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Salzstreuer-Sammelfieber

Rheinsberg Salzstreuer-Sammelfieber

Er gehört auf jedem Esstisch: der Salzstreuer. Für Lutz Tralles dürfte die Qual der Wahl schwer sein. Er hat um die 1400 davon. Seine Sammlung besteht aus allen Farben, Formen und Materialien und kommt aus aller Herren Länder. Freunde bringen dem Rheinsberger immer wieder welche vorbei. Sein nächstes Ziel: Streuer aller Bundesliga-Teams.

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Lutz Tralles inmitten seiner Sammlung.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. „Man kann gar nicht genug Salzstreuer im Hause haben.“ So in etwa scheint die Lebensmaxime von Lutz Tralles zu lauten, der die kleinen Objekte sammelt. Etwa 1400 hat er bereits zusammengetragen – 900 davon sind sogenannte Menagen – Pärchen im Partnerlook für Salz und Pfeffer. Gerade ist er dabei, seine Sammlung in selbst gezimmerte Regale im Keller einzusortieren – er hat den Raum eigens dafür zur „Salzstreuer-Stube“ umgebaut. „Oben war einfach kein Platz mehr“, erklärt er, warum die Streuer nach ganzen sieben Jahren in der Kiste nun endlich wieder ins rechte Licht gerückt werden sollen. Und nein – es sei beileibe nicht so, dass seine Frau Marita die Sammlung nicht mehr sehen wollte. „Die ist ja noch fast verrückter als icke“, sagt er liebevoll und dankbar, dass sie seine Sammelleidenschaft teilt. „Ein paar Kisten habe ich noch gar nicht ausgepackt – Holz und Metall: Da muss ich noch ran“, sagt der 64-Jährige.

Andenken aus Griechenland

Andenken aus Griechenland.

Quelle: Buddeke

Angefangen hat es 1993 mit einem gelben Häschen aus dem Nachlass seiner Mutter. „Irgendwann bei einem Dänemark-Urlaub haben die Tralles’ in einer Manufaktur eine hübsche Menage entdeckt. „Andere bringen ja auch Souvenirs mit. Und meine Frau ist Köchin“, warum dann nicht Salzstreuer, habe Tralles gedacht und damit die Sammelleidenschaft entfacht. „Ich wusste damals nicht, zu welchem Ausmaß es sich entwickelt“, sagt der Rheinsberger, der vor seiner Pensionierung als selbstständiger Elektromeister gearbeitet hat.

Inzwischen bringen ihm alle die kleinen Streuer mit: Verwandte und Bekannte, Freunde und Nachbarn. „Manchmal hängt nur ne Tüte an der Tür – dann weiß ich noch nicht mal, wer der Spender war.“

Die Sammlung ist vielfältig wie nur irgend möglich. Tralles hat Streuer aus aller Welt, aus allen Materialien, in allen Formen, in allen Farben. Und zu allen kann er eine Geschichte erzählen – wer sie schenkte und zu welchem Anlass. Oder wo er sie erworben hat, zu welchem Preis und ob er hart feilschen musste. „Und wenn ich es nicht mehr weiß, dann weiß es meine Frau“, sagt er und lacht.

Scharfe Kerle, scharfe Bräute

Scharfe Kerle, scharfe Bräute: da wird das Liebesmahl zur würzigen Angelegenheit.

Quelle: Buddeke

Da steht ein New Yorker Yellow-Cab, eine aufklappbare Porzellangitarre von Elvis Presley, eine britische rote Telefonzelle samt Bobby. Es gibt griechische, spanische und österreichische Streuer. „Und welche von Bayern München. Meiner Mannschaft!“, sagt er.

Die indischen Salzstreuer wurden von Freunden mitgebracht, die im Himalaya zur Zeit des großen Lawinenunglücks im Jahr 2014 am Mount Everest zu den Bergungs-Helfern gehörten.

Lutz Tralles hat Hummel-Figuren und solche aus der Werkstatt von Hedwig Bollhagen. Der Rheinsberger Keramiker Karl Fulle hat ihm zwei handgearbeitete Streuer zum 60. Geburtstag geschenkt. Sogar einen Oscar – besser gesagt zwei – hat Tralles im Regal stehen. Auf einem Trödelmarkt in Paaren-Glien hat er um ein Fernglas aus Porzellan gefeilscht – die herausziehbaren Okulare sollten besser nicht ans Auge gesetzt werden, da sie Salz und Pfeffer speien. Sein Zahnarzt habe ihm mal einen Bus geschenkt, der als Eierbecher fungiert. Das abnehmbare Surfbrett liefert das Salz dazu.

Menage aus Hedwig Bollhagens Keramik-Werkstatt

Menage aus Hedwig Bollhagens Keramik-Werkstatt.

Quelle: Buddeke

Auf einem Gaststätten-Büfett hat er einst einen weißen Salzstreuer in Skorpionform entdeckt – von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Geklaut hat er ihn nicht: „So etwas würde ich nie tun“, sagt er. Er hat mit dem Lokal-Chef gehandelt und das Stück gekauft. „Wenig später brachte mir meine Nachbarin den passenden Krebs“, freut sich Tralles über den passenden Streuer zu seinem Sternzeichen.

Einen ganz alten hat er noch von seinen Großeltern – den habe er jahrelang in seiner Brotdose mit zur Arbeit genommen.

Die Tralles’ stöbern manchmal auch gern bei Trödelmärkten nach neuen alten Streuern. Manches Mal verkaufen sie dort auch Exemplare, die sie doppelt haben. Einmal, in der Stöllner Trödelscheune, haben sie einen aus Perlmutt ergattert – „fürn Appel und ’n Ei“, sagt er. Das Stück war so mit einer Schmutzschicht überzogen, dass man nicht einmal erkannt habe, dass es aus Perlmutt ist. „Aber meine Frau hat einen Riecher für alles, was Streulöcher hat“, sagt er. Zuhause habe man ihn geputzt und gewienert, bis wieder etwas erkennbar war. „Er sieht fast aus wie Onkel Fritz aus Neuruppin“, sagt Lutz Tralles. Der weiter fleißig sammeln will – auch wenn der Platz in den Regalen jetzt schon knapp ist.

Very british

Very british.

Quelle: Buddeke

Sein großer Traum für die Zukunft: Salzstreuer aller Bundesliga-Mannschaften – so wie er schon die Menage der Bayern besitzt. „Fast alle Vereine haben als Souvenirs auch Salz- und Pfefferstreuer“, weiß Lutz Tralles. „Mein nächstes Sammelziel ist es, von allen Vereinen ein Exemplar in mein Regal zu stellen.“

Von Regine Buddeke

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