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Rheinsberg Rennsport: Co-Pilot Timo Gottschalk berichtet
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00:21 16.06.2018
Nasser Al-Attiyah aus Katar und sein deutscher Co-Pilot Timo Gottschalk siegten 2011 bei der Rallye Dakar. Quelle: Volkswagen
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Rheinsberg

Nachts Sandstürme. Tagsüber brüllende Hitze. 2007 fährt Timo Gottschalk das erste Mal bei der Rallye Dakar mit. 14 Stunden hockt er in der engen Fahrerkabine. „Mit Helm und in voller Montur.“ Trotz der Strapazen hat der heute 43-Jährige vor allem glückliche Erinnerungen an das Rennen. „Das war ein richtiges Abenteuer.“

Vier Jahre später gewinnt der Rheinsberger gemeinsam mit Nasser Al-Attiyah die Dakar in Chile und Argentinien. Für den Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik auch nach mehr als 20 Jahren Rallye-Erfahrung „ein ganz besonderer Moment“. Beim Verein Stadtgeschichte Rheinsberg erzählte Gottschalk am Dienstagabend sichtlich bewegt von seinem ersten Sieg der Dakar.

Rennsportbegeistert: Jürgen Pfeifer, Jan Gantikow und Timo Gottschalk (v. l.). Quelle: Frauke Herweg

Rallye-Sport hat in Rheinsberg ein lange Tradition. Schon in den 60er-Jahren treten Motorsportler bei Wettrennen an. 1971 veranstaltet der MC KKW Rheinsberg seine erste Atom-Rallye – Wartburgs und Trabbis starten am Klub der Gewerkschaft und rasen die Lange Straße hinunter. Bei Rennen wie diesen „stand gefühlt die halbe Stadt an der Straße, erinnert sich Jürgen Pfeifer. Auch er ist damals begeistert vom Motorsport. Er hat, wie er selber sagt, „immer schon Benzin im Blut“.

Wer Rennen fährt, muss vor allem leidenschaftlicher Schrauber sein. Ersatzteile waren Mangelware. Die Fahrer mussten improvisieren – und gute Kontakte haben. „Kollegen haben umfangreiche Schweißarbeiten übernommen“, sagt Pfeifer. „Im Gegenzug haben wir beim Eigenheim geholfen.“ Die benötigte Sprechanlage für den Rennhelm bastelt er sich damals selbst – mit ausgebauter Telefontechnik.

Mit dem Familienauto ins Rennen

Pfeifer und seine Rennkollegen starten mit ganz normalen Familienautos. „Das war schon eine Herausforderung“, sagt er. Als er einmal beim Kyffhäuser eine kurvige Straße herunterbrettert, kommen die Bremsen an ihre Grenzen. „Aus allen vier Radkästen kam der totale Qualm.“

Nachdem Timo Gottschalk als Jugendlicher einem dieser Rennen zugesehen hat, ist auch seine Leidenschaft für Motoren entfacht. Erste Rennererfahrungen macht er gemeinsam mit seinem Kumpel Jan Gantikow – „irgendwo hinter Linow im Putenmist“. Gemeinsam wagen die beiden sich damals mit einem Motorrad-Gespann in schwieriges Gelände. Nach drei Runden hatte Gottschalk, der damals Beifahrer ist, lahme Arme. Er kann sich kaum noch halten, fliegt aus dem Beiwagen und bricht sich ein Handgelenk. Seine Begeisterung für den Rallye-Sport schmälert das nicht.

Selber fahren wollte er nie

Gottschalk ist immer Beifahrer und Navigator geblieben. „Mit gefällt das Administrative“, sagt er. „Ich wollte nie selber fahren.“ Als Navigator muss Gottschalk den Fahrer durch unwegsames Gelände dirigieren und die entscheidenden Abzweigungen erkennen. Mitunter muss er dabei auch mit schwierigen Charakteren klarkommen. Carlos Sainz etwa, mit dem er 2013 und 2014 startet, ist „nicht gerade der einfachste Mensch“, sagt Gottschalk. „Aber gerade deshalb machst du es.“

Inzwischen ist Gottschalk in fast jedem Land der Erde Rennen gefahren. Sich an besondere Rennen, an besondere Momente zu erinnern, sei schwierig, sagt er. „Der Speicher ist voll“, sagt er. „Man vergisst viel.“ Premieren wie der erste Sieg der Dakar oder ungewöhnliche Pannen jedoch bleiben in der Erinnerung haften.

In den Dünen von Peru

Bei einem großen Rennen durch die Dünen von Peru in diesem Jahr mussten Gottschalk und sein Teamkollege gleich zwei Unfälle überstehen. Als ein Fahrer vor ihnen wendet und in der eigenen Spur zurückfährt, rasen sie mit ihrem Wagen auf der Spitze einer Düne in das Konkurrenzauto. Ein paar Tage später fahren sie im Strand lang und eine Welle zieht sie ins Meer.

Vor drei Wochen endet jedoch die Pechsträhne von Yazeed Al Rajhi und Timo Gottschalk. Sie gewinnen eine Rallye quer durchs Kasachstan. Als sie durchs Ziel fahren, ist einer der Reifen völlig zerfetzt – von dem Rad ist nur die Felge übrig geblieben. „Drei Kilometer vor dem Ziel“, sagt Gottschalk, „wechselst du nicht mehr den Reifen.“

Von Frauke Herweg

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