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Schikanöse Grenzkontrollen und ein Sturmtief

Wittstock Schikanöse Grenzkontrollen und ein Sturmtief

Zum Schmunzeln, zum Nachdenken aber auch zum Traurigsein regten ihre Texte das Publikum am Mittwochabend in der Wittstocker Bibliothek an. Berührt haben die sechs Teilnehmer des Volkshochschulkurses „Biografisches Schreiben“ ihre Zuhörer mit einer Kostprobe ihres Schaffens auf jeden Fall. Allerdings ist die Zukunft des Kurses für das kommende Jahr etwas ungewiss.

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Heidi Schäfer aus Sewekow (l.) nahm erstmals an der Lesung als Vortragende teil.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Dass jede Menge Kreativität in ihnen steckt, das haben sechs Teilnehmer des Volkshochschulkurses „Biografisches Schreiben“ am Mittwochabend in ihrer Lesung in der Wittstocker Bibliothek wieder einmal bewiesen. Diesmal war die Initiative, ihre neuen Texte einem breiten Publikum zu präsentieren, sogar von ihnen ausgegangen, wie Kursleiterin Kerstin Morling berichtete. „Ich bin gerade beruflich stark eingebunden“, erklärte die in Potsdam lebende Kursleiterin. Da habe sie diesmal nicht die Zeit gefunden.

Die Textanregungen gingen reihum durchs Publikum

Die Textanregungen gingen reihum durchs Publikum.

Quelle: Christian Bark

Doch der Gruppenkern, der sich bereits seit vier Jahren zwei bis dreimal im Jahr im Kurs trifft und en bloc einige Tage unter Anleitung von Kerstin Morling fleißig dichtet, philosophiert und eigene Erinnerungen zusammenschreibt, hat bereits ein beachtliches Eigenleben entwickelt. „Es tut gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und auch mal über Persönliches sprechen zu können“, lobte Heidi Schäfer aus Sewekow, die seit zwei Jahren regelmäßig den Kurs besucht, die Atmosphäre innerhalb der Gruppe. Freilich werde nicht alles Verfasste vorgetragen, einiges dürfe die Kursräume eben nicht verlassen, weil es zu persönlich sei.

Erinnerungen in Gedichte und Kurzgeschichten verpackt

Doch am Mittwochabend hatte sich auch Heidi Schäfer dazu überreden lassen, zumindest einen ihrer Texte dem Publikum vorzutragen. „Vorher gehörte ich selbst immer zu den Zuhörern“, erklärte sie. Unter der Rubrik „Vergangenes“ berichtete sie aus der Perspektive eines roten Paares Schuhe, das sie schon über 30 Jahre lang durchs Leben begleitete. Als die aus dem Exquisit-Laden gekauften italienischen Schuhe schon mal davor standen, auf einem Flohmarkt verkauft zu werden, habe es ihre Besitzerin doch nicht übers Herz gebracht, sie wegzugeben. Schließlich hatten sie schon während ihrer Trauung und über die Hochzeitsreise auf der Insel Rügen hinweg ihre Füße geschmückt. Zur Veranschaulichung für das Publikum hatte Schäfer die Schuhe sogar dabei.

Manfred Haßfeld aus Kyritz erinnerte sich in der Rubrik wiederum an schikanöse Kontrollen an der Grenze zwischen DDR und CSSR. Nur an jenem Augusttag 1978, als Siegmund Jähn als erster Deutscher mit Sojus 31 im Weltall schwebte, seien die Kontrollen merkwürdigerweise erstaunlich zügig vonstatten gegangen.

Heidi Schäfer hatte sogar ihr rotes Paar Schuhe dabei

Heidi Schäfer hatte sogar ihr rotes Paar Schuhe dabei.

Quelle: Christian Bark

Auf ein lokales Ereignis verwies Uta Köhn aus Heiligengrabe. Sie blickte auf den 13. November 1972 zurück, als ein kräftiges Sturmtief die Region verwüstete – darunter auch die Bäume in ihrem Heimatort. Eine Mitschülerin sei beim Schirmaufspannen auf dem Schulhof einige Meter vom Wind davongetragen worden. Was für sie als Kind damals aufregend war, betrachte sie heute kritischer. Besonders den Aspekt, dass die Kinder ohne erwachsene Begleitung von der Schule nach Hause geschickt worden seien. Im Rückblick erinnerte sich Ingrid Meckelburg an ihr altes Radio, zu dessen Tanzmusik sie mit ihrem Vater durch den Raum gefegt sei. Heidemarie Morling holte alte Pramo-Schnittmuster hervor, aus einer Zeit, als man sich seine Kleidung noch selbst mit der Veritas-Nähmaschine geschneidert hatte.

Zudem ließen die Teilnehmer ihre Gedanken in den Rubriken „Köstliches“, „Besinnliches“ und „Tierisches“ spielen. Akustisch untermalt, berichtete Gabriele Merten von einem Tag am Meer – über dessen Gefahren und Annehmlichkeiten. Trauriger wurde es in Manfred Haßfelds Kurzgeschichte „Abschied für immer“, wobei einer Ehefrau nach dem tödlichen Autounfall ihres Mannes nur die Erinnerung an ihren letzten Kuss blieb. Heitere Momente erlebte das Publikum in Uta Köhns Geschichte über die Kastrierung ihres wilden und triebhaften Hauskaters, der daraufhin zum „Altschneider“, wie man einen kastrierten Eber bezeichnet, wurde.

Bibliotheksleiterin Georgia Arndt zeigte sich hoch zufrieden mit der Lesung, die dieses Jahr erstmalig in der Veranstaltungsreihe „Live um 6“ stattfand. „Das ist für das Jahr 2016 zugleich die letzte Lesung in dieser Reihe“, kündigte Arndt an. Dass ihr Schreibkurs womöglich erst Ende kommenden Jahres wieder stattfinden könne, damit wollten sich die Teilnehmer nicht abfinden, wie Heidi Schäfer berichtete. „Wir haben schon eine Lösung für die Fortsetzung gefunden“, verriet sie.

Von Christian Bark

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