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Rheinsberg Grit Poppe verabschiedet sich von Rheinsberg
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01:15 02.07.2018
Grit Poppe bei ihrer Abschlusslesung im Kurt-Tucholsky-Museum. Quelle: Annika Jensen
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Rheinsberg

Nach fünf Monaten in Rheinsberg verlässt die Kinder- und Jugendbuchautorin Grit Poppe Rheinsberg. Sie war die 47. Stadtschreiberin. Am Donnerstagabend las sie im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum Auszüge aus ihren Texten, die sie über ihre Zeit in Rheinsberg geschrieben hat. Die Sammlung trägt den Namen „Rheinsberger Risse“ und enthält mal längere, mal kürzere Texte.

Von der Flora und Fauna inspirieren lassen

„Ich wusste, dass es hier schöne Landschaften gibt“, sagt Poppe. „Aber ich hätte nicht erwartet, dass man hier wirklich Natur pur hat, wenn man nur drei Meter Richtung Wald geht.“ Sehr angetan war die Schriftstellerin offenbar auch von den vielen Vögeln, die die Stadt besiedeln. In vielen ihre Texte tauchen sie auf: Enten, Reiher, Gänse. „Die Wildgänse waren direkt unter meinem Fenster, mehrere Pärchen“, erzählt sie. „Um den Muttertag herum bin ich ein paar Tage verreist, und als ich wieder kam, hatten die plötzlich ganz viele Küken.“ Danach habe sie angefangen, die Vögel intensiver zu beobachten. „Das war total faszinierend.“

Ihre Beobachtungen will sie für ihren neuen Jugendroman nutzen. „Es geht um Natur und da tauchen auch Gänse drin auf“, sagt sie. „Die Geschichte spielt nicht mal in Deutschland, aber die vielen Szenen, die in der Natur spielen, sind durch Rheinsberg beeinflusst.“

Komische Begegnungen

Aber auch die Menschen haben Grit Poppe inspiriert – auch zu humoristischen Episoden. Gleich der erste Texte in dem kleinen grünen Büchlein, das das Tucholsky-Museum mit ihren Texten drucken ließ, erzählt über ein Original in der Region: den Busfahrer. Sie war kurz vor der Stadt. „Der Busfahrer winkt freundlich zurück, als ich ihm ein Handzeichen gebe und fährt an mir vorbei“, liest sie den etwa 30 Zuhörern im Tucholsky-Museum vor. „Er war nicht wirklich unfreundlich. Das Winken sah sogar ziemlich freundlich aus.“

Andere Rheinsberger konnte die Autorin näher kennenlernen. Etwa die tschetschenischen Mädchen eines Kindertheaters. Sie fielen ihr bei einem Spaziergang durch die Seestraße auf. Sie betrat den Tanzraum und lernte sie kennen. Die Kinder studierten ein Stück mit dem Namen „Heimaten“ ein.

Beeindruckt war Grit Poppe auch von dem Engagement der Bürger in der Mühlenstraße, der ältesten Straße in der Stadt. „Schwertransporter donnern ohne Rücksicht auf Verluste durch die Mühlenstraße“, schreibt sie. „Doch die Einwohner wehren sich: gegen die Zerstörung ihrer Häuser, gegen das Beben, das Wände zum Wackeln bringt, Deckengemälde zerreißt und Fußbodenplatten hochhebt.“ Diese Geschichte nannte sie „Rheinsberger Risse“.

Der nächste Stadtschreiber kommt am Montag

Die Texte kommen gut an. „Sie hat eine sehr poetische und genaue Sicht“, sagt Peter Bö­thig, der Leiter des Kurt-Tucholsky-Museums. „Das hatten wir in dieser Weise noch nicht.“ Er wählt die Schriftsteller aus, die für fünf Monate in Rheinsberg leben, sich inspieren lassen und in einer extra eingerichteten Wohnung schreiben dürfen. „Grit Poppe ist Brandenburgerin und hat was zu erzählen.“

Der nächste Stadtschreiber wird der tschechisch-deutsche Schriftsteller Jan Faktor sein. Er ist in Prag geboren, kam in den 1970er Jahren nach Ost-Berlin und hat sowohl sprachli-experimentelle Texte als auch Romane geschrieben. Seine Zeit in Rheinsberg beginnt am Montag.

Poppe würde es noch mal machen, aber ...

Nach den „Rheinsberger Rissen“ las Grit Poppe aus zwei aktuellen Werken: aus „Schuld“, in dem es um Jugendliche in der DDR geht, und aus „Joki und die Wölfe“, einem Jugendroman. In dem hat sie realistische und fantastische Elemente verwoben – eine Vorgehensweise, die einige ihrer Werke prägen.

Es war Grit Poppes erste Erfahrung als Stadtschreiberin. „Wenn die Gegend so schön ist wie hier, würde ich noch mal ein Stadtschreiber-Stipendium annehmen. Aber die Landschaft hier ist schon schwer zu toppen.“

Von Annika Jensen

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