kaum zu unterscheiden. Seit 14 Tagen leben die Geschwisterhunde Juri und Jonas Tag und Nacht in der Schaf- und Ziegenherde von Reinhard Brehe, der mit seinen Tieren im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land weidet und so zur Pflege der Landschaft beiträgt.

Die Zahl der Wölfe steigt

Doch zu unserer Natur gehört seit einigen Jahren auch wieder der Wolf. Die Zahl der Wölfe steigt in Brandenburg. Der Schutz von Schafherden wird damit immer wichtiger. Der Ruppiner Schäfer hat in Schutzzäune und nun auch in Herdenschutzhunde investiert. „Man schläft einfach ruhiger“, sagt er. „Früher bin ich am Abend gegen 23 Uhr immer noch mal rausgefahren, um nach den Tieren zu sehen.“

Die Tiere pflegen die Landschaft

Im späten Frühjahr zieht Reinhard Brehe mit seinen rauwolligen Pommernschafen, den Burenziegen und den Thüringer Waldziegen in die Landschaft. Doch die Tiere fressen nicht einfach nur, sie erfüllen eine wichtige Aufgabe bei der Landschaftspflege.

Der 63-jährige Landwirt, der bei Rheinsberg vom Aussterben bedrohte Haustierrassen hält, arbeitet seit über fünf Jahren für den Naturschutz. „Damit die Flächen nicht verbuschen, müssen sie genutzt werden“, sagt Heiko Strobel vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Durch das Offenhalten gefährdeter Lebensräume wollen die Naturschützer zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

Die Schafherde von Reinhard Brehe. Quelle: Cornelia Felsch

Reinhard Brehe liegt der Naturschutz am Herzen. Er ist nicht nur Vorstandsmitglied des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg, sondern auch Vorstandsmitglied des im vergangenen Jahr gegründeten Landschaftspflegeverbands „Prignitz-Ruppiner Land“. Den Wolf sieht er keineswegs als Bedrohung an. „Wir müssen mit ihm leben“, sagt er. „Und das ist möglich, wenn wir unsere Herden schützen.“

Wölfe riechen die Schutzhunde von weitem

Ihm ist klar, dass der Wolf dorthin geht wo er leichte Beute machen kann. Der Geruch verrät ihm, wo er die Tiere findet. Er lernt aber auch schnell, wenn er auf Schwierigkeiten stößt. „Wo Herdenschutzhunde angeschafft wurden, sind Wolfsangriffe gleich Null“, sagt der Landwirt. „Wölfe riechen das schon von weitem.“

Herdenschutzhunde haben Eigenschaften, die sie von anderen Hunderassen deutlich unterscheiden. Die zwei Bergpyrenäen-Hunde, die bei Schäfermeister Knut Kucznik in Altlandsberg aufgewachsen sind, wurden schon als Welpen mit Schafen zusammen gehalten. So haben sie eine enge Bindung zu der Herde, die zu ihrer Familie geworden ist.

Hund schleckte ein frisch geborenes Lamm ab

Reinhard Brehe ist ganz begeistert von seinen Hunden: „Wenn keine Gefahr ist, legen sie sich ruhig hin und lassen sich sogar von den Schafen beschnuppern. Wenn sich die Schafe an ihrem Futter vergreifen, dulden sie auch das.“ Der Landwirt hat es auch schon erlebt, dass die Hunde ein frisch geborenes Lamm abgeleckt haben.

Die Herdenschutzhunde. Quelle: Cornelia Felsch

Dennoch sind die Hunde aufmerksam und achten stetig darauf, was um die Herde herum passiert. Kommen unbekannte Eindringlinge der Herde zu nahe, fletschen die Schutzhunde jedoch die Zähne und bellen. Doch das sind nur Drohgebärden. Oftmals nehmen das Spaziergänger allerdings anders wahr.

Informationstafel am Zaun

Um Ärger zu vermeiden hat Reinhard Brehe deshalb eine Informationstafel am Zaun befestigt. Darauf werden Passanten gebeten, zügig vorbei zu gehen, Haustiere an der Leine zu halten und die Herdenschutzhunde nicht zu belästigen.

Rufe nach wolfsfreien Zonen

Verständliche Forderungen, mit denen Spaziergänger sicher gut leben können. Die Rufe nach wolfsfreien Zonen, die in der Region immer lauter werden, kann er nicht nachvollziehen. „Das Land Brandenburg hat ein gutes Wolfsgesetz, da steht alles drin“, sagt er. „Natürlich müssen wir uns dafür einsetzen, dass Tierhalter ordentlich entschädigt werden.

Forderungen nach 100-prozentiger Förderung von Präventionsmaßnahmen und eventuellen Folgekosten, sind ebenfalls berechtigt.“ Reinhard Brehe versteht die Ängste der Menschen und der Tierhalter. Gute Herdenschutzmaßnahmen sind für ihn aber in erster Linie unentbehrlich.

Zahlen und Richtlinien zum Thema Herdenschutz

Mobile Zaunanlagen müssen mindestens 90 Zentimeter hoch sein. Die Mindestspannung beträgt 2500 Volt. Schutzzäune müssen auch wasserseitig aufgestellt werden.

Feste Zäune müssen als 140 Zentimeter hohe Drahtgeflechtzäune mit Untergrabungsschutz ausgeführt werden.

Beim Ziehen mit der Herde von einem Standort zum anderen oder bei Herden mit 500 oder mehr Mutterschafen müssen mindestens zwei Schäfer die Herde beaufsichtigen.

Zum Schutz von Gehegewild sind 180 Zentimeter hohe Drahtgeflechtzäune mit Untergrabungsschutz erforderlich.

Pferdehaltern innerhalb dieser Schwerpunktgebiete ist die Einrichtung wolfssicherer Fohlungsweiden zu empfehlen.

Genauere Mindeststandards, Richtlinien für Herdenschutzhunde und Schadensregelungen sind auf den Internet-Seiten des Landwirtschaftsministeriums einsehbar.

Von Cornelia Felsch

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