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Ostprignitz-Ruppin Sammelgrab gibt bis heute Rätsel auf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Sammelgrab gibt bis heute Rätsel auf
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00:20 14.08.2017
2013 wurde das Sammelgrab abgesteckt, später folgte ein Stein und eine Bepflanzung – auch eine Namenstafel ist geplant. Quelle: Christian Bark
Jabel

Siegfried Bröcker aus Jabel hat ein Faible für Bücher. Insbesondere die alten aus dem Familienbesitz hütet er wie einen Schatz. Teilweise bergen sie neben Text und Bildern auch aufschlussreiche Informationen zur Familien- und Ortsgeschichte.

Schon als Kind hatte der 59-Jährige in den Büchern gestöbert. Damals waren ihm in den Bänden „Große Völkerwanderung I und II“ handschriftliche Notizen auf den weißen Rückseiten einiger Abbildungen aufgefallen. „Das war Russisch aber mit meinem Schulwortschatz konnte ich das nicht übersetzen“, berichtet er. Als vor vier Jahren der Zaun des Jabeler Friedhofs erneuert werden sollte, wurde Bröcker wieder an das erinnert, was sich 1945 kurz nach Kriegsende in seinem Elternhaus abgespielt hatte. „Die Familie musste raus und in der Scheune wohnen, während im Haus die Russen ihre Kommandantur einrichteten“, berichtet er.

Siegfried Bröcker hatte die Handschriften in seinen Büchern entdeckt. Quelle: Christian Bark

Über der Kommandantur wurden Kriegsversehrte und andere Kranke untergebracht. „Hauptsächlich Typhuskranke“, erklärt der Jabeler. Zeitzeugen hätten sich an die Menschen erinnert, die nach ihrem Tod auf dem Friedhof in einem Sammelgrab bestattet worden sein. „Uns wurde immer erzählt, die hätten sich totgesoffen“, erläutert Bröcker den Erklärungsversuch, weshalb die Stelle nicht mit einem Stein als Ehrengrab gekennzeichnet worden sei. Viel näher liege aber, dass in dem Grab auch Zivilisten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter bestattet seien. „Sich gefangen nehmen zu lassen und nicht ausbrechen zu wollen, galt bei den Russen als unehrenhaft“, erklärt Siegfried Bröcker.

Das bestätigt auch Historiker Wolfgang Dost. Bei Grabinschriften sei darauf geachtet worden, ob die Opfer ehrenhaft gefallen oder einfach nur verstorben seien.

Tote waren wohl Typhuskranke

Im Juni 1945 wurde über der sowjetischen Kommandantur in Jabel ein Lazarett eingerichtet, in dem zunächst Typhuskranke untergebracht wurden.

Viele der Toten liegen vermutlich im Sammelgrab auf dem Friedhof. Schätzungen zufolge sind es an die 200.

Ab 2013 wurde für rund 6000 Euro eine Grabstätte errichtet. Finanziert wurde das Vorhaben von der Kriegsgräberfürsorge.

Der Gedenkstein soll bald eine Tafel mit Namen erhalten. Quelle: Christian Bark

Die Erinnerung an die Geschichte veranlasste Siegfried Bröcker, sich an die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald zu wenden. Die konnten die Handschriften in den Büchern übersetzen. „Aufschlussreich ist eine Fieberkurve“, sagt Siegfried Bröcker. Anhand derer seien fünf Namen von Soldaten auszumachen gewesen, die womöglich in dem Grab ruhen. Ein Name stehe in der Liste der Insassen des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Dieser Umstand macht das Grab auch interessant für die Forschungen der Gedenkstätte.

Mit dem neuen Zaun kamen auch eine Grabeinfassung, ein Gedenkstein und eine Bepflanzung. Die Pflege hatte bis vor kurzem Siegfried Bröcker übernommen. „Ich habe aber so viel auf dem Hof zu tun, da schaffe ich es nicht mehr“, erklärt er.

Die Gemeinde Heiligengrabe hat jedoch mittlerweile einen Ersatz für die Pflege gefunden. Auch ist für den Stein eine Namenstafel vorgesehen. Bis die allerdings zustande kommt, sind noch einige Forschungen darüber nötig, wer und wie viele in dem Sammelgrab überhaupt aus welchem Grund bestattet wurde. Hier setzte Siegfried Bröcker auch auf die Gedenkstätte.

Von Christian Bark

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