Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Schatzkammer für Antiquitätenjäger

Wustrau Schatzkammer für Antiquitätenjäger

Tilman Hoche hat in Wustrau einen Antiquitätenhandel, in dem es von Museumsstücken bis zu Kunst und Kitsch alles gibt. Auch echte Raritäten. Um in diese Schatzkammer des Schönen und Alten einzutauchen, kommen die Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet.

Voriger Artikel
Der Babyboom hält an
Nächster Artikel
Schulstunde mit Hund Odin

Wohnen wie Gott in Frankreich – auf die Inszenierung kommt es an..

Quelle: Bea Gellhorn

Wustrau. Seine Liebe zu schönen Dingen und ihren Geschichten begann schon früh. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, aber in großer geistiger Freiheit und sehr wissbegierig, interessierte sich Tilman Hoche, Jahrgang 1950, von Jugend an für Geschichte und Geschichten.

Aber nicht Schlachten, Kaiser und Könige faszinierten ihn, sondern die Menschen, das einfache Volk, das sich mühte, die Handwerker, die Großartiges leisteten – und sogar Kathedralen bauten. Hinzu kam, damals sehr ungewöhnlich für einen jungen Mann, eine Affinität zu Mode aus alten Zeiten.

80dc4146-bf27-11e7-939a-14d1b535d3f1

Kunst und Kitsch, Altes und Schönes, echte Antiquitäten oder einfach schöne alte Stücke – in der Wustrauer Mühle finden Antiquitätenjäger eine echte Schatzkammer vor. Hoch hat die Stücke selbst beschafft und teilweise eigenhändig restauriert. Ein Blick in sein Reich.

Zur Bildergalerie

So verwundert es nicht, dass er zunächst das Handwerk des Schreiners und dann das des Restaurators erlernte. Sein Einrichtungswissen eignete er sich über Jahrzehnte selbst an.

Die 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die Hoche in der Mühle in Wustrau bestückt, bespielt und inszeniert, sind eine wilde Mischung aus Museum, Panoptikum, Theaterbühne und Interiordesign. Neben hochwertigen Antiquitäten, die aus drei Jahrhunderten stammen und die er aus Frankreich, Belgien, England und Italien bezieht, entdeckt man alte Industriemöbel, Ladeneinrichtungen, historische Werbetafeln und Baumaterialien, Gartenantiquitäten oder edle Accessoires – auch Kunst, Kurioses und Kitsch.

Wertig und witzig, soll es sein und man spürt in jedem Arrangement seine persönliche Handschrift. „Alles hier ist 100 Prozent Hoche,“ sagt er und lächelt dabei stolz und etwas verschmitzt.

Tilman Hoche in seinem Reich, das er sich seit zwei Jahren aufbaut

Tilman Hoche in seinem Reich, das er sich seit zwei Jahren aufbaut.

Quelle: Bea Gellhorn

Was ihn an jedem neuen Fundstück reizt, ist, sich sowohl in das Objekt als auch in die Zeit hineinzudenken, es möglichst zu retten und ohne Verfremdung in seiner natürlichen und gealterten Schönheit zu bewahren. „Ich übernehme die Sprache des Objekts, wenn ich restauriere.“ Kein Wunder, dass er von der aktuellen Modeerscheinung, alte oder auch neue Gegenstände und Möbel mit einem künstlichen Antik-Look zu versehen, nicht viel hält. „Shabby ist oft nicht gut gemacht. Es zeigt keine echten, logischen Abnutzungserscheinungen und dass die Sprache des Objekts überhaupt nicht erfasst wurde.“

Schon beim Betreten der alten Scheune, tauchen Besucher und Kunden in längst vergangene Zeiten ein. Jeder Raum steckt voller Überraschungen, liebevollen Accessoires, ist perfekt inszeniert und hat doch den Charme des Provisorischen. Ein Ort, der zu träumen scheint und ein Inhaber, der dieses Lebensgefühl und seine Begeisterung sehr gerne teilt.

Beruflich einige Höhen und Tiefen

Doch die vergangenen zweieinhalb Jahre hielten für den Neu-Brandenburger einiges an Höhen, aber auch Tiefen bereit. Beruflich war es trotz 30jähriger Berufserfahrung doch wieder ein schwieriger Neustart. Mittlerweile geht es geht geschäftlich glücklicherweise bergauf. Persönlich fehlen ihm trotz seiner treuen Gefährtin, der Hundedame Ella, seine Familie und Freunde aus der schwäbischen Heimat sehr. Das Einsiedlertum, das er in Wustrau führt, fällt dem geselligen Schwaben nicht immer leicht. „Egal wo man ist, wenn man wenig Ansprache hat, verdurstet man.“ Umso mehr freut er sich, wenn Gäste die Zeit für einen Kaffee, ein Glas Wein und ein gutes Gespräch mitbringen.

