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Risikoreiches Badevergnügen wegen Sparzwang

Kaum bewachte Badestellen im Nordwesten Brandenburgs Risikoreiches Badevergnügen wegen Sparzwang

Erfrischung mit Risiko, denn das Geld ist knapp. Im Nordwesten Brandenburgs gibt es nur wenige bewachte Badestellen, weil die Kommunen sparen müssen. Und wäre die Empörung im vergangenen Jahr nicht so heftig gewesen, hätte man in Neuruppin sogar fast auf die Pflege einer Liegewiese verzichtet.

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Baden kann so viel Spaß machen. Wenn man einige Regeln beachtet, ist das kühle Nass für Kinder und Erwachsene im Sommer einfach nur herrlich.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Der Juli ist am gefährlichsten. In keinem anderen Monat kommen so viele Menschen beim Baden ums Leben. In diesem Punkt ist die Unfallstatistik der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eindeutig. Seit Jahren beobachtet Deutschlands größte Wasserrettungsorganisation, was sich an den Badestränden der Bundesrepublik tut.

Im Jahr 2014 sind laut DLRG 392 Menschen in Deutschland ertrunken. „Nach wie vor sind Binnengewässer die Gefahr Nummer eins“, sagt DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje. 80 Prozent der tödlichen Badeunfälle ereignen sich in einem See, Teich, in einem Fluss, Bach oder einem Kanal. Die restlichen Unfälle werden von Nord- und Ostsee gemeldet. Oft kommen Menschen ums Leben, weil sie sich überschätzen oder weil sie grundlegende Baderegeln nicht beachten. Eine der wichtigsten: Wer nicht richtig schwimmen kann, sollte am besten nur dort ins Wasser gehen, wo im Notfall Hilfe in der Nähe ist. Vorzugsweise an einer bewachten Badestelle.

Doch weil vielen Kommunen das Geld fehlt, sparen sie bei der Sicherheit. Baden ist ein Privatvergnügen; keine Stadt oder Gemeinde ist verpflichtet, einen Rettungsschwimmer anzustellen, um ihren Bürgern eine feuchte Abkühlung im Sommer zu ermöglichen. Im Nordwesten Brandenburgs laden hunderte Seen und Teiche zum Baden und Schwimmen ein, doch es gibt in den Kreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz nicht einmal ein Dutzend bewachter Bademöglichkeiten.

Mit seinem vielen Wasser kann Neuruppin bei Touristen im Sommer besonders punkten. „Aber wir haben nur eine Badestelle“, stelle Stadtsprecherin Michaela Ott klar. Zwar kümmert sich der städtische Bauhof den Sommer über auch um viele andere Bademöglichkeiten. „Aber das sind alles nur Liegewiesen“, erklärt Michaela Ott. Der Unterschied: An einer Liegewiese sorgt die Stadt allenfalls für eine mobile Toilette, Papierkörbe und einen Rettungsring für den Notfall. Einen Rettungsschwimmer gibt es dort aber nicht, jedenfalls nicht im Normalfall. Den kann sich Neuruppin gar nicht überall leisten. Nur im Jahnbad sorgt zwischen Mai und September Bademeisterin Marlen Steiner für Sicherheit.

Auch ohne festes Personal sind die Kosten für die Liegewiese in Neuruppin so hoch, dass die Stadt im vergangenen Jahr sogar daran nachgedacht hat, dort nicht einmal mehr das Gras zu mähen. Der Aufschrei aus den Ortsteilen war so groß, dass der Plan schließlich fallen gelassen wurde. Doch Baden bleibt teuer, jedenfalls für die Kommunen.

Die Stadt Lindow hat sich deshalb vor zwei Jahren von ihrem Seebad verabschiedet; dort gibt es keinen Bademeister mehr. Um Rheinsbergs einzige Badeanstalt kümmert sich inzwischen der Marineclub. Die Gemeinde Wusterhausen bezahlt den Rettungsschwimmer in ihrem Strandbad noch immer aus der eigenen Kasse. Am Strandbad in Kyritz übernimmt das die Wohnungsbaugesellschaft. In der Prignitz können Badegäste an drei Stellen unter Aufsicht ins kühle Nass springen: im Wittenberger Friedensteich, im Groß Wolterdorfer See in der Gemeinde Groß Pankow und im Freibad im Hainholz in Pritzwalk. Am Rudower See bei Lenzen, einer der beliebtesten Badestellen gibt es dagegen keine Schwimmmeister mehr. Die Gemeinde musste die Stelle streichen. „Leider“, wie es aus dem Lenzener Ordnungsamt heißt.

Wo die Kommunen nicht weiterkommen, versuchen Ehrenamtler zu helfen. Mitglieder der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes zum Beispiel. Unter anderem in Alt Ruppin, Lindow, Rheinsberg, Zechlinerhütte und Kyritz sind Rettungsschwimmer der Wasserwacht an den Wochenende oder wenigstens sporadisch im Einsatz, um für Sicherheit zu sorgen, sagt Peter Falkenberg, der stellvertretender Kreischef für Ostprignitz-Ruppin.

Die Wasserwacht tut das meist seit vielen Jahren und sie tut das gern. Doch auch sie bekommt so langsam ein Personalproblem. „Bei uns melden sich viele Jugendliche“, sagt Falkenberg. Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist beliebt. Doch die Wasserwacht kämpft mit den selben Schwierigkeiten wie viele Feuerwehren: Wenn die jungen Leute ausgebildet sind und erste Erfahrungen gesammelt haben, stehen sie oft nicht mehr zur Verfügung. Auf der Suche nach einer Lehrstelle oder einem Studienplatz ziehen viele aus der Region weg. „Noch können wir alles absichern“, sagt Peter Falkenberg. Doch was ist in einigen Jahren, wenn sich der Trend so fortsetzt?

Hinzu kommt ein anderes Phänomen: Laut DLRG verunglücken besonders oft ältere Menschen beim Baden. Zum einen weil viele nur schlecht oder gar nicht schwimmen können. Zum anderen weil sie ihre körperliche Leistungsfähigkeit häufig überschätzen, sagt DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje. Weil die Menschen immer älter werden, werden künftig wohl eher mehr Retter und ehrenamtliche Aufpasser für Badegäste gebraucht als bisher.

Von Reyk Grunow

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