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Ostprignitz-Ruppin Schafsrisse: Jetzt auch in der Stadt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schafsrisse: Jetzt auch in der Stadt
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00:20 08.12.2017
Einiges spricht dafür, dass ein Wolf der Angreifer war. Aber auch ein Husky ist nicht auszuschließen.   Quelle: Ingo Wagner/dpa
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Wittstock

 Schafsrisse – jetzt gibt es sie auch in der Stadt: In der Nacht zum 26. November fiel ein Tier einem vierbeinigen Räuber zum Opfer. Das Schaf gehörte zu einer achtköpfigen kleinen Herde, die auf einer mit einem Drahtzaun umgebenen Weide im Bereich zwischen dem Rote-Mühle-Weg und der Dosse zu Hause ist. Es geschah an einem Unterstand. Dort muss der Räuber seine etwa 30 Kilogramm schwere Beute angefallen und im Zickzack-Muster weggeschleift haben.

Am Stall war alles voller Blut

„An dem Stall war alles voller Blut“, berichtet der Halter (Name der Redaktion bekannt). Nur eine Keule, die Hüfte und ein Stück vom Rückgrat des Schafes seien übrig geblieben. Schaden: 100 Euro.

Ein durchgebissener Wirbel und die aus dem Bauch herausgefressenen Weichteile sprächen dafür, dass es wahrscheinlich ein Wolf gewesen sein könnte, habe der Halter von einem Wolfsexperten erfahren, nachdem dieser sich vor Ort umgesehen hatte. Weil jedoch nicht alle Kriterien erfüllt seien, die einen Wolfsriss als solchen zweifelsfrei identifizieren, könne offiziell nicht mit absoluter Sicherheit davon gesprochen werden.

Das wichtigste Indiz für einen Wolf fehlt

Das bestätigt Thomas Frey, Pressesprecher im Umweltministerium des Landes Brandenburg. Tatsächlich fehle das wichtigste Indiz für einen Wolf als Angreifer – der Kehlbiss. Daher könnte es auch anders gewesen sein. „Am gleichen Tag wurde der Naturschutzstation Zippelsförde ein Foto einer vermeintlichen Wolfsbeobachtung aus dem Stadtgebiet Wittstock zugesandt. Trotz der Unschärfe der Fotografie sind unsere Experten davon überzeugt, dass hier ein freilaufender Husky abgebildet wurde.“ Nähere Spuren wie etwa Speichelproben hätten am Ort des Geschehens wegen des Dauerregens an jenem Tag nicht gesichert werden können. Fazit des Landesumweltamtes: „Wolf nicht auszuschließen.“

Der erste Fall für einen Rissgutachter in der Stadt Wittstock

Auch wenn die Frage Wolf oder Husky nicht eindeutig zu beantworten ist, so bestätigt Thomas Frey: „Es war der erste Fall in Wittstock, zu dem ein Rissgutachter gerufen wurde.“ Bisher gab es Risse vor allem im Bereich Zempow und Dossow – allerdings stammen sie aus 2016. In diesem Jahr sei von dort noch kein Riss gemeldet worden, ebenso wenig wie aus Wittstock – bis jetzt.

Für den Wittstocker Halter ist das Außergewöhnliche an diesem Fall vor allem die Lage des „Tatortes“. Denn der befindet sich ganz in der Nähe von Wohnblöcken. Von der Weide aus wären sie in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. „Warum nähert sich der Räuber, möglicherweise ein Wolf, bewohnten Gebieten und scheut keine Menschen?“, fragt sich der Halter.

Tiergeruch zieht Wölfe an

 Konzentrierter Tiergeruch übe einen starken Reiz auf den Wolf aus, und entlang der Dosse finde er reichlich Deckung, sodass er keine große Scheu überwinden müsse, sagt Thomas Frey. Dennoch seien Übergriffe in der Nähe dichter, fast schon städtischer Bebauung eher selten.

Der Wolfsbeauftragte des Landes Robert Franck schätzt die Gesamtzahl der Wölfe in der Region auf etwa zehn – ein Elternpaar mit seinen Welpen und zum Teil auch halbwüchsigen Jungtieren aus vorangegangenen Würfen. Diese „Teenager“ verlassen dann jedoch den Familienverbund, um eigene Familien zu gründen. 2016 seien sieben Jungtiere nachgewiesen worden; in diesem Jahr bisher drei. Die aktuelle Situation schätzt Franck als „ruhig“ ein.

Die Zahl der Risse wird zunehmen

 Dennoch lautet seine Prognose: „Die Zahl der Risse wird zunehmen.“ Der Wittstocker Halter, der das Schaf verlor, will nun einen zusätzlichen Stromzaun quer über die Wiese ziehen, um weitere Angriffe möglichst zu verhindern.

In der Region sorgten Wölfe in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen – nicht nur nach Angriffen auf Schafe wie etwa im Oktober 2016, als der zahme Knut in Zempow einem Wolf zum Opfer fiel. Im Juni dieses Jahres beobachtete eine Radfahrerin im Wald bei Zempow einen so großen Wolf, dass sie ihn für ein Pony hielt; Ende des selben Monats sahen zwei Frauen unabhängig voneinander zwei Wölfe durch Dossow laufen.

Hilfe und Beratung

Doch was tun, wenn ein Nutztier gerissen wurde? Halter sollten Sicherungsvorkehrungen überprüfen und gegebenenfalls verbessern, rät Thomas Frey und weist darauf hin: Einen Schadensausgleich könnten nur jene Halter erwarten, deren Tiere beim Veterinäramt und der Tierseuchenkasse angemeldet sind.

Hilfe und Beratung gibt es unter www.lfu.brandenburg.de/info/wolf oder telefonisch beim Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL), Valeska de Pellegrini: 0331/8 66 70 35 oder 0172/3 25 20 13.

Von Björn Wagener

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