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Ostprignitz-Ruppin Rüsselkäfer schädigt Waldbrandflächen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Rüsselkäfer schädigt Waldbrandflächen
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00:17 16.06.2016
Revierleiter Holger Gonsior entdeckt auf dem Fangholz zwei braune Rüsselkäfer. Quelle: Cornelia Felsch
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Neuglienicke

Blaubeerpflanzen, Farne und Gräser bilden einen grünen Teppich, der schwarze Waldboden ist kaum noch zu sehen. Im vergangenen Sommer hat ein Brand eine vier Hektar große Waldfläche des Landesforstbetriebes im Revier Neuglienicke vernichtet. Über zehn Mal brannte es im vergangenen Sommer im Wald rund um Gühlen-Glienicke, dem nördlichsten Ortsteil von Neuruppin.

Holger Gonsior, Leiter des Reviers Neuglienicke, nimmt einen Teil der Fläche in Augenschein – hier hat eine Energieholzfirma die verkohlten Bäume abgesägt und zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Unter seinen Füßen knacken die trockenen Äste. Auf der Nachbarfläche stehen viele Kiefern noch, aber nicht alle wird der Förster retten können. Bei einem Großteil der Bäume sind die Kronen – trotz angekohlter Stämme bereits wieder grün. Im unteren Bereich hat sich oftmals die verkohlte Rinde vom Stamm gelöst und Fraßgänge von Insekten sind deutlich sichtbar. Einige Bäume haben sich in wahre Spechthotels verwandelt. Aus den Höhlen ist das Betteln der Jungvögel zu hören.

Nicht alle Kiefernsämlinge sind angewachsen

Im Frühjahr haben die Forstarbeiter die baumlosen Flächen wieder aufgeforstet. Doch nicht alle Kiefernsämlinge sind angewachsen, die Frühjahrstrockenheit hat ihnen stark zugesetzt. „Auf der kahlen Fläche wirken sich Sonneneinstrahlung und Wind besonders stark aus“, sagt der Revierleiter. „Der Boden ist schnell ausgetrocknet.“ Aber es gibt noch einen weiteren Feind der jungen Kiefernsämlinge und das ist der Große Braune Rüsselkäfer, der in den letzten Jahren häufiger auftritt. Er gehört zu den gefährlichsten Schädlingen in Forstkulturen und hat auf den Flächen mit den vielen Kiefern-Baumstubben jetzt beste Bedingungen.

Die Käfer werden durch den Holzgeruch der abgesägten Stämme angelockt. Sie überwintern in der Bodendecke, in Wurzelnähe. Steigen die Temperaturen im Frühjahr über 8 Grad Celsius, dann werden sie mobil und beginnen zu schwärmen. An den noch frischen Stubben legen die Weibchen im Wurzelbereich ihre Eier ab – im Durchschnitt 80 bis 120 Stück. Das Eistadium dauert zwei bis drei Wochen. Die vielen Stubben bieten für die Larven jetzt beste Bedingungen. Diese ernähren sich von der Bastschicht des Holzes dringen aber auch bis in das Splintholz vor. „Das ist für uns noch nicht das größte Problem“, sagt Holger Gonsior . „Kritisch wird es, wenn nach der Verpuppung die Jungkäfer schlüpfen und zu fressen beginnen.“ Sie stillen ihren Hunger besonders gern an ein- und zweijährigen Kulturen. Die Käfer fressen während der ganzen Vegetationsperiode, verstärkt jedoch im Mai und Juni sowie im August und September. Auch auf den abgebrannten Flächen haben sie bereits ihre Spuren hinterlassen.

Rundliche Wunden, aus denen Harz austritt

Der Förster weist auf die kleinen zweijährigen Lärchenpflanzen auf einer benachbarten Fläche. An ihnen sind bereits deutliche Spuren sichtbar: rundliche Wunden, aus denen Harz austritt erstrecken sich von den Wurzeln bis zu den Zweigen, vom Fachmann als Pockennarbenfraß bezeichnet. Die Käfer haben an diesen Stellen die Rinde und das Kambium abgenagt. Treten die Wunden rund um den Stamm auf, dann wird der Saftstrom unterbrochen, die Pflanze trocknet aus und geht ein.

Einige der jungen Lärchen werden sicherlich nicht mehr zu retten sein. „Sie sind super angewachsen, haben aber keine Chance“, sagt Holger Gonsior. Als Hoffnungsschimmer bleibt für ihn immer noch die Naturverjüngung. Der frei liegende Mineralboden auf den kahlen Flächen ist für Kiefern ideal.

Die verkohlte Rinde ist jetzt ein Domizil für Insekten. Quelle: Cornelia Felsch

Zwischen den kleinen Pflanzen liegen in gleichmäßigen Abständen etwa ein Meter lange, teilweise entrindete frische Hölzer, die durch ihren Geruch die Käfer anlocken sollen „Mit diesen Fanghölzern überwachen wir die Ausbreitung des Käfers“, erklärt Holger Gonsior. Etwa 30 bis 40 Hölzer sollten auf einer ein Hektar großen Fläche ausgelegt werden. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle, die allerdings recht mühsam ist. Die Käfer werden mit der Hand abgesammelt und getötet. Auch die Einrichtung von Fanglöchern, die mit frischen Zweigen gefüllt werden, ist gebräuchlich. Dabei werden 30 bis 40 Löcher pro Hektar ausgehoben und mit Nadelhölzern gefüllt.

Als vorbeugende Maßnahme können die oberirdischen Teile junger Pflanzen auch in eine Spritzbrühe getaucht werden bevor sie ausgepflanzt werden. Da der Brandenburger Landeswald vollständig nach PEFC zertifiziert ist – einem System zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung – werden chemische Behandlungsmethoden nur in ganz kritischen Situationen angewendet und müssen erst genehmigt werden.

Von Cornelia Felsch

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