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Rohstoff rieselt von Ruppiner Bäumen

Landkreis stellt Container bereit Rohstoff rieselt von Ruppiner Bäumen

Wenn im Herbst das Laub fällt, fragen sich viele, wie sie den ganzen Müll loswerden können – dabei stecken darin Werte. Viele Gemeinden denken immer mal wieder darüber nach, eine eigene Kompostieranlage zu bauen. Sie verwerfen den Vorschlag meist, denn die Auflagen für eine Kompostieranlage sind hoch.

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300 Container für Grünabfälle stellt der Landkreis Ostprignitz-Ruppin jeden Herbst kostenlos auf. Die meisten sind schnell voll, so wie der hier in Wuthenow.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. In den Blätter steckt so viel Energie – dass die der Region einfach so verloren geht, tut Simone Deter weh. Die Chefin des Neuruppiner Stadtbauhofes würde sich wünschen, dass das viele Laub, das im Herbst von den Neuruppiner Bäumen fällt, auch in Neuruppin bleiben würde. Doch in jedem Herbst passiert wieder dasselbe: Hausmeister, Reinigungsfirmen und Anwohner harken und fegen tonnenweise Blätter zusammen, bringen sie zu den zentralen Sammelstellen – und weg ist der wertvolle Rohstoff.

Auch der Stadtbauhof macht da aus Mangel an Alternativen keine Ausnahme: Die Laubberge, die die Mitarbeiter einsammeln, landen in Containern der Abfallwirtschaftsunion (Awu). Wie viel Laub der Bauhof jedes Jahr zusammenkehrt, kann Simone Deter nicht mal sagen: „Wir erfassen das nicht gesondert.“ Das meiste Laub nehmen die Kehrmaschinen bei ihren üblichen Straßenreinigungstouren mit. Die Awu entsorgt alles.

Viele Gemeinden denken immer mal wieder darüber nach, eine eigene Kompostieranlage zu bauen – und verwerfen den Vorschlag meist wieder. „Die Auflagen für eine Kompostieranlage sind hoch“, sagt die Lindower Ordnungsamtsleiterin Carmen Noack. Auch Lindow hat sich deshalb gegen eine solche Anlage entschieden – so schön es für die Bürger auch wäre, sie zu haben.

Die Container decken nur einen Bruchteil des Bedarfs

Die 300 Grünabfallcontainer, die der Landkreis jedes Jahr kostenlos im Kreisgebiet aufstellen lässt, decken nur einen Bruchteil des Bedarfs. Auf keinen Fall reichen sie aus, um die Berge von Straßenlaub zu entsorgen. Viele Kommunen suchen nach einer Lösung, damit Bürger nicht auf den Kosten sitzen bleiben, wenn sie den öffentlichen Abfall schon zusammenkehren.

Wer sein Laub nicht in einen der Kreis-Container werfen kann und es deshalb bei einer der Grünsammelstellen abgibt, muss dafür in der Regel bezahlen. Einen Euro kostet es zum Beispiel, einen Sack voller Laub bei der Sammelstelle auf dem Neuruppiner Flugplatz loszuwerden. Betrieben wird die Station von der Rheinsberger Agrar-GmbH, die die Abfälle aus Neuruppin zu ihrer Kompostieranlage in Linow transportiert. Dort entsteht in einem Dreivierteljahr Kompost, den die Firma verkauft.

Viele Kommunen suchen nach einer Lösung, wie sie ihre Bürger wenigstens von den Kosten fürs Entsorgen des Straßenlaubs befreien können, ohne selbst zu viel zu bezahlen. Manche Gemeinden stellen kostenlose Laubsäcke zur Verfügung, doch das ist umstritten.

Auch die Gemeinde Wusterhausen hat das bis vor Kurzem gemacht. „Inzwischen haben wir das System aber umgestellt“, sagt Kämmerer Tobias Kaminski. Die Säcke waren zu teuer. Jetzt können die Bürger ihr Laub zur Komopostieranlage in Heinrichsfelde bringen. Die wird von der Perleberger Recycling GmbH betrieben und nimmt wie die in Neuruppin Grünabfälle grundsätzlich nur gegen Gebühr an. Im Falle von Straßenlaub übernimmt die Gemeinde Wusterhausen aber die Kosten. „Die Leute können das Laub kostenlos abgeben und wir bekommen einmal im Jahr eine Sammelrechnung“, erklärt Kaminski das System, das sich die Gemeinde von Heiligengrabe abgeschaut hat. Rund 1000 Euro zahlt Wusterhausen.

Landwirt pflügte das Laub unter

Lindow hatte bisher eine noch billigere Lösung. In den vergangen Jahren hatte sich ein Landwirt bereit erklärt, Straßenlaub kostenlos abzunehmen und auf seinen Feldern unterzupflügen. „Leider klappt das in diesem Jahr nicht mehr“, sagt Amtsleiterin Carmen Noack. Sie hofft noch, dass sich vielleicht ein anderer Landwirt dafür findet; die Bürger fragen schon danach.

Neuruppin hatte im vergangenen Jahr mehrere Container speziell fürs Laub von städtischen Straßen aufstellen lassen. 2000 Euro hat die Stadt dafür ausgegeben. Doch die Aktion „stieß leider nicht auf so große Resonanz, wie erwartet“, sagt Rathaussprecherin Michaela Ott. Die Container wurden nicht voll. Neuruppin wird in diesem Jahr keinen neuen Versuch starten.

Die Neuruppiner Stadtwerke arbeiten derweil weiter an der Idee, eine Entsorgungsanlage für Grünabfälle, mit der auch Energie gewonnen werden könnte. „Voraussichtlich im kommenden Jahr wird es eine Entscheidung dazu geben“, sagt Michaela Ott. Neuruppins Bauhofleiterin Simone Deter ist überzeugt, dass sich mit Laub ein Geschäft machen lässt: „Warum gibt es sonst private Firmen, die das sogar in ganz großem Stil tun?“

Von Reyk Grunow

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