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Ostprignitz-Ruppin Schmerzen sind vorbei, die Angst bleibt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schmerzen sind vorbei, die Angst bleibt
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00:16 16.04.2017
Quelle: dpa
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Neuruppin

Sie trauen sich nicht mehr, ihre politische Gesinnung durch Kleidung oder Frisur auszudrücken. So sehr hat der Vorfall am 12. September 2015 bei Anna-Lena B. und Karl F. nachhaltige Spuren hinterlassen: keine blauen Haare, kein Irokesenschnitt, kein T-Shirt mit eindeutigen Aufschriften mehr.

Die beiden heute 17- und 20-Jährigen wurden gegen 21.50 Uhr im Ruppiner Einkaufszentrum (Reiz) in Neuruppin von zunächst zwei, später dann drei Männern angegriffen, geschlagen und getreten. Einer der Täter soll der 22-jährige Sascha M. gewesen sein. Gegen seine beiden mutmaßlichen Mit­täter wird vor dem Landgericht Neuruppin verhandelt werden.

Sascha M. muss sich wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Er selbst kann sich an diesen Teil des Abends nicht erinnern. Er hatte einen Filmriss nach zu viel Alkohol. Umso besser konnten sich die beiden Opfer erinnern.

In Schockstarre

Das Pärchen war im Kaufland gewesen und wollte durch das Reiz nach draußen. Ihm kamen zwei Männer entgegen, die ihnen auffielen, weil einer auf der rechten, der andere auf der linken Seite lief. Plötzlich blieben die beiden vor den jungen Leuten stehen. Auf Karl F. wirkten sie Angst einflößend, so, dass man ihnen lieber aus dem Weg gegangen wäre.

Der etwas stämmigere Mann mit Brille las, so beschrieb es Karl F., „laut und provokant“ die Aufschrift „Good night white pride“ auf Anna-Lena B.s T-Shirt vor. Dann schubste er das Mädchen zu Boden und trat ihr ins Gesicht. Als Karl F. sagte, sie sollten sie in Ruhe lassen, schlug der Angesprochene ihm ins Gesicht. Viel hat Anna-Lena B. nicht mitbekommen. Sie war in Schockstarre und hatte eine anderthalbminütige Amnesie. Den Tritt ins Gesicht hat sie nicht bewusst erlebt. Erst als ihr Freund, der sich schützend über sie gebeugt hatte, um Hilfe rief, kam sie wieder zu sich. Sie erinnerte sich, getreten worden zu sein – vom wem, wusste sie nicht mehr. Karl F. bekam einen Tritt an die Schläfe. Ein zweiter Mann, der Angeklagte, meinte Karl F., sei hinzugekommen und habe ebenfalls getreten. Genau wie eine dritte Person, die von hinten kam.

Noch heute Angst

Als Passanten erschienen, konnten beide die Flucht ergreifen, liefen gegenüber ins Kino und riefen die Polizei. Die kam. Und konnte den von Karl F. später identifizierten L. festnehmen, nachdem er mit einem Nissan mit Wittstocker Kennzeichen das Polizeiauto gerammt hatte. Er rief den Beamten zu: „Die Scheiß-Zecke müsst ihr festnehmen, die filmt.“ Dabei hatte Karl F. nur seine bei der Attacke demolierte Brille festgehalten. Sie war nicht das einzige, was zu Schaden gekommen war. Karl F. hatte eine Beule an der Schläfe, blaue Flecken am gesamten Körper, seine Freundin