Und auch das Pendeln zwischen Ulm und Wustrau ist neben all der Arbeit, die er als „One-Man-Show“ zu leisten hat, äußerst kräftezehrend. Dennoch sagt Hoche überzeugt: „Ich bin über diesen Standort hier sehr glücklich und fühle mich hier extrem wohl in der Mühle. Und auch landschaftlich ist es hier wunderschön.“ Ursprünglich sollte seine Frau Ulrike nachkommen, wenn die Kinder Max (24) und Emily (21) aus dem Haus sind. Das ist aber bislang wirtschaftlich noch nicht möglich. „Aber wenn Du anfängst zu rechnen, machst du vieles im Leben einfach nicht. Nur dann wäre unsere Welt auch ärmer. Sie wäre zwar reich an Gütern, aber arm an Seele, Menschlichkeit und Fantasie.“

Kunden kommen aus dem ganzen Bundesgebiet

Seine Kunden kommen aus Berlin, dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem Ausland, aber nur selten kommen Brandenburger. Wie viele Branchen lebt auch Tilman Hoche hauptsächlich vom Verkauf über das Internet und seine Bekanntheit in den sozialen Medien. „Wer etwas Besonderes sucht, findet mich, denn mein Angebot ist sehr speziell. Manche Dinge gibt es nicht mehr auf dem Markt.“

„Ich liebe Inszenierungen und auch eine gewisse Theatralik. Deshalb ist Dekoration für mich ganz wichtig. Es schafft das Gefühl von Harmonie im Raum. Sie setzt Akzente, aber auch Brüche. “ Deshalb begleitet Hoche nicht nur Bauvorhaben, liefert historische Baustoffe und Elemente, restauriert im Auftrag, sondern berät auch in Sachen Dekoration und Inszenierung, was seine Kunden gerne in Anspruch nehmen.

Von Ulm nach Wustrau

2015 kam der gebürtige Schwabe Tilman Hoche von Ulm nach Wustrau.

Direkt am Ruppiner See in dem alten Gebäude-Ensemble der ehemaligen Getreidemühle mit Backhaus, einem riesigen Sackboden und dem großzügigen Hofareal, durch das das Flüsschen Rhin fließt, fanden seine Schätze und er ein neues Zuhause. Von Anfang an hatte er das sichere Gefühl, hier bleiben zu wollen.

Tilman Hoche, Jahrgang 1950, hat zunächst das Handwerk des Schreiners gelernt und später ein Ausbildung zum Restaurator absolviert.

Seine Schätze sind in der Mühle Wustrau auf 1200 Quadratmetern Fläche ausgestellt, auch im Außenbereich gibt es viele Stücke.

Er macht ihnen Mut, auch das Provisorische, das Unvollkommene zu akzeptieren. Das entspricht zwar seiner Meinung nach nicht dem Nutzendenken der Deutschen, die sich nur schwer ein „nutzloses“ oder imperfektes Teil leisten und gerne immer 100 Prozent anstreben. „Eines der ersten Dinge, die ich auf der Restaurationsschule gelernt habe, war, dass man nie 100 Prozent restaurieren kann und auch nicht darf.“ Das alles bedarf großer Überzeugungsarbeit, die er auch gern leistet.

Zurzeit sucht Hoche einen Praktikanten

Viele Pläne, die er anfangs mitbrachte, lassen sich allerdings derzeit nicht realisieren, da ihm einfach die Zeit dazu fehlt. Deshalb sucht er aktuell dringend Praktikanten, die ihn handwerklich unterstützen und die bei ihm viel lernen können, wie er sagt. Dann kann er auch die geplanten Wochenendkurse in Restauration oder Vergolden wieder anbieten. Bisher fanden in der Getreidemühle zusätzlich zwei Fotoausstellungen statt und auch ein Museum mietete bereits Räume für eine externe Ausstellung an. Darüber hinaus vermietet Hoche sein einzigartiges Ambiente auch für Essen, Hochzeiten oder andere Feierlichkeiten.

Fragt man ihm nach seinem Lebensmotto, so formuliert er es überraschend und knapp: „Mehr ist mehr.“ Darin steckt sicher sein Hang zur Opulenz, zum Genuss, zum Übermaß, statt zum Mittelmaß, zum Besonderen, statt zum Mainstream. Eben 100 Prozent Hoche.

Das Motto lautet „Mehr ist mehr“

Dieses „Mehr ist mehr“ kann man hautnah selbst in Wustrau bei „Tilman Hoche – Antiquitäten und Einrichtung“ erleben. Am besten bringt man viel Zeit mit, um alles zu entdecken und zu erkunden – und vielleicht noch für einen Plausch mit dem Hausherrn. Die Gefahr, diesem Zauber schöner Dinge zu verfallen, ist allerdings inbegriffen.

Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr. Sonst nach Vereinbarung. An der Mühle 5, 16818 Wustrau, Tel. 033925/90 58 18, www.tilmanhoche.de

Von Bea Gellhorn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg