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Ostprignitz-Ruppin Der Rollstuhl als Sportmaschine
Lokales Ostprignitz-Ruppin Der Rollstuhl als Sportmaschine
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00:30 25.05.2015
Beim Rollstuhl-Hockey können Behinderte und Nichtbehinderte beim Dorffest in Seebeck teilnehmen. Quelle: Regine Buddeke
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Seebeck

Ein Rasen, ein paar Feldspieler und ein Torwart, ein kleiner Ball, Schläger – klare Sache: Das ist Hockey. Auf Schlittschuhen wird der Sport zum Eishockey. Für Nicht-Eisbären tun es auch Rollschuhe: dann ist es Rollhockey. Und es gibt noch eine andere Variante: Rollstuhl-Hockey.

„Das wollen wir beim diesjährigen Dorffest in Seebeck spielen“, erzählt Jörg Tümmel. Er will die jeweils sechs Spieler der vier gesetzten Teams – Seebeck, Vielitz, Lindow und Strubensee – in Rollstühlen aufs Feld schicken. Tümmel ist seit 1992 auf den Rollstuhl angewiesen angewiesen. Der sportbegeisterte Mann wollte auch nach seinem Skiunfall nicht auf Bewegung, Sport und Spiel verzichten.

Mobil als Querschnittsgelähmter

In Bielefeld hat er einen Handicap-Rollstuhl-Sportverein ins Leben gerufen, im Lindower Ortsteil Schönbirken betreibt er eine Pension für Rollstuhl-Aktivurlauber. Sein Fuhrpark an Rollstühlen, Quads, Carts, E-Mobilen und Anklemmbikes ist riesig. Tümmel verleiht die Mobile und demonstriert damit, wie mobil man auch als Querschnittsgelähmter noch sein kann.

Insofern ist es kein Problem, die Mannschaften beim Dorffest mit fahrbaren Untersätzen auszurüsten. Was Tümmel dagegen noch dringend sucht, sind Mitspieler. Rollstuhlfahrer müssen das nicht sein – Jörg Tümmel möchte ein integratives Spiel, bei dem Nichtbehinderte sich einmal in die Perspektive eines Rolli-Fahrers versetzen können. „Das soll Berührungsängste abbauen“, so Tümmel, der aus seinem Alltag weiß, dass diese Berührungsängste trotz zunehmender Sensibilisierung für das Thema längst nicht abgebaut sind.

Der Rollstuhl als Sportmaschine

Dass das auch ein großer Spaß wird, davon ist Tümmel überzeugt. „Ich wollte etwas Außergewöhnliches machen“, so der Organisator. Gerade versucht er, ein gepflastertes Feld in Seebeck für das Event anzumieten. „Auf einer Wiese wird es schwierig“, sagt er. Die Räder wollen rollen. Ein Rollstuhl sei nicht nur ein Hilfsmittel, sondern auch eine Sportmaschine. Dass die indes nicht einfach zu bedienen ist, weiß Tümmel aus Erfahrung. Besonders, wenn man dabei noch einen Schläger mitführt, um bestenfalls damit auch den Ball ins Tor zu versenken. Wie also stellt man das an, wenn man beide Hände zum Antreiben und Steuern des Untersatzes braucht? „Das sollen mal alle selbst rauskriegen“, sagt Tümmel schmunzelnd. „Dann merken sie, wie schwer der Alltag mitunter für uns Rollifahrer ist“, wirbt er um Verständnis für Barrierefreiheit und Rücksicht. „Das ist eine ganz andere Welt.“ Angst müsse niemand haben, die Rollstühle für die Spieler seien mit Kipprollen ausgestattet. „Wenn alle ständig umfallen, nutzt uns das ja nichts“, meint er mit einem Augenzwinkern. Darüber hinaus bietet Jörg Tümmler im Vorfeld zwei bis drei Trainingseinheiten an. „Ich lade alle Teams zum lockeren Meeting bei mir ein – dann eiern wir hier ein bisschen rum.“

Zum Dorffest selber wird Jörg Tümmel neben den Rollstühlen für die Spiele auch ein paar E-Bikes und einen Hindernisparcours aufstellen. „Das ist der pure Fahrspaß für alle Besucher“, verspricht er. „Die Teile sind der Renner – genau wie ich.“

Hinweis: Das Dorffest in Seebeck steigt am 11. Juli. Wer beim Rollstuhlhockey mitmachen möchte, kann sich bei Jörg Tümmel telefonisch unter Tel. 0177/9793969 oder per E-Mail unter j-t-b@t-online.de melden. Gesucht werden Männer, Frauen und Kinder ab zehn Jahren.

Von Regine Buddeke

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