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Rheinsberg Kreistagsabgeordneter kämpft für pestizidfreie Kommune
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17:35 03.08.2018
Biodiversität in Rheinsberg: Das hat sich Hans-Georg Rieger auf die Fahnen geschrieben. Auch die Bienen sollen wieder mehr Nahrungsquellen finden können. Quelle: picture alliance / Winfried Roth
Rheinsberg

Keine Pestizide oder zumindest kein Unkrautvernichter Glyphosat mehr auf öffentlichen Flächen: In ganz Deutschland haben sich laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) bereits 240 Städte und Gemeinden für diesen Schritt entschieden. In einigen Kommunen, wie in Eckernförde, Bielefeld oder Göttingen funktioniert das seit mehr als 20 Jahren. Doch während es auf der Karte des BUND beinahe überall in Deutschland einen grünen Punkt gibt, der zeigt, welche Kommune sich den Pestiziden verweigert, gibt es davon im ganzen Land Brandenburg keinen einzigen.

Eine Kommune von zwei in Brandenburg

Doch in Rheinsberg gibt es nun zumindest Diskussionen, diesem Kreis der pestizidfreien Kommunen beizutreten. Lose zusammengeschlossen sind die Gemeinden in der Kampagne des BUND „Pestizidfreie Kommune“ sowie – etwas organisierter – in dem offiziellen Bündnis „Kommune für biologische Vielfalt“. Letzterem haben sich mittlerweile 147 Städte und Gemeinden in Deutschland angeschlossen. Eine einzige Brandenburgische Stadt ist darunter: Schwedt an der Oder.

Wenn es nach dem Rheinsberger Stadtverordneten und Kreistagsabgeordneten Hans-Georg Rieger (BVB/Freie Wähler) geht, tritt sowohl die Stadt als auch der Kreis beiden Bündnissen bei. „Wir sollten nicht nur beitreten, sondern das auch als Grundlage nehmen, bei jeder Diskussion und bei jedem Bauvorhaben zu schauen, ob die Grundsätze, denen wir uns da verpflichten, beachtet sind“, sagt Rieger im Gespräch mit der MAZ. „Die Stadt und der Kreis sollten eine Vorreiterrolle übernehmen“, sagt er weiter.

Öffentliche Flächen sollen unbearbeitet bleiben

Rieger geht es darum, öffentliche Flächen ihrem natürlichen Wuchs zu überlassen. Pestizide schaden nicht nur den Menschen, sondern auch der Flora und Fauna. Die biologische Vielfalt erleide massive Schäden bis hin zum Artenschwund. „Pestizide sind kontraproduktiv“, sagt er. „Wir müssen über Alternativen zu den Unkrautvernichtern diskutieren.“ Er schlägt vor, „Demut zu zeigen“. So wolle er Büsche und Gräser und Wildkräuter, die nach gesellschaftlicher Konvention als „unschön“ gelten, einfach stehen lassen.

Besonders der Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten. Während die internationale Krebsforschungsagentur IARC Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einschätzt, stuft das Deutsche Institut für Risikobewertung (BfR) den Stoff bei sachgemäßer Anwendung als nicht krebserregend ein.

Wie lässt sich ein Pestizidverbot umsetzen?

Wie genau sich Rieger die Umsetzung eines Pestizidverbotes in Rheinsberg vorstellt – außer Grünflächen schlicht unbearbeitet zu lassen – beantwortet er nicht eindeutig. Es müsse sich zu allererst das Bewusstsein der Bürger ändern. Wildwachsende Kräuter und Gräser dürften nicht mehr als Unkraut angesehen werden, sondern als notwendiger Lebensraum von Insekten und deren Räubern, Vögeln und Fledermäusen. Das sei für eine nachhaltige Biodiversität essenziell.

Der BUND indes macht konkrete Vorschläge zu einem Alltag in der Stadt mit einem Pestizidverbot. Auf seiner Internetseite schreibt er: „So werden Flächen mit mehrjährigen Stauden bepflanzt, die Insekten ein ganzjähriges Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum schaffen. Frühzeitiges Reinigen von Verkehrsflächen und planerische Weitsicht bei der Bebauung sind wichtige Elemente, um einen zu starken Bewuchs zu verhindern. Alternativen zur Chemiekeule sind vielfältige mechanische und thermische Verfahren.“

Rheinsberg ist nicht allein

Rheinsberg ist nicht die erste Kommune im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, in der über eine pestizidfreie Zukunft auf gemeindeeigenen Grünflächen diskutiert wird. Auch in der Gemeinde Temnitzquell ist die Debatte aufgeflammt. Der Ausschuss „Windenergie-Verkehrssituation-Freiraum“ beschäftigt sich in seiner dritten Sitzung Anfang September mit dem Thema. „Ich möchte einen Gedankenanstoß bringen“, sagt Ausschussvorsitzende Charis Riemer. „Ich finde, wir sollten uns ein Beispiel an dem Landwirt Bernd Pieper nehmen. Er bewirtschaftet große Flächen in der Gemeinde Temnitzquell nach Demeter-Richtlinien – streng ökologisch.“

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes und aktueller Bewerber um das Amt der Landrates, Sven Deter (CDU) will sich indes nicht zu dem Thema äußern. „Die Diskussion ist mir zu unfundiert, deswegen gebe ich keine Stellungnahme dazu ab“, sagte er auf MAZ-Anfrage.

Von Annika Jensen

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