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Ostprignitz-Ruppin Rotorblätter zerstückeln Rotmilane
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rotorblätter zerstückeln Rotmilane
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13:08 23.06.2014
Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck hat 2010 die Patenschaft für Rotmilan Sophie vom Falkenhof Potsdam übernommen. Quelle: Joachim Liebe
Neuruppin

Hoch oben über Brandenburgs Wäldern zieht er seine Kreise, eine beeindruckende Flügelspannweite und sein langer gegabelter rostroter Schwanz kennzeichnen ihn. Er fliegt in scheinbar schwerelosem Gleitflug, doch wie lange noch?

Der Rotmilan wurde zum „Vogel des Jahres 2000“ gewählt. Vom Weltbestand – 24000 Brutpaare – lebt mehr als die Hälfte in Deutschland (etwa 12500 Brutpaare), davon zwei Drittel in Ostdeutschland. Rund 1200 Brutpaare sind es derzeit in Brandenburg. „Deshalb haben wir eine sehr große Verantwortung“, sagt Bernd Ewert, Vorsitzender des Neuruppiner Kreisverbandes des Naturschutzbundes (Nabu).

Rotmilan

  • Der Rotmilan gehört wie Adler und Bussarde zur Familie der Habichtartigen.
  • Seine Flügelspannweite beträgt bis zu 1,80 m und ist etwas größer als beim Mäusebussard.
  • Sein Gefieder ist bräunlich, der Kopf weißlich bis grau. Die Geschlechter sind äußerlich nicht unterscheidbar. Sein besonderes Kennzeichen ist der lange, gegabelte, rostrote Schwanz.
  • Zur Beute des Rotmilans zählen Mäuse, Feldhamster, Vögel, Fische und Aas. Auch Müllkippen sind für ihn Anziehungspunkte.
  • Vom Weltbestand lebt mehr als die Hälfte in Deutschland, davon zwei Drittel in Ostdeutschland.

Quelle und weitere Infos: nabu.de

Ewerts Blick verfinstert sich angesichts der Tatsache, dass sich die Zahl der jährlichen Brutpaare im Sinkflug befindet. Der Bestand an Rotmilanen hat gebietsweise deutlich abgenommen. Nach Angaben der Staatlichen Vogelwarte in Buckow fallen jährlich 308 Rotmilane den Windkraftanlagen zum Opfer, mit steigender Tendenz. Bei Inbetriebnahme der bereits genehmigten beziehungsweise weiterer geplanter Anlagen wird sich die jährliche Todesrate weiter erhöhen.
Dies ist in den Augen der Experten besonders erschreckend angesichts der Tatsache, dass der Regionalplan, in dem neue Windkrafteignungsgebiete in der Region vorgeschlagen werden, für den Kreis Ostprignitz-Ruppin 50 Prozent der geplanten Flächen vorsieht. Für viele Bewohner der Region keine schöne Vorstellung, obwohl sie erneuerbare Energien durchaus befürworten.

So geht es auch Bernd Ewert: „Zwei oder drei Windräder, so dass die Stromversorgung für ein Dorf gesichert ist, das wäre auch für die Vögel kein Problem, aber mittlerweile sind richtige Windkraftbarrieren entstanden, denen sie nicht mehr ausweichen können.“ Die enormen Geschwindigkeiten der Rotorblätter von 200 Kilometer pro Stunde – an den Blattspitzen sind es sogar 300 Kilometer pro Stunde – können besonders unerfahrene Vögel schlecht einschätzen. Da ihre Aufmerksamkeit bei der Nahrungssuche auf den Erdboden gerichtet ist und sie in der Luft keine natürlichen Feinde haben, übersehen sie die Gefahr.

Es sind nicht nur die Rotmilane, die von den Rotorblättern regelmäßig zerstückelt werden. Auch kleine Vögel geraten in die Windkraftanlagen. „Die Zahl der Opfer lässt sich allerdings schlechter schätzen, denn von ihnen bleibt nicht viel übrig“, sagt der Naturschützer. „Den Rest holt sich dann in der Nacht der Fuchs.“ Da nur ein Teil der Opfer gefunden wird und nicht alle gemeldet werden, ist die Dunkelziffer sehr hoch. Von den Greifvögeln besonders betroffen sind im Land Brandenburg neben dem Rotmilan der Seeadler und die Weihen, aber auch andere Arten wie Bussarde und Falken. Auf Grund des Klimawandels bleiben viele Vögel immer länger in unserer Region, so dass sie über einen längeren Zeitraum den Gefahren durch Windkraftanlagen ausgesetzt sind. „Der Rotmilan taucht manchmal schon im Februar wieder auf“, sagt Bernd Ewert.

Windkraftanlagen werden einer kanadischen Studie zufolge sehr häufig auch für Fledermäuse zur Falle. Die Windräder sorgen für einen plötzlichen Druckabfall in der Luft, der die Lungen der nachtaktiven Säugetiere zum Platzen bringt. 90Prozent der an Windkraftanlagen gefundenen toten Fledermäuse seien an inneren Blutungen wegen Druckabfalls gestorben, stellten die Wissenschaftler fest. Die Orientierung mit Ultraschallwellen schütze Fledermäuse zwar vor Kollisionen, der Druckverlust in der Nähe von Windrädern sei für die kleinen Flugtiere jedoch ein unvorhersehbares Hindernis.

Die von Menschen gemachten Gefahren für Vögel sind vielfältig: Windräder, Auto- und Zugverkehr, Strommasten, Nahrungsmangel in Monokulturen, Gifteinsatz, Zersiedlung der Landschaft, Jagdmunition aus Blei und Vogelschlag an großen Fensterflächen können zur tödlichen Falle werden.Wer dann noch übrig bleibt, den holen die Katze oder der Waschbär, auch dafür hat der Mensch gesorgt. „Viele Jungvögel überstehen das erste Lebensjahr nicht“, sagt Bernd Ewert. Und das trifft auf alle Vogelarten zu.

Eine Lösung für das Problem hat auch der Naturschützer nicht, aber er hofft auf den gesunden Menschenverstand. „Bisher gibt es in den Regionalplanungen keine bindenden Abstandskriterien für den Rotmilan“, sagt er. Die Umweltschützer fordern deshalb, Horste des Rotmilans durch die Einhaltung eines Abstandes von mindestens 1000 Metern zu schützen und darüber hinaus einen Prüf radius von 6000 Metern festzulegen. Auch gut gemeinte Vogelschutz-Maßnahmen müssten oft besser durchdacht werden. „Hecken an Straßenrändern zu pflanzen oder Sitzkrücken an Alleen zu installieren, das ist völlig irrsinnig“, sagt Bernd Ewert.

Von Cornelia Felsch

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