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Sage um Mumie in Kampehl als Kinderbuch

Ritter Kahlbutz Sage um Mumie in Kampehl als Kinderbuch

Die Falkenseer Autorin Dorothea Flechsig stellte auf der Frankfurter Buchmesse ihr neuestes Werk vor. Es handelt von der Sage um die Kampehler Mumie Ritter Kahlbutz. In dem Kinderbuch landet Kahlbutz in der Gegenwart, vermittelt „ritterliche Werte“ und steht für Miteinander und Toleranz. Wie konnte er sich nur derart wandeln?

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Dorothea Flechsig liest am Dienstag, 3. November, ab 16 Uhr im Neustädter Ortsteil Kampehl.

Quelle: Glückschuh-Verlag

Kampehl. Finsternis lag über dem Dorf. Nur die Straßenlaternen gaben Kampehl im Regen zu erkennen. „Plötzlich wurde es hell, und alles im Dunklen Gelegene drumherum wurde von gleißendem Licht enthüllt. Ein Blitz knallte mit einem ohrenbetäubenden Schlag mitten in die Laterne. Ein metallisches Zischen ertönte, das Glas der Laterne zerbarst in viele kleine Stücke und fiel klirrend zu Boden. Das Laternenlicht flackerte. Kurz darauf dröhnte mit Getöse ein lauter Donner vorwurfsvoll über den beiden Jungen, die sich schützend die Arme über den Kopf hielten und sich duckten. Ein Geruch von Ruß breitete sich mit dem Wind aus. Sven, der sonst immer eine große Klappe hatte, stand regungslos da. Dann kam ihm ein leises ,Wow!’ über die Lippen. Toni stotterte: ,Ey, puh, ey krass. Das war knapp! Der Blitz hätte uns beinahe erwischt!’ Sven staunte: ,Ja, Hammer! Voll mitten rein in die Laterne!’“

Sven und Toni in der Gruft

Sven und Toni in der Gruft: Sie stehlen die Mumie des Kahlbutz.

Quelle: Glückschuh-Verlag

In dieser Szene auf Seite 19 des neuen Kinderbuchs der Falkenseer Autorin Dorothea Flechsig geschieht Ungeheuerliches. Sven und Toni, zwei Jungs, die gerne den dicken Nils piesacken, banden an die Laterne schließlich niemand Geringeren als Ritter Kahlbutz. Den stahlen sie zuvor aus seiner Gruft in der Kampehler Wehrkirche, um Nils auf dessen Nachhauseweg zu erschrecken. Doch eine Menge Regenwasser auf diese wichtigste Mumie Deutschlands und der gehörige Blitz lassen Kahlbutz auferstehen und tatsächlich auf Nils treffen. Angekommen in der Gegenwart, kann das Abenteuer beginnen. Es steht nun niedergeschrieben auf 176 Seiten in kinderfreundlicher großer Schrift in „Ritter Kahlbutz – Besuch aus der Vergangenheit“. Druckfrisch und versehen mit zahlreichen Zeichnungen des Berliner Illustrators Jörg Kreutziger präsentierte es Dorothea Flechsig dieser Tage auf Deutschlands wichtigster Buchmesse in Frankfurt. Ihre bisherigen, schon preisgekrönten Erfolge sind die Bücher um „Petronella Glückschuh“, die Naturforscherin, und die Geschichten um „Sandor“, die sprechende Fledermaus.

„Ich war erst vor etwas mehr als einem Jahr in Kampehl und fragte mich, was wohl wäre, wenn der jetzt erwacht“, erklärt die Kinderbuchautorin auf die Frage, wie sie auf solche Idee kam. Die Idee indes, ihr Werk nun ganz bewusst am Dienstag, 3. November, im Neustädter Ortsteil vorzustellen, kam aus der Kirchengemeinde. Geplant ist eine Lesung ab 16 Uhr in der Kapelle über der Gruft . „Das bot sich als Abschluss der diesjährigen Reihe der Kalebuz-Kultur an“, sagt Dorit Geu vom Pfarramt. Womöglich werde aus der Lesung aber auch so etwas wie ein Auftakt zur Fortsetzung dieser Kleinkunstreihe, nur auf andere Weise. Initiiert wurde sie schließlich vielmehr musikalisch vor gut einem Jahrzehnt von Pfarrer Wolf Fröhling, jeweils beginnend am Geburtstag von Ritter Kahlbutz im März und endend um des Ritters Todestag – dem 3. November. Fröhling verließ Neustadt dieses Jahr jedoch wegen eines Dienstwechsels. 2015 wäre nun des Ritters 313. Todestag. Auch das erfahren die Leser wie alles andere, das rund um die Sage wichtig ist.

Viele glauben, der auferstandene Ritter wäre nur ein Schauspieler

Viele glauben, der auferstandene Ritter wäre nur ein Schauspieler.

Quelle: Glückschuh-Verlag

Da ist etwa das Mädchen Marie, das mit ihrer Familie Kampehl verlassen muss, weil ihr Haus nicht mehr abbezahlt werden kann. Dank des vom Ritter einst vergrabenen Goldes aber ist Hilfe in Sicht. Vermittelt Kahlbutz heute gar „ritterliche Werte“? Bringt er Sven, Toni und Nils zusammen, indem er für Miteinander und Toleranz wirbt? Dabei hatte er einst doch so schwere Schuld auf sich genommen: Marie erinnert ihn schließlich an die Dienstmagd Maria Leppin, deren Verlobten Gutsherr Kahlbutz einst getötet haben soll. Vor Gericht bestritt Kahlbutz das und schwor: „Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, mein Leichnam solle nie verwesen.“ Und nun? Wird er erlöst? Doch es liegt ja noch immer eine Mumie in der Gruft. Womöglich eine Falsche? Das wahre Geheimnis kennen nur einige Kinder im Dorf, sagt Dorothea Flechsig. Sie sollen auch originale Aufzeichnungen des Ritters hüten. Diese Texte sind teils gereimt abgedruckt. Allerdings: Die Autorin dankt im Buch Jürgen Schmidt von der Plattenburg „für die Überprüfung der ritterlichen Sprache“. Damit klingt das mit den Originaldokumenten natürlich arg nach Erfindung. Dorothea Flechsig sagt augenzwinkernd nur so viel: „Ich habe den Kindern versprochen, sie nicht zu zeigen.“

Am Ende des Buches lädt die Kirchengemeinde die Leser nach Kampehl ein. Damit dürften spätestens in den nächsten Sommerferien so einige kleine Ritter-Fans mehr als sonst ihre Eltern dorthin locken. Bessere Werbung für den Mumien-Tourismus gibt es nicht.

Zur historischen Person: der Ritter von Kahlbutz

Christian Friedrich von Kahlbutz (1651 bis 1702) war Mitglied in der märkischen Ritterschaft. Für seine Verdienste unter Friedrich II. von Hessen-Homburg in der Schlacht bei Fehrbellin gegen die Schweden 1675 erhielt er von Kurfürst Friedrich Wilhelm das Gut Kampehl als Erblehen.

Warum sein natürlicher Verwesungsprozess aussetzte, war lange ungeklärt. Heute wird angenommen, dass Kahlbutz an einer Krankheit litt, die ihn auszehrte. Die luftige Bauweise von Gruft und Sarg ließen ihn austrocknen. Die Rede ist von „Mumifizierung durch Verlederung“.

Von Matthias Anke

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