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Rheinsberg Stadt buhlt beim Bund um Geld für Literaturmuseum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Stadt buhlt beim Bund um Geld für Literaturmuseum
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12:10 07.11.2018
Peter Böthig leitet das Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Museum und hofft, dass Bund und Land sein Haus stärker finanziell unterstützen. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Etwa 180 000 Euro gibt Rheinsberg jährlich für das Literaturmuseum aus. Tendenz steigend. Eine solche Summe könne sich die kleine Kommune auf Dauer aber kaum leisten, findet Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow. „Wir stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand.“, sagt er. Gleich im nächsten Satz stellt er aber klar: „Die Option Schließung kommt für uns aber nicht in Frage.“ Schließlich sei das Haus deutschland-, ja europaweit einzigartig. Vielmehr müsse die Stadt nach Wegen suchen, die finanzielle Belastung auf eine andere Art herunterzuschrauben – und mache bereits die ersten Schritte in diese Richtung.

Förderstiftung hat noch nicht genug Geld

Gemeinsam mit Peter Böthig, dem Leiter des Kurt-Tucholsky-Museums, habe er die Idee entwickelt, dass die Museumsstiftung der Stadt unter die Arme greifen soll, so der Rathauschef. Eine Förderstiftung, die über ein Kapital von nur etwas mehr als 38 000 Euro verfügt? Und das zu Zeiten von Nullzinspolitik? Die Rechnung kann dennoch aufgehen, ist Schwochow überzeugt.

Stadt hofft auf Millionenbetrag

Denn zum einen profitiert die Stiftung davon, dass sie unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin gegründet wurde. Das Bankinstitut garantiert den Stiftungen nämlich jährlich eine Mindestausschüttung von drei Prozent. Diese Summe kann natürlich den Einsatz der Stadt bei der finanziellen Unterstützung des Museums nicht ersetzen, ja nicht einmal die Stadtkasse deutlich zu entlasten – noch nicht. Am Ende vielleicht aber doch, wenn das Stiftungskapital hoch genug ist. „Es müsste schon ein Millionenbetrag sein“, sagt Schwochow.

Bittbrief an Bund und Land

Diesen, oder zumindest einen respektablen Teil davon, hofft die Stadt vom Bund und Land zu bekommen und hat deshalb Anfang Oktober einen Bittbrief um eine Einmalzahlung in entsprechender Höhe an viele Politiker und Institutionen verschickt. An die Kanzlerin, an alle kulturpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen, an die Kulturausschüsse in Berlin und Potsdam, an die Kulturstaatsministerin, an den Berliner Kultursenator. Und auch schon Antworten bekommen. Antworten, die Schwochow und Böthig zuversichtlich stimmen.

Nächste Woche erstes Gespräch mit Bundestagsfraktion

Nächste Woche darf die Kommune ihr Ansinnen bei der Fraktion der Linken in Berlin vorstellen. Die FDP-Bundestagsfraktion will nach Rheinsberg kommen. Der Kulturausschuss des Bundestags habe der Stadt zugesagt, dass er sich mit dem Thema befassen will, berichtet Schwochow. Mit Kultursenator Klaus Lederer gebe es außerdem Gespräche über Schulklassen aus der Hauptstadt, die die Besucherzahlen und somit die Einnahmen erhöhen sollen.

Ob die Stadt ebenfalls spendet, ist noch offen

Der erste Vorstoß des heutigen Stadtchefs in diese Richtung ist es nicht. Schwochow, der erst im Januar Bürgermeister wurde, zuvor aber lange Jahre zuerst Mitglied der CDU im Stadtparlament und später Fraktionsvorsitzender von BVB/Freie Wähler/FDP war, forderte bereits Mitte 2016, dass die Stadt jährlich 10 000 Euro auf das Konto der Förderstiftung einzahlt, um das Kapital auf Dauer aufzustocken. Er scheiterte damals mit seinem Vorschlag – und will ihn jetzt nicht sofort wieder ins Spiel bringen. Der Bürgermeister hat unter den Stadtvertretern nämlich nicht viele Verbündete, die meisten seiner Vorschläge werden abgelehnt. Erst nach der Kommunalwahl will er einen neuen Anlauf wagen. Ob es bei den 10 000 Euro bleibt, ist offen. „Wir müssen schauen, wie dann die Haushaltslage ist.“

Von Celina Aniol

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