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Schiedsmann für Lindow gesucht

Erika Bufe gibt nach zehn Jahren ihr Ehrenamt auf Schiedsmann für Lindow gesucht

Manchmal wundert sie sich nur, wie aus befreundeten Nachbarn erbitterte Feinde werden. Erika Bufe kann ein Lied davon singen: Zehn Jahre lang hat sie im Amt Lindow als Schiedsfrau gewirkt – und die Streithähne bestenfalls zur vorgerichtlichen Einigung gebracht. Jetzt sucht das Amt einen Nachfolger für die Ehrenamtlerin.

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Erika Bufe hat zehn Jahre lang als neutrale Schiedsfrau Menschen geholfen.

Quelle: Regine Buddeke

Lindow. Manchmal kann sie nur noch mit dem Kopf schütteln. „Wenn man bedenkt, was aus einer simplen Hecke alles an Streit erwachsen kann“, sagt Erika Bufe.“ Oft hätten die Streitparteien zur selben Zeit gebaut, jahrelang miteinander gegrillt, sich geduzt, als Trauzeugen bereitgestanden. Und dann ist die Hecke auf einmal ein Kriegsgrund. Die Streithähne sind oftmals Rentner – „mit zu wenig Sonne und zu viel Zeit.“

Die Lindowerin weiß, wovon sie spricht – seit zehn Jahren versucht sie als Schiedsfrau im Amt Lindow, Streithähne zu einer Einigung zu bringen, bevor das Ganze vor Gericht landet. Nicht nur, weil die Gerichte schon ohne die Bagatellfälle turmhohe Aktenberge zu bewältigen haben, sondern auch, weil es preiswerter ist, zum Schiedsmann statt zum Rechtsanwalt zu gehen. „Die Kosten liegen bei uns zumeist unter 40 Euro“, so Bufe. Dafür blättere ein Rechtsanwalt in aller Regel noch nicht einmal die Akte durch.

Bei Zivilverfahren sind Schiedsleute erste Anlaufstelle

Bei Zivilverfahren, so Bufe, ist die erste Anlaufstelle ohnehin erst einmal die Schiedsstelle. Dort wird versucht, zu einer vorgerichtlichen Einigung zu kommen. Erst wenn das scheitert, wird eine Erfolg­losigkeitsbescheinigung ausgestellt, mit der man dann zum Rechtsanwalt gehen kann. Wenn alles gut läuft, kommen Antragsteller und Antragsgegner indes zu einem Vergleich. „Der ist dann natürlich für beide Parteien bindend“, erklärt Erika Bufe. Schon deshalb, weil beide Parteien ihn selbst ausarbeiten – als gemeinschaftliche und gemeinsame Lösung. „Ich bin neutral. Und versuche nur, als Mittler so aufzutreten, dass beide Streithähne selber eine vertretbare Lösung für ihr Problem finden“, sagt die Schiedsfrau. Mitunter sei das nicht einfach, wenn man die Lösung greifbar vor sich sehe, während die Gegner sich in jahrzehntelang schwelende Befindlichkeiten verstricken. Auch wenn Erika Bufe einen der beiden sympathischer findet, darf sie sich das nicht anmerken lassen. „Aber wir wurden ja für das Ehrenamt geschult“, sagt die Schiedsfrau, die ihr Ehrenamt immer als spannende Abwechslung begriff. „Ich hätte nie gedacht, dass man sich so vielfältig streiten kann“, sagt sie.

Amt sucht dringend neue Leute

Trotzdem will sie nun nach zwei Amtsperioden aufhören. „Eigentlich wollte ich das nur fünf Jahre machen, nun sind es zehn geworden“, sagt sie. „Aber jetzt ist Schluss.“ Deshalb sucht das Amt dringend eine Nachfolge für Erika Bufe. Deren Mitstreiterin Ines Jaster würde einem potenziellen Nachfolger hilfreich zur Seite stehen. Angst muss keiner vor der Tätigleit haben, erzählt Erika Bufe. Eine juristische Ausbildung brauche man nicht, der Pflicht-Grundkurs dauere nur ein Wochenende. Aber die meisten Fälle ließen sich auch gut ohne Schulung lösen. „Man sollte offene Ohren und ein bisschen gesunden Menschenverstand haben.“ Und Menschen zu mögen – das sei schon die halbe Miete. „Humor statt Verbissenheit“, sagt die Schiedsfrau angesichts der oft skurrilen Streitigkeiten. Fünf bis zehn pro Jahr gingen über ihren Tisch. Auch der Zeitaufwand ist überschaubar – einmal im Monat hat die Lindower Schiedsstelle für zwei Stunden geöffnet. Für die Fallbearbeitung gibt es eine Aufwandsentschädigung.

Hinweis: Wer sich für das Schiedsamt bewerben möchte, kann sich im Bau- und Ordnungsamt in Lindow unter 033933/8 96 39 bei Carmen Noack melden.

Von Regine Buddeke

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