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Schläger griffen Flüchtling wegen Fahrrad an

Neuruppin Schläger griffen Flüchtling wegen Fahrrad an

Nur dem Eingriffen eines 49-jährigen Neuruppiners ist es vermutlich zu verdanken, dass der Übergriff zweier alkoholisierter Männer auf einen Asylbewerber aus dem Senegal nicht noch schlimmere Folgen hatte. Der Mann wurde attackiert, weil die Täter vermuteten, dass dieser etwas von einem Fahrraddiebstahl weiß. Dabei war das Rad gar nicht weg.

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Das Urteil gegen die zwei Männer, die in Neuruppin willkürlich einen Mann aus dem Senegal attackierten, ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: DPA

Neuruppin. Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Amtsgericht Neuruppin am Donnerstag einen 35-Jährigen, der in Wustrau lebt, und einen 68-jährigen Neuruppiner zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Die zwei Männer – der Ältere ist der Patenonkel des Jüngeren – hatten am Abend des 13. August 2016 einen Asylbewerber aus dem Senegal, der mit dem Rad auf dem Weg ins Wohnheim nach Neuruppin-Treskow war, angegriffen und mit Fäusten traktiert. Grund: Enrico B. (35), der mit seinem Patenonkel Bernhard E. (68) im Garten grillte, hatte kurz zuvor bemerkt, dass sein Fahrrad verschwunden war. Dieses sei teuer und für ihn wichtig gewesen, hieß es. Als kurz vor 20 Uhr Moussa Samba mit einem Lächeln an den beiden alkoholisierten Männern vorbeifahren wollte, versperrten die ihm den Weg. Sie hätten vermutet, dass der Mann vielleicht etwas zu dem Diebstahl gewusst habe. Doch anstatt in Ruhe danach zu fragen, schlug Enrico B. einfach mit den Fäusten auf den Kopf von Moussa Samba ein. Auch Bernhard E. versuchte zuzuschlagen. Doch Moussa Samba konnte sein Gesicht mit seinen Armen schützen. Nur weil ein beherzter Neuruppiner (49), der mit seiner sechsjährigen Tochter auf dem Radweg unterwegs war, die Polizei alarmierte und auch Schüler des Schinkelgymnasiums, die auf die Situation aufmerksam geworden waren, zu der Gruppe stießen, entspannte sich die Lage.

Täter bedauern ihre Schläge

„Es tut mir leid, was passiert ist“, sagte Enrico B. am Donnerstag. Der gelernte Tierwirt, der arbeitslos und mehrfach wegen anderer Delikte vorbestraft ist, hatte vor dem Prozess zunächst einen sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich angestrebt, davon aber wieder Abstand genommen. Er habe kein Geld gehabt, um ein mögliches Schmerzensgeld in Höhe von 200 oder 300 Euro zu zahlen. Da er nun wieder Arbeit habe, könne er in Raten einen Betrag zahlen, sagte B. Mit einer Entschuldigung und einer Ratenzahlung hätte er seinen Prozess verhindern können, sagte Richter Frank Jüttner. Er lobte ausdrücklich das beherzte Eingreifen des Zeugen und der Schüler. Diese hätten womöglich Schlimmeres verhindert. „Man darf sich Zivilcourage trauen“, betonte Jüttner.

Das Rad wurde kurz nach dem Übergriff gefunden

Das Gericht verurteilte B. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, seinen Patenonkel zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten. Die Strafen wurden, da sich beide noch in der Verhandlung bei ihrem Opfer entschuldigten, zur Bewährung ausgesetzt, die Bewährungszeit beträgt jeweils drei Jahre. B., der zur Tatzeit unter Bewährung stand, muss zudem ein Schmerzensgeld in Höhe von 400 Euro zahlen. Beide Männer müssen zudem gemeinnützige Arbeit leisten: B. 250 Stunden, E. 200 Stunden.

Das Fahrrad von B. war übrigens nicht gestohlen worden, weder von Moussa Samba, noch von einem anderen Asylbewerber. Das Rad lag in einem Gebüsch, wenige Meter vom Garten entfernt, indem B. und E. gegrillt und getrunken hatten.

Von Andreas Vogel

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