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Ostprignitz-Ruppin Noch immer großes Aufräumen im Wald
Lokales Ostprignitz-Ruppin Noch immer großes Aufräumen im Wald
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13:05 26.02.2018
Im Oktober hatte Revierförster Torsten Langhoff noch keine Ahnung, wie er das Chaos bewältigen soll. Die Schäden sind noch immer immens. Quelle: Peter Geisler/Archiv
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Alt Ruppin

Der Weg am Tornowsee im Norden von Neuruppin ist eine beliebte Laufstrecke. Jogger lieben die ruhige Piste durch den idyllischen Wald. Doch in den vergangenen Monaten ging dort nichts mehr. Umgestürzte Bäume versperrten die Wege überall. Schilder warnten Spaziergänger. Wer hier läuft, begibt sich in Lebensgefahr.

Die vergangenen Monate waren hart für Revierförster Torsten Langhoff. In seinem Wald bei Stendenitz hatten die Stürme im Herbst heftig gewütet. So heftig, dass Langhoff noch vor ein paar Monaten nicht wusste, wie das ganze Chaos so bald aufgeräumt werden kann. Inzwischen kann er schon etwas ruhiger schlafen. „Die meisten Wege konnten wir schon wieder freigeben“, sagt er. Trotzdem sollten Spaziergänger und Jogger vorsichtig sein.

Abseits der Wege liegen noch immer hunderte Baumstämme kreuz und quer im Forst, manche verdreht oder zwischen anderen Bäumen verkeilt. In zwei, drei Monaten sollte der Wald weitgehend aufgeräumt sein. „Unser Ziel sind zurzeit die Ostertage“, sagt Torsten Langhoff. Bis Anfang April wollen die Forstarbeiter die meisten Sturmschäden beseitigt haben.

Große Schäden auch im Revier Fristow und bei Rheinsberg

In Langhoffs Revier haben die Stürme Xavier und Herwarth im vergangenen Herbst heftig zugeschlagen. Es gibt aber Reviere, in denen die Schäden noch größer waren, sagt Carsten Sander von der Landeswaldoberförsterei Alt Ruppin: in Fristow ganz in der Nähe zum Beispiel oder im Boberow bei Rheinsberg. Sander und seine Kollegen betreuen den gesamten Nordwesten Brandenburgs, etwa 19 000 Hektar in den Kreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz.

Im Bereich der Oberförsterei haben die Herbststürme 2017 tausende Bäume mit zusammen rund 52 000 Kubikmetern umgerissen. Viele sind unter dem Druck des Sturms einfach gebrochen, andere wurden samt Wurzeln aus dem Boden gerissen. Betroffen sind Laub- wie Nadelbäume.

Jedes Jahr schlagen die Waldarbeiter etwa 85 000 Kubikmeter Holz ein. Die Sturmschäden kommen 2017 noch einmal oben drauf. Die Förster versuchen zu verwerten, was sich verwerten lässt. Bäume, die nicht zu sehr gesplittert oder verdreht sind, werden verkauft. Doch dafür muss das Holz erst einmal geborgen und zersägt werden. Und das ist noch wie vor ein Problem.

Viele Bäume werden liegen bleiben, weil es sich kaum lohnt, sie zu bergen. Und weil sie so neuen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen bilden. Quelle: Peter Geisler

Den Förstereien fehlt es an Personal und an Technik, sagt Carsten Sander. Das Land habe die Zahl der Waldarbeiter in den vergangenen Jahren immer wieder reduziert. Für den normalen Pflegeeinsatz sind vielleicht noch genügend Männer da. „Durch die Sturmschäden haben wir aber ein besonderes Problem“, sagt Sander. Die Aufräumarbeiten kommen auf das normale Pensum obendrauf. Für die Männer ist das kaum noch zu bewältigen.

Das Land bildet zwar nach wie vor junge Waldarbeiter in Kunsterspring aus. Doch übernimmt der Landesforstbetrieb schon seit Jahren kaum einen seiner Lehrlinge danach auf Dauer. Viele Waldarbeiter sind nicht mehr die jüngsten. „Manche Leute sind 58 oder 60 Jahre“, sagt Sander. Jüngere würden dringend gebraucht. Die Arbeit ist auch ohne Sturmschäden körperlich sehr anstrengend.

Hilfe von privaten Firmen zu bekommen, ist aussichtslos. Die Stürme haben in ganz Deutschland gewütet, überall fehlen Leute. In der Region arbeiten deshalb sogar 15 Waldarbeiter aus Rumänien.

Große Maschinen sind kaum zu bekommen

Die Maschinen, die in der Oberförsterei zur Verfügung stehen, sind meist älter oder zu schwach, um sehr große und schwere Bäumstämme aus dem Wald zu ziehen. Und einige eigentlich sinnvolle Regeln erschweren das Aufräumen zusätzlich. Brandenburg lässt seien Wälder nach den Systemen PEFC und FSC zertifizieren.

Die Siegel sollen nachhaltige Forstwirtschaft garantieren. Eine Auflage dafür: Schwere Maschinen dürfen nur auf bestimmten Wegen in den Wald. Mit farbigen Strichen an den Stämmen haben die Förster alle 20 bis 40 Meter Gassen markiert, die die Maschinen nicht verlassen dürfen.

Manche Rückegassen sind inzwischen gar nicht mehr zu erkennen, weil Xavier auch die Bäume mit den Markierungen umgerissen hat. Aber auch dort, wo die Gassen noch zu erkennen sind, kommen Waldarbeiter und Maschinen oft an ihre Grenzen. Eine private Forstfirma im Löwenberger Land hat eine so starke Maschine, wie sie jetzt dringend nötig wäre, um besonders große Stämme zu retten. „Da haben wir natürlich angefragt“, sagt Sander. Ohne Erfolg. Das Unternehmen ist auf viele Monate ausgebucht.

Waldarbeitsschule Kunsterspring hilft mit ihrer Technik aus

Hilfe bekommt die Oberförsterei von der Waldarbeitsschule Kunsterspring. Sie hat ihre Ausbildung so umstrukturiert, dass eine ihrer Maschinen vorübergehend in den umliegenden Wäldern aushelfen kann. Sander und seine Kollegen sind sehr froh, dass das klappt.

In geschwächten oder toten Bäumen können sich Schädlinge massenhaft vermehren, wie hier Braune Rüsselkäfer im Revier Neuglienicke. Quelle: Cornelia Felsch

Aber nicht alle gestürzten Bäume werden geborgen. Etwa jeder fünfte wird liegenbleiben. „Manche Leute werden das vielleicht nicht gleich verstehen“, sagt Revierförster Torsten Langhoff aus Stendenitz. Aber einige Stämme lassen sich einfach nicht mit vertretbarem Aufwand bergen.

Und auch totes Holz ist wichtig für den Wald. Es bildet Lebensräume für viele Tiere, Pilze und andere Pflanzen. So gesehen hatten die Stürme auch ihr Gutes: „Wir füllen damit jetzt unsere Totholzreserve auf“, sagt Carsten Sander.

Nur das umgebrochene Lärchen- und Fichtenholz muss zwingend aus dem Wald geholt werden. Die Nadelbäume sind für Insekten ein regelrechter Festschmaus. Buchdrucker, Kupferstecher und andere Borkenkäfer könnten sich unter der Rinde der Bäume massenhaft vermehren. Das wäre die nächste Katastrophe für den Wald.

Von Reyk Grunow

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