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Rückzugsort in Radensleben

Neues Jugendwohnprojekt Rückzugsort in Radensleben

Der Sonnenhof soll Kindern und Jugendlichen Geborgenheit geben in dunklen Tagen. Die Jugendhilfe Nordwestbrandenburg eröffnete am Freitag in der Radenslebener Dorfstraße einen umgebauten Bauernhof. Dort können bis zu ach Kinder und Jugendliche leben, die das Jugendamt aus ihren Familien geholt hat, weil es dort einfach nicht mehr funktioniert..

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Die Leiterin des Hauses, Kessy Maerz (l.) und die Hausmuttter Carola Stefanowske sind zwei von sieben Mitarbeitern im Sonnenhof.

Quelle: Fotos (2): Peter Geisler

Radensleben. Es braucht schon sehr viel, um die Liebe eines Kindes zu töten. „Selbst Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, hängen an ihnen“, sagt Heike Kulick, die Geschäftsführerin der Jugendhilfe Nordwestbrandenburg (JNWB). Kaum etwas ist bitterer für ein Kind, als aus seiner Familie herausgenommen zu werden. „Ich hatte immer den Wunsch, dass es wenigstens ein schöner Ort ist, an den die Kinder dann kommen“, sagt Heike Kulick. Diesen schönen Ort gibt es nun. Am Freitag war Heike Kulick den Tränen nah. „Fassungslos und dankbar“ sei sie gewesen, als sie am Vorabend allein durch die Räume des Sonnenhofes an der Radenslebener Dorfstraße schlich. Am Freitag waren die Räume für alle geöffnet: fünf helle Einzelzimmer unterm Dach, getrennte Bäder für Mädchen und Jungen, bunte Kacheln, Bettwäsche und Teppiche in warmen Farben, zwei Doppelzimmer im Erdgeschoss, Küche und Aufenthaltsraum. Seit 2012 hat die JNWB das märkische Bauernhaus umgebaut – vor allem das Dachgeschoss. Dort entstanden nicht nur Wohnräume, sondern auch eine Feuertreppe aus Metall als zweiter Fluchtweg.

Pferde vor dem Schlachter gerettet

Zuletzt hatte in dem Haus eine Familie gewohnt. Nach einer Trenung stand es zum Verkauf. Die JNWB erwarb das Haus samt Nebengebäuden. Die Pferde Wingo und Penelope gab es gratis dazu. Den Wallach Wingo rettete die Jugendhilfe so vor dem Schlachter. Die Tiere dürfen auf dem Hof bleiben und sollen von den künftigen Bewohnern versorgt werden. Auch für weitere Therapie-Tiere ist Platz auf dem Anwesen: ganz bestimmt ein Hund, vielleicht auch Schafe. Katzen werden sich bald von ganz allein ansiedeln, ist Heike Kulick sich sicher – ein Vorteil, auf dem Land zu wohnen.

Für die Hausleiterin Kessy Maer­z mit den dunkelroten Haarstränen und den grünen Stiefeln war es eine bewusste Entscheidung, mit den Kindern aus schwierigen Familien ins Dorf zu ziehen. Wer Schlimmes erlebt hat, kann dort zur Ruhe kommen. Zur Schule fahren die Kinder und Jugendlichen ohnehin in die Stadt. Das Wohnprojekt ist gedacht für bis zu acht Kinder ab sechs und Jugendliche bis 21 Jahren. Die Kleinen bekommen die Doppelzimmer im Erdgeschoss, die Größeren die Einzelzimmer. Ein Zimmer bleibt als Reserve, falls sich die Bewohner eines Doppelzimmers mal nicht verstehen.

Beschäftigung auf dem Hof und im Bastelkeller

Wer ab März in das Haus in Radensleben einzieht, steht noch nicht fest. Klar ist für Kessy Maerz aber, dass die Bewohner ihre vertrauten Betreuer an jedem Werktag sehen und ansprechen können. Auch nachts wird immer jemand da sein. Die Hausmutter Carola Stefanowske wird in der schönen Küche gemeinsam mit den Bewohnern kochen, und es wird viele Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Hof geben, in den Ställen und im Bastelkeller. Manche Kinder werden vielleicht nur ein Jahr in Radensleben bleiben, andere bis zu ihrem 21. Geburtstag.

Die Gründe, warum das Jugendamt ein Kind aus seiner Familie nimmt und in ein Wohnprojekt wie das im Neuruppiner Ortsteil schickt, sind so unterschiedlich wie die Familien, aus denen die Kinder kommen. Auch in den so genannten besseren Kreisen sind manche Eltern mit ihren Kindern überfordert, und es gibt auch Eltern, die ihre Kinder nicht mehr bei sich haben wollen.

Einsicht ist ein Zeichen von Mutterliebe

Das einzusehen und das Kind dann in so eine Einrichtung wie den Sonnenhof zu geben, sei auch ein Zeichen der Liebe und der Verantwortung einer Mutter, sagt Heike Kulick von der JNWB.

Die Mitarbeiter der Jugendhilfe haben bis hinauf zum Vorstand selbst mitgeholfen, den Sonnenhof wohnlich zu machen, haben tapeziert, Wände gestrichen und Kuchen gebacken. Einen Kuchen traut sich am Eröffnungstag niemand anzuschneiden. Darauf ist mit Zuckerguss ein fröhliches Pferd gemalt, darüber eine helle Sonne – als Buchstabe „O“ in „Sonnenhof“.

Von Christian Schmettow

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