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Rheinsberg Vier auf dem Weg zum Traumberuf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rheinsberg Vier auf dem Weg zum Traumberuf
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00:22 03.03.2019
Vier im Glück: Jessica Farin, Laura Sophie Mahler, Abdirahman Abdi Mohamed und Manuel Schütt (von vorn) auf einem Balkon des Hafenhotels in Rheinsberg. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Ihm gefielen vor allem die Spätschichten, schwärmt Manuel Schütt. Der 28-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Hotelfachmann im Maritim Hafenhotel Rheinsberg. Er ist einer von 20 jungen Menschen, die derzeit dort eine Lehre absolvieren.

Schütt ist im dritten Ausbildungsjahr. „Das war ich schon mal. Ich hatte ursprünglich eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht. Dann kurz vor Ende ist der Betrieb insolvent gegangen.“ Eine Alternative hatte der junge Mann mit Brille in der Region keine gefunden und arbeitete danach erst mal hier, mal da. Über eine ehemalige Auszubildende erfuhr er von den offenen Stellen im Maritim Hafenhotels Rheinsberg. Er bewarb sich und wurde genommen.

Manuel Schütt ist Hotelfachmann im dritten Lehrjahr im Maritim Hafenhotel Rheinsberg. Spätdienste an der Bar gefallen ihm. Quelle: Peter Geisler

„Die Arbeitszeiten am Wochenende und in den Abendstunden waren mir von Anfang an klar, hatte ich ja auch schon im alten Unternehmen“, sagt Manuel Schütt. Abgeschreckt hätte ihn das nicht. „Im Gegenteil. Der Spätdienst an der Bar mit den Kollegen und Gästen ist immer lustig. Es sind keine starren Abläufe wie vielleicht in der produzierenden Industrie.“

Jede Abteilung wird durchlaufen

In der Ausbildung lernt der Hotelnachwuchs im Maritim jede Abteilung kennen: Rezeption und Reservierung, Housekeeping, Personal, Buchhaltung, Küche, Veranstaltungstechnik und Service. „Das erste Jahr ähnelt sich theoretisch und praktisch bei unseren Auszubildenden, ob Restaurant- und Hotelfachleute oder Köche“, so Hotelsprecherin Stephanie Borowski. „Es ist wichtig, dass sie alle Abteilungen kennen.“ – „So verstehen sie die Zusammenhänge im Hotel, denn es sind nicht nur die Abläufe im eigenen Bereich wichtig“, ergänzt Direktorin Susan Fahrnholz.

Die Gewichtung für das eigene Berufsbild käme zum Schluss, sagt Borowski: „Das dritte Lehrjahr zielt auf das Ausbildungsjahr.“ Durch die Vielfältigkeit der Ausbildung könne man später aber auch in vielen Bereichen arbeiten.

Und auch ein Austausch mit anderen Häusern der Hotelkette ist währenddessen möglich. So war Manuel Schütt für zwei Wochen in der Technik-Abteilung im Berliner Maritim Hotel in der Stauffenbergstraße. „Das waren noch mal andere Dimensionen, weil es dort über 30 Konferenzräume für mehrere 1000 Leute gibt.“

Im Anschluss einen Arbeitsvertrag

Am 31. Juli ist der Neuruppiner fertig mit der Ausbildung. „Dann wird die Sache hier weiterlaufen“, freut sich Schütt und Hoteldirektorin Susan Fahrnholz nickt zustimmend. „Mir gefällt die Arbeitsatmosphäre“, fasst es Schütt zusammen. „Es ist ein junges, dynamisches Team und nach Absprache springt der eine für den anderen ein, wenn der Dienst mal getauscht werden soll.“

Wunschtermine kann man freikriegen, bestätigt Kollegin Jessica Farin, die gerade in der blauen Dienstkleidung, mit Weste und Tuch, vom Frühstücksdienst kommt. „Letztes Silvester konnte beispielsweise feiern. Ich hatte an dem Tag Frühschicht und an Neujahr frei.“ Die 20-jährige Neuruppinerin befindet sich im zweiten Lehrjahr zur Veranstaltungskauffrau. „Nach dem Abi war ich für ein soziales Jahr beim Kreissportbund in Neuruppin, habe Events dort mit organisiert.“

Zur Veranstaltungskauffrau lässt sich die Neuruppinerin Jessica Farin ausbilden. Derzeit ist sie im zweiten Lehrjahr. Quelle: Peter Geisler

Ursprünglich wollte sie Sportmanagement studieren. Doch nur Sport allein wäre nichts für sie gewesen, merkt sie nun im zweiten Lehrjahr. „Mir macht es Spaß, auch mal im Service mitzuhelfen, ich wollte nicht nur im Büro sitzen.“ Was Jessica Farin nach der Ausbildung machen möchte? „Mein Ziel ist es, eine eigene Bar zu eröffnen mit Mottopartys.“

Mit der Ausbildung hätte sie alles richtig gemacht. Weder Farin noch ihr Kollege Manuel Schütt verstehen, weshalb es junge Leute abschreckt, im Hotel oder Restaurant zu arbeiten. Die Zahlen sprechen allerdings für sich. „Im vergangenen Ausbildungsjahr mit Stand 30. September 2018, waren in Ostprignitz-Ruppin 59 Ausbildungsstellen in der Hotellerie und Gastronomie gemeldet“, fasst Melanie Speck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Neuruppin, zusammen. „19 Stellen blieben unbesetzt.“

Ausbildungsstellen im Landkreis unbesetzt

Das Jahr zuvor boten die Ausbildungsbetriebe 88 Plätze an, und für ebenfalls 19 fand sich kein Nachwuchs. „Bei den Köchen waren 37 Ausbildungsstellen zum 30. September 2018 gemeldet, 13 blieben unbesetzt.“ In 2016/2017 seien es 44 Plätze gewesen, nur 32 wurden vermittelt.

