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Schindlers Mutterkühe

Walchow Schindlers Mutterkühe

Jürgen Schindler sieht sich als Landwirt und Naturschützer zugleich. Er betreibt seit 1997  in Walchow eine Landwirtschaft. Er und seine Familie sind in das einstige Elternhaus seiner Mutter eingezogen. Der Biologe hält 85 Mutterküche und hat jetzt komplett auf ökologische Landwirtschaft umgestellt

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Landwirt Jürgen Schindler hält 85 Mutterkühe, die das ganze Jahr draußen leben.

Quelle: Peter Geisler

Walchow. In Walchow ist Jürgen Schindler, wie er sagt, „ein Landwirt, der auch Naturschutz macht“. Auf der Insel Fehmarn, wo er 15 Jahre lebte, war er „ein Naturschützer, der Schafe hielt“. Seit 1997  betreibt der heute 60-Jährige in dem kleinen Fehrbelliner Ortsteil Walchow eine Mutterkuhhaltung mit 85 Tieren. Nur Mutterkühe, sonst nichts. „Wir haben nicht mal eine Henne“, sagt der Bauer. Die Entscheidung für oder gegen Hühner nahm ihm der Marder ab, der im Hühnerstall räuberte.

Seine Kühe leben das ganze Jahr unter freiem Himmel. Im Winter baut Schindler auf der Weide einen Windschutz aus Heubünden. „Trockene Kälte halten sie gut aus“, sagt der Landwirt. Nasskaltes, windiges Wetter mögen sie nicht.

Auf Bio-Landwirtschaft umgestellt

Seit November 2014 hat Schindler seinen Betrieb auf Bio umgestellt. Zuvor hatte er konventionelle, aber extensive Landwirtschaft betrieben.

Um die Bio-Kriterien zu erfüllen, muss er etwa das Stroh zum Einstreuen vom Bio-Bauern kaufen, das Kraftfutter für die Färsen kommt von der Ökomühle Malchin.

Nach einer zweijährigen Umstellungsphase kann Schindler im kommenden Jahr seine Tiere mit dem Gütesiegel Bio vermarkten.

2007 eröffnete seine Ehefrau Katja einen kleinen Hofladen, in dem die Käufer Rindfleisch, Marmeladen und anderes erwerben konnten. Der Laden ist mittlerweile wieder geschlossen. „Damit konnte man keinen Blumentopf gewinnen“, sagt Schindler.

Leben im Haus der Vorfahren

„Ich bin ein traditionsbewusster Mensch“, sagt der Landwirt. Er lebt mit Frau, Kindern und seiner Mutter in dem Haus, das schon das Zuhause seines Urgroßvaters war. Es handelt sich um einen ehemaligen Vierseithof auch Luchwiesen-Hof genannt, der Ende des 19. Jahrhunderts erbaut worden ist. Auffällig sind die Brüstungsfelder mit Frucht- und Blattmotiven. „Es ist ein typisches Gehöft eines reichen Mittelbauern, wie sie einst Walchow prägten. Durch seine Lage in Kirchennähe und die auffallende Stuckfassade des Wohnhauses ist das Gehöft unverzichtbarer Bestandteil des Ortsbildes“, heißt es im Katalog der Denkmale des Kreises Ostprignitz-Ruppin, die das Land Brandenburg Anfang der 1990er-Jahre auflegen ließ. In seinem Haus wurde auch seine Mutter geboren. Sie verließ Walchow nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Zusammenbruch der DDR ging das Gehöft wieder in den Besitz der Familie über.

In Walchow zu Hause fühlen

Jürgen Schindler gefällt der brandenburgische Menschenschlag – anders als die Ostholsteiner auf Fehmarn. „Die Einwohner dort sind sehr auf sich bezogen“, sagt Schindler. Der Brandenburger sei offener. Das zeigt sich für Schindler auch am Kontakt zu seinem Koppelnachbarn Burckard Wolf und an der Hilfsbereitschaft untereinander im Dorf.

Der Biologe Jürgen Schindler will die Ursprünglichkeit des Luchs erhalten. Naturschutz ist sein Hobby und so beobachtet er genau, was um ihn herum passiert. Etwas Besonderes hat er im vergangenen Jahr entdeckt: Das Schwarzkehlchen. Der kleine Singvogel gilt regional als sehr gefährdeter Vogel. In Walchow hat er sich seinen Lebensraum erobert. Braunkehlchen seien dagegen selten geworden. Entdeckt der Landwirt beim Mähen ein Nest am Boden, versucht er, dort das Heu stehen zu lassen. „Ich habe mein Leben lang Vögel beobachtet“, sagt Schindler. Dabei ist ihm auch aufgefallen, dass es in diesem Jahr weniger Schwalben gibt. In seiner Garage gibt es 50 Mehlschwalbennester, von denen nur die Hälfte belegt ist.

Sind die Vögel gegen Süden geflogen, ziehen die Feldsperlinge dort ein und brüten. Sie gehen allerdings etwas rabiat mit den Nestern um, so dass die Schwalben bei ihrer Rückkehr erst einmal ihr Heim bewohnbar machen müssen. Die Scheune hat Jürgen Schindler als Vogelschutz mit Nistmöglichkeiten für verschiedene Vogelarten hergerichtet.

Von Dagmar Simons

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