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Russen schossen Amis ab

Kyritz-Ruppiner-Heide Russen schossen Amis ab

Ein sowjetischer Jäger vom Flugplatz Wittstock schoss im Jahr 1964 einen amerikanischen Aufklärer ab. Antje Zeiger, Leiterin in den Kreismuseen Alte Bischofsburg in Wittstock, zeigt Dokumente zu dem Zwischenfall. Splittermunition, Bomben oder Granaten – all das gehörte einst zum militärischen Alltag in der Kyritz-Ruppiner Heide. .

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Das Wrack des abschossenen amerikanischen Aufklärers im März 1964.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. „Diese Gegend befand sich immer am Rande einer Katas-trophe“, sagt Antje Zeiger, Leiterin der Kreismuseen Alte Bischofsburg in Wittstock. Damit meint sie das ehemalige Sperrgebiet Kyritz-Ruppiner Heide. Nachweislich sind in der aktuellen Sonderausstellung „Sperrgebiet II“ auch Fehlabwürfe von Splittermunition, Bomben oder Granaten dokumentiert.

Über den wohl spektakulärsten Zwischenfall liegen nach wie vor nur Sekundärquellen vor. Damit ist gemeint, dass die Aufzeichnungen darüber nach dem Ereignis entstanden sind. Sie gelten somit als Berichte aus zweiter Hand. Bei diesem Zwischenfall verletzte im März 1964 ein amerikanisches Militärflugzeug das Territorium der DDR. Die Chronik des 33. Jagdfliegerregimentes der sowjetischen Truppen in Alt Daber gibt darüber Auskunft. Dort heißt es: „Am 10. März 1964 hatte der Kapitän Fjodor Michailowitsch Sinowjew militärischen Dienst auf dem Flugplatz Wittstock. Auf dem Stützpunkt wurde wahrgenommen, dass ein Flugzeug in den Luftraum eindrang. Der Flieger entdeckte das Ziel RB 66 auf einer Höhe von 10 000 Meter auf entgegenkommenden Kurs mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von 2000 Kilometer pro Stunde. Energisch und mit höchster Konzentration führte er ein Manöver aus, um den Eindringling nicht in das Übungsgebiet eindringen zu lassen. Bei Annäherung an das Ziel wurde auf Befehl ein Warnschuss abgegeben, um zum Landen aufzufordern. Aber dies wurde nicht befolgt und das eingedrungene Flugzeug setzte seinen Flug ins Landesinnere der DDR fort. Nachdem der Flieger das Kommando zur Zerstörung des Eindringlings erhalten hatte, eröffnete er das Feuer. Das amerikanische Flugzeug fing Feuer und stürzte 20 Kilometer von der Grenze zur BRD auf dem Gebiet der DDR ab.“ Was mit dem amerikanischen Piloten geschah, ist unbekannt. Genauso kann nur spekuliert werden, was ohne den Abschuss militärpolitisch passiert wäre.

Museumsleiterin Antje Zeiger mit der Chronik des 33

Museumsleiterin Antje Zeiger mit der Chronik des 33. Jagdfliegerregimentes der sowjetischen Truppen in Alt Daber.

Quelle: Chistamaria Ruch

Kapitän Sinowjew erhielt jedenfalls vom Präsidium des Obersten Sowjets „für hervorragende Dienste und herausragende fliegerische Leistungen“ den Orden „Rotes Banner.“ In der Chronik des 33. Jagdfliegerregimentes dokumentieren mehrere Schwarzweiß-Fotografien dieses Ereignis. Neben dem Abschuss in der Luft ist auch das Wrack des amerikanischen Aufklärers abgebildet. Die Bildunterschrift zeigt, dass dieser Zwischenfall naturgemäß für Propagandazwecke missbraucht wurde. Dort heißt es: „Anschauungsunterricht für amerikanische Kriegsgefangene.“ Ein weiteres Foto zeigt Kapitän Sinowjew, der mit Orden reich dekoriert war.

Nach dem Abzug der russischen Truppen Anfang 1994 gingen viele Dokumente an das Museum in Wittstock über. Dazu gehörte auch diese Chronik aus der Zeit von 1958 bis 1988. Auf dem Einband steht in dicken Lettern „Nasch Polk“ (Unsere Einheit). Das 33. Jagdfliegerregiment in Alt Daber gehörte neben dem 773. in Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern) und dem 787. in Finow (Landkreis Barnim) zur 16. Jagdfliegerdivision in Damgarten. Seit Herbst 2011 ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) für die Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes zuständig. „Von der Bima ging bereits eine Anfrage über das Auswärtige Amt nach Russland, um über den Abschuss im März 1964 nähere Informationen zu erhalten“, sagt Antje Zeiger. Doch dieses Kapitel fällt nach wie vor unter die militärische Geheimhaltung.

„Einen ähnlichen Fall der Luftraumverletzung hatte es damals in der Nähe von Berlin gegeben“, sagt Museumsleiterin Antje Zeiger. Allerdings kam es bei diesem Zwischenfall mit einem britischen Militärflugzeug zu keinem Abschuss und Absturz. „Das lag daran, weil es in Berlin die unterschiedlichen Sektoren und damit auch verschiedene Zuständigkeiten gab“, so Zeiger weiter.

Von Christamaria Ruch

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