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Ostprignitz-Ruppin Rückkehr eines großen Komponisten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rückkehr eines großen Komponisten
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02:15 21.01.2016
Die Sänger des Möhringchores sangen gestern an der Büste in Alt Ruppin zu Ehren ihres Namensgebers. Quelle: Peter Geisler
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Alt Ruppin

Ferdinand Möhrings Unglück war, dass es zu seiner Zeit keine Frauenchöre gab. Im 19. Jahrhundert war das nicht vereinbar mit der Rolle der Frau. Frauen hatten ihrem Mann den Rücken zu stärken. Dass sie öffentlich auftreten, war kaum denkbar. Dabei hat der Alt Ruppiner Komponist Möhring (1816 – 1887) sehr schöne Werke für Frauenstimmen geschrieben, sagt der Musikwissenschaftler Martin Loeser, der sich lange mit Möhrings Leben und seinen Arbeiten befasst hat. Doch viele von Möhrings Kompositionen sind in Vergessenheit geraten, weil sie nur zu Hause im Familienkreis zu hören waren. Bekannt geworden ist Möhring als Komponist für Männerchöre, für seine heimatlichen und nationalistischen Lieder. Weil viele dieser Werke später nicht mehr opportun waren, geriet auch Ferdinand Möhring nach und nach in Vergessenheit. Martin Loeser findet das schade. Was wäre wohl geworden, wenn es Frauenchöre gegeben hätte? Loeser ist sich sicher, dass man sich an Möhring anders erinnern würde. Seine Kompositionen für Frauenstimmen waren durchaus beliebt.

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde legte am Denkmal Blumen nieder. Quelle: Peter Geisler

Loeser ist Musikwissenschaftler in Greifswald. Im Alt Ruppiner Restaurant Alter Rhin versuchte er am Montag, das Wissen um den großen Sohn von Alt Ruppin wiederzubeleben. Loeser findet es bedauerlich, „dass Möhring außerhalb von Neuruppin heute kaum noch einen Namen hat“. Zu seiner Zeit war Möhring ein äußerst beliebtester Komponist und Musiker. So beliebt, dass ihn Männergesangvereine in ganz Deutschland zum Ehrenmitglied ernannten.

Viel ist an Möhrings Leben noch nicht erforscht. Das merkten auch die Journalistin Uta Greschner, die Musikwissenschaftlerin Ulrike Liedtke und Alt Ruppins Ortsvorsteherin Heidemarie Ahlers. Sie hatten über Monate eine große Festveranstaltung zu Möhrings 200. Geburtstag in der Neuruppiner Pfarrkirche vorbereitet. Das szenische Chorkonzert am Sonnabend (die MAZ berichtet) kam so gut an, dass die Musiker mit dem Programm sogar nach Stuttgart eingeladen wurden. Doch auch sie hatten Mühe, Noten von Möhring zu finden. Er hat viel geschrieben – aber längst nicht alles wurde gedruckt und verlegt. Und von dem, was gedruckt wurde, ging vieles verloren. Langsam versuchen Wissenschaftler, Möhrings Werk wieder ans Tageslicht zu bringen. Für Martin Loeser lassen sich Möhrings Arbeiten durchaus vergleichen mit denen eines anderen großen Komponisten seiner Zeit: Felix Mendelssohn Bartoldy. Mendelssohn Bartoldy hat Möhring geschätzt. Nicht nur dessen Werke für Chöre, auch seine Kammermusikstücke und seine Kompositionen für Orchester. Die wiederzuentdecken, würde sich sehr wohl lohnen, findet Martin Loeser, erst recht jetzt im Jubeljahr zu Möhrings Geburtstag: „Machen wir uns an die Arbeit!“

Von Reyk Grunow

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