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Rheinsberg Loulou im Schlosstheater
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12:49 22.09.2018
Lisa Ströckens und Stephan Goldbach sind Loulou- hier mit dem gleichnamigen Programm im Rheinsberger Schlosstheater in der Reihe Musik unterm Sternenhimmel Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Lulu. Verlockung und Sünde, Kindfrau und Hure, Tier und Göttin, Mörderin und Mordopfer. So vielseitig wie Frank Wedekind die berühmte Femme fatale einst zeichnete, so vielseitig kann Lisa Ströckens modulierfähige Stimme die Facetten der Lulu zum Leben erwecken. Die Sopranistin haucht und zirzt, grummelt und girrt, fleht und poltert, schmollt und seufzt am Freitagabend im Rheinsberger Schlosstheater, dass einem die Luft wegbleibt. Exzentrisch, expressiv, emotional.

Der Name ist nicht von ungefähr gewählt: Das Duo Loulou aus Sopranistin Lisa Ströckens und Kontrabassisten Stephan Goldbach bearbeiten in einer ihrer Musikcollage Wedekinds Stoff und Alban Bergs Oper „Lulu“ und spannen den Bogen von Bach bis Björk.

Sie hat ihr 2014 gegründetes Duo nicht umsonst Loulou genannt – der Stoff hält sie gefangen. Ihr zur Seite steht ein einziges Instrument –nein, nicht Geige, Flöte, Cello. So „un-mainstream“ sie ist, muss es ein Kontrabass sein. „Uns trennen gefühlte 400 Oktaven“, witzelt Stephan Goldbach.

Beide kennen sich vom Studium in Saarbrücken – man hat dort einst eine Wohnung geteilt, nun teilt man die Liebe zur Musik. „Es war klar, dass es keine Noten für unsere Konstellation Stimme – Bass gibt“, erzählt Ströckens, die in Rheinsberg keine Unbekannte ist: sang sie doch in diesem Jahr die Hanna in Frank Matthus’ Oper „A bad mans live“ und war auch 2017 in „Tucholskys Spiegel“ zu hören.

Lisa Ströckens war bereits in zwei Rheinsberger Opern zu sehen

Durch das gesamte Programm zieht sich Lulu als roter Faden: Eröffnet wird mit dem Prolog des Tierbändigers, der das Schlangentier Lulu der Menge präsentiert. Ströckens rezitiert, dann singt sie – ist das Bach? Ja, ist es. „Wir spannen den Bogen über einige Jahrhunderte Musikgeschichte“, erklärt Goldbach. „Von Bach bis Björk.“

Dazu gehören auch Purcell und natürlich Alban Berg. Björks ’Unravel’ ist gänsehautträchtig –zart und spröd zugleich, glasklar wie Eis. Im sehnsüchtige Knef-Song „Bei dir war es immer so schön“ ist sie ganz Diseuse. In „L’ Accordeoniste“ wird Edith Piaf greifbar – auch sie eine Frau, die Männer anzog wie Motten das Licht und an ihnen zugrunde ging.

Beide Akteure mischen die Genres auf expressive Art

Brechttexte und Elektronische Hall- und Loop-Effekte: Ströckens und Goldbach flirren zwischen den Genres –Pop, Schlager, Jazz, Oper, Triphop oder New Age Musik. Kein Abend zum Dudeldabdua-Smooth-Jazz-Abschalten. Dazu mixt die temperamentvolle Ströckens mal eben ein paar Gurken-Cocktails, die sie ins mit knapp zwei Dutzend Gästen leider überschaubare Publikum reicht, fuchtelt mit einem Revolver und wirft mit bunter Wäsche um sich. Lulu das Weib. Jeder Ton ein Akzent. Nichts ist ohne tieferen Sinn. Und alles verwebt sich zu Lulu. Dem ewig Weiblichen.

„Ich bin ganz gefangen von dieser faszinierenden Stimme“, sagt Hartmut Richter. „Es ist unheimlich anspruchsvoll.“ Er sei, so der Rheinsberger mit ganz anderen Erwartungen gekommen – eben Jazz draußen auf der Wiese, wie man es von ’Musik unterm Sternenhimmel’ kennt. „Aber ich bin angenehm überrascht.“ reb

Von Regine Buddeke

Christian Wojatzek engagiert sich für Naturschutz und artgerechte Fischerei. Mit Helfern betreut und reinigt er regelmäßig die Kumreusen im Tortsee im Rheinsberger Raum.

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