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Rosenwinkel braucht zuverlässige Verbindung

Nahverkehr ins Dorf Rosenwinkel braucht zuverlässige Verbindung

Wäre da nicht der Schülerverkehr, wäre das Leben der Familie Kronmarck in Rosenwinkel wesentlich entspannter. Denn obwohl es der Familie gut geht, hat Flora Kronmarck (11 Jahre) regelmäßig Probleme, den Bus zu erreichen: Wenn ihr Zug aus Neuruppin ankommt, ist ihr der Bus oft bereits genau vor der Nase abgefahren.

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Flora genießt die Freiheiten in Rosenwinkel, vermisst aber Spielkameraden.

Quelle: Claudia Bihler

Rosenwinkel. „Brandenburg ist nicht so recht was für Frauen“, hatte Christian Kronmarck, Rosenwinkler Unternehmer einmal sinnierend formuliert: „Frauen möchten halt auch mal was anderes, Männer können sich hier schon gut verwirklichen.“ Er selbst führt seine Metallbaufirma, er hält Schafe und Hasen, kurz: Er hat immer was zu tun.

„Eigentlich geht es uns hier in Rosenwinkel sehr gut. Wir haben viel Platz, ein schönes Haus, ich habe eine gute Arbeit und einen guten Mann“, sagt Jana Kronmarck, „und ich genieße die Natur, in der man reiten oder mit dem Hund spazierengehen kann.“ Mehr als acht Kilometer täglich läuft sie mit der Französischen Bulldogge, die sich durchaus auch mit den Roten Neuseeländern, den Stallkaninchen der Familie. angefreundet hat und der das gute Lauftraining anzusehen ist.

Und doch ist Jana Kronmarck in gewisser Hinsicht unzufrieden: „Erst hatten wir drei, vier Schafe zum Rasenmähen, inzwischen ist unsere Herde sogar im Herdbuch registriert. Tomatenhaus, Hasen: Für uns ist eigentlich kaum noch Zeit vorhanden.“ Dann schränkt sie ein: „Aber mich hat ja niemand gezwungen herzuziehen.“

Mit ihrer Französischen Bulldogge macht Jana Kronmarck lange Spaziergänge

Mit ihrer Französischen Bulldogge macht Jana Kronmarck lange Spaziergänge.

Quelle: Claudia Bihler

Denn ursprünglich stammt Jana Kronmarck aus Berlin, und inzwischen vermisst sie die Großstadt, wenn auch nur für „ganz profane Dinge“. Dinge, die man nicht wirklich benötige: „Ich will mal shoppen, einfach nur gucken, man muss ja gar nicht immer kaufen.“

Und auch die vielen Menschen, die Anonymität vermisst sie – zumindest irgendwie: „Ich bin hier sozial integriert, meine beste Freundin wohnt nicht weit von hier, da habe ich wirklich Glück. Aber das Soziale...“, sie sucht nach Worten, „das ist hier schon extrem.“ Dann schränkt sie gleich darauf ein: „Vielleicht ist es ja auch nur eine Art Midlife-Crisis, die mich unzufrieden macht. Ich muss da ein bisschen aufpassen, nicht ungerecht zu sein.“

Unterm Strich fehle es in Rosenwinkel und überhaupt auf den Dörfern nur an wenigen konkreten Dingen. Sie selbst arbeitet in Neuruppin als Erzieherin bei Montessori: „Ich bin wirklich froh, dorthin gegangen zu sein.“ Und auch Tochter ihre Flora, elf Jahre alt, geht inzwischen in Neuruppin in die fünfte Klasse der Montessori-Schule, nachdem sie ihre ersten Schuljahre an der Blumenthaler Grundschule absolviert hatte. „Eine gute Entscheidung“, resümieren die beiden, „hier können die Schüler auch nicht nur tun, was sie möchten, aber sie können selbst entscheiden, wann sie Aufgaben in einem vorgegeben Zeitraum bearbeiten.“ „Wenn sie nicht fertig werden, gibt es auch hier Ärger“, sagt Flora.

Die Probleme für die beiden fangen erst nach dem Unterricht an – und das liegt in erster Linie am Schülerverkehr. Denn so idyllisch gelegen wie Rosenwinkel ist, so schwierig ist es zu erreichen. Eigentlich könnte Flora nach der Fahrt mit dem Zug bis Wittstock in den Bus steigen. „Aber von fünf Fällen, in denen sie von Neuruppin kommt, ist der Anschlussbus drei Mal bereits abgefahren“, sagt ihre Mutter: „Dann müssen wir für die Anschlussfahrt sorgen.“

Flora hat bereits einschlägige Erfahrungen gemacht: „Manchmal sieht man den Bus noch vom Bahnsteig aus, und wenn man rauskommt, ist er losgefahren.“ Einmal hat die Elfjährige sich sogar vor den abfahrenden Bus gestellt: „Der musste dann anhalten, damit ich noch einsteigen konnte.“ „Könnte man nicht dafür sorgen, dass der Bus einfach wartet, bis der Zug angekommen ist?“, fragt sich ihre Mutter. „Wenn Flora erst nach Kyritz zur Schule geht, wird es noch schwieriger, denn der Zug nach Neustadt fährt ja nicht mehr so, dass man ihn nutzen kann. Wenn Flora das richtige Alter hat, bekommt sie ein Moped, das macht sie unabhängiger.“

Luftsprünge auf dem Tranpolin

Luftsprünge auf dem Tranpolin.

Quelle: Claudia Bihler

Auf dem Hof steht ein Trampolin, auf dem Flora gern Luftsprünge macht. Was ihr aber auf alle Fälle fehlt, sind weitere Kinder, mit denen sie spielen kann: „An den Wochenenden sind hier zwei Berliner Jungen. Aber im Winter ist überhaupt niemand in meinem Alter mehr da.“ Insofern würde sie gern auch mal länger in Neuruppin bleiben: „Da kann man auch mal mit Freunden einfach irgendwohin gehen, gucken oder auch mal einfach nur ein Brötchen kaufen.“

Dass alles das, was sie auf dem Dorf haben und leben können, in Berlin kaum zu machen ist, ist Jana Kronmarck klar: „Dafür fehlt dort schon allein der Platz. Dennoch fühle ich mich, wenn ich nach Berlin-Pankow reinfahre, als wenn ich Zuhause ankomme.“

Für Rosenwinkel würde sie sich vor allem mehr Betrieb wünschen: „Hier müssten so viele junge Leute herziehen, dass es viel voller wird, ein bisschen wie Bullerbü. Damit man nachmittags einfach mal zusammen sitzen kann.“

Von Claudia Bihler

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