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Ringe für die Dohlen vom Kyritzer Kirchturm

Naturschutz Ringe für die Dohlen vom Kyritzer Kirchturm

Mit 40 Brutpaaren zählt die Dohlenkolonie vom Kyritzer Kirchturm zu den größten im ganzen Land Brandenburg. Der Vogelexperte Anselm Ewert machte sich nach 13 Jahren Pause erstmals wieder auf, um die jungen Vögel zu beringen. Auf den Turm begleiteten ihn fünf Schüler aus der freien Schule in Baek.

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Die Dohleneltern wunderten sich über den menschlichen Besuch und schauten von draußen ständig nach ihren Jungtieren.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Majestätisch thront der Doppelturm der Sankt-Marien-Kirche über der Ostprignitzstadt Kyritz. Die in der Morgensonne golden glänzenden Kreuze in über 40 Metern Höhe sind weithin sichtbar. Rufe der dort oben nistenden Dohlen sind zu hören. Emsig schwärmen die eleganten Flieger auf Futtersuche für ihre in den Nestern wartenden Jungtiere in die Umgebung aus. Unten auf dem Kirchplatz versammelt sich derweil eine Hand voll Schüler, begleitet von Vogelkundler Anselm Ewert, der die jungen Dohlen mit Erkennungsringen versehen will. Die fünf Mädchen und Jungen, alle im Alter von neun und zehn Jahren, besuchen die freie Schule im Prignitzdorf Baek, nördlich von Perleberg. Die Lehrer der Schule absolvieren an diesem Tag eine Weiterbildung. Statt Unterricht haben die Schüler nun einen Tag, an dem sich Eltern mit Projekten einbringen. Ewerts Kinder Martin und Carla sind Schüler der Baeker Schule und bei der Beringung mit von der Partie.

Bei der Beringung der jungen Dohlen ist Arbeitsteilung angesagt

Bei der Beringung der jungen Dohlen ist Arbeitsteilung angesagt.

Quelle: André Reichel

Mehr als eine kleine Zange und ein Akkuschrauber als Werkzeug ist dafür nicht notwendig. Der Weg nach ganz oben auf die Türme hat es jedoch in sich. Eine unscheinbare Tür hinter der Orgel führt zu einem schmalen dunklen Treppengang, der steil hinauf zu der Etage führt, in der sich die Kirchenglocken befinden. Anselm Ewert kennt die Kirche gut und hatte genau deshalb vorsorglich eine Taschenlampe mitgebracht. Die eifrigen Kinder überwinden ohne weiteres die erste Etappe. Von nun an geht es über Holzleitern dem Ziel in luftiger Höhe entgegen. Hölzerne Plattformen bieten Gelegenheit zum Verschnaufen. Von den schmalen Fenstern auf jeder Etage des Turmes wird die Aussicht immer eindrucksvoller, bis schließlich mit der obersten Plattform das Ziel erreicht ist. Als die Kinder die dort an den Fensteröffnungen installierten Nistkästen entdecken, waren alle Anstrengungen und Mühen sofort vergessen.

Anselm Ewert schraubt die Rückwand des ersten Kastens mit dem Akkuschrauber auf. Die Jungtiere, die er darin fand, waren noch zu klein. „Die Ringe könnten einfach abfallen“, erklärt der Experte. In den anderen der insgesamt 20 Kästen hatte er mehr Glück. Die Jungtiere dort haben alle genau die richtige Größe. Das Zeitfenster für die Beringung ist knapp. Schon eine Woche später können die jungen Dohlen so weit entwickelt sein, dass sie panisch aus dem Nest in den sicheren Tod springen, wenn sie beringt werden sollen.

Der gelbe Zusatzkennring

Der gelbe Zusatzkennring.

Quelle: André Reichel

Jedoch hat der Vogelkundler langjährige Erfahrungen. „Ich beringe seit fast 30 Jahren Vögel und habe immer Buch geführt.“ Vor gut 30 Jahren hatte Anselm Ewert, der in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin arbeitet, erstmals Vögel beringt. „Anfangs begleitete ich dabei den Ornithologen Jürgen Kaatz, später machte ich das auch allein“, berichtet Anselm Ewert. Da es schon immer zu wenige Beringer gab, musste Ewert Schwerpunkte setzen. „Ich konzentrierte mich auf Greifvögel, Schleiereulen und natürlich Dohlen im Altkreis Kyritz“, sagt der engagierte ­Naturfreund, der aber aus Zeitgründen schon seit 13 Jahren keine Vögel mehr beringt hat.

Auf Nachfrage der für ganz Ostdeutschland zuständigen Vogelwarte Hiddensee entschloss sich Anselm Ewert, nun wieder dahingehend aktiv zu werden. Neben den herkömmlichen Aluminiumringen der Vogelwarte hat Ewert als Neuheit noch einen auffälligen gelben Zusatzkennring speziell für Dohlen im Gepäck. „Den grauen Aluring finden wir nur, wenn die Tiere tot sind“, berichtet Ewert. Die vierstellige Zahlen-Buchstaben-Kombination am gelben Ring kann man allerdings gut mit einem Fernglas am lebenden Tier ablesen. Es gilt, das Ansiedlungsverhalten und die Wanderbewegung zu erforschen sowie die Brutorttreue zu erkunden.

Das Falkennest   mit sechs  Eiern

Das Falkennest mit sechs Eiern.

Quelle: André Reichel

Mit rund 40 Brutpaaren gehört Kyritz brandenburgweit neben Neustadt und Neuruppin zu den wenigen Orten, in denen es noch genügend Dohlen gibt. „Das liegt an den Nistmöglichkeiten im Kirchturm“, berichtet Anselm Ewert.

Der Vogelkundler beobachtet die Situation seit mehr als 25 Jahren. Die Bilanz ist erschreckend. Wurden Dohlen Anfang der 1990er Jahre noch als „gefährdet“ eingestuft, heißt es wenige Jahre später schon „vom Aussterben bedroht“. Derzeit gibt es in Brandenburg etwa 1000 Brutpaare. „Das klingt viel, ist aber nicht ausreichend“, sagt Ewert.

Die Beringung der Kyritzer Dohlen dauerte rund zwei Stunden. In den nächsten Tagen will Ewert im Raum Kyritz-Wittstock ­Schleiereulen beringen. Etwa 40 Nistkästen hat Ewert für sie in­stalliert.

Von André Reichel

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