Die Arbeitsagenturen haben den gesetzlichen Auftrag, junge Menschen auf die Berufswahl vorzubereiten und umfassend zu informieren. „Unabhängig von der Berufswahl werden junge Menschen auf dem Weg in eine Ausbildung umfangreich unterstützt“, so Speck. Es gäbe unter anderem die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme.

Abdirahman Abdi Mohamed ist seit drei Jahren in Deutschland und seit vergangenem September als angehender Hotelfachmann im Haus. Quelle: Peter Geisler

Auch Abdirahman Abdi Mohamed wurde eine solche von der Arbeitsagentur angeboten. „Ich habe abgelehnt“, berichtet der junge Mann, der in Somalia geboren wurde und in Äthiopien aufwuchs. Vor drei Jahren ist der heute 19-Jährige als unbegleiteter Minderjährige über das Mittelmeer nach Europa gekommen.

Bildung ist ihm wichtig

„In Äthiopien gibt es wenig Bildung und wenn, dann ist sie teuer.“ Damals, im Februar 2016, als er mit Freunden in Italien eintraf, reiste er weiter nach Bayern, dann Frankfurt/Oder, Wittstock und schließlich nach Rheinsberg.

„Das Jugendamt schickte mich zur Schule nach Neuruppin. Dort habe ich die Mittlere Reife gemacht.“ Deutsch hatte der ehrgeizige junge Mann relativ schnell gelernt und nach dem Schulabschluss ein Praktikum als KFZ-Mechatroniker belegt. „Es gab aber keine Aussicht auf einen Ausbildungsplatz“, gesteht Abdi Mohamed. „Meine zweite Wahl war Hotelfachmann.“ Er schickte seine Unterlagen ans Maritim Hafenhotel Rheinsberg und wurde eingeladen.

Letzten September begann er seine Ausbildung. „Erfahrung in dem Bereich hatte ich etwas“, sagt er. „Mein Onkel hat in der Heimat ein kleines Hotel.“ Gegen Spätschichten hat auch Abdirahman Abdi Mohamed nichts. An seinem Arbeitsplatz fühlt sich der angehende Hotelfachmann wohl. Gerade durchläuft er den Restaurantservice. „Das gefällt mir gut, genauso wie die Veranstaltungstechnik.“

Abwechselnd Schule und Praxis

Eine Woche sei immer Schule im OSZ Neuruppin, zwei Wochen Arbeiten im Betrieb, erklärt Laura Sophie Mahler. Die 18-Jährige absolviert ebenfalls eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Sie ist im dritten Lehrjahr und nun bis zu dessem Ende in der Reservierungsabteilung. „Danach wird sie dort übernommen“, teilt Stephanie Borowski mit.

Alle ihreAuszubildenen seien sehr zielstrebig, sagt die Hotelsprecherin, die seit Anbeginn des Maritim Hafenhotels Rheinsberg, vor zwölf Jahren, schon im Haus ist. „Es gab aber auch Jahre, da war das anders oder aber wir hatten nur sieben Auszubildende.“

Laura Sophie Mahler stammt aus Franken. Ende Juli ist sie fertig mit ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau und wird übernommen. Quelle: Peter Geisler

Mahler selbst wollte immer in die Hotellerie: „Meine Oma hatten einen Gasthof, da war ich immer als Kind. Auch meine Mama ist Restaurantkauffrau.“ Dennoch überlegte die Tochter nach der Mittleren Reife kurz, auf Erzieherin zu schulen. „Nach der Mittleren Reife schnupperte ich aber auch noch mal in ein Hotel rein. Schon zu Schulzeiten habe ich am Wochenende in einem Seminarhotel gearbeitet.“

Anfangs hatte sie Bammel

Der Ausbildungsplatz im Maritim Hafenhotel Rheinsberg wurde es dann. „Am Anfang hatte ich etwas Bammel“, gibt die 18-Jährige zu. „Ich fragte mich, ob ich das schaffe? Das Maritim hat einen gewissen Anspruch, ist ein Sternehotel. Zudem kannte ich in Rheinsberg niemanden.“

Aber Laura Sophie Mahler hat Verwandtschaft in der Region. Mit der Zeit taute sie auf und geht nun mit auf Berufswahlbörsen wie die letzte Woche in der Heinrich-Rau-Oberschule in Rheinsberg, um mit Schülern über ihre Erfahrungen zu sprechen.

„Gute Noten in Mathe, Deutsch, Englisch braucht man für den Job. Aber auch Teamgeist und Offenheit.“ Wobei man die anfängliche Scheu zu reden im Laufe der Zeit durch den steten Gästekontakt überwindet. Bisher sei Mahler in jeder Abteilung gerne gewesen.

Eigentlich bin ich kein Büro-Mensch

„Es freut mich, wenn jemand mit einem Lächeln aus dem Restaurant geht, weil ich Gutes getan habe.“ Der Reservierungsbereich wiederum sei nun genau ihr Ding. „Und eigentlich bin ich kein Büro-Mensch. Doch wenn sich wie gestern eine ältere Frau herzlich für die Beratung bedankt, kann ich sagen, ich lebe für meinen Beruf.“

Von Anja Reinbothe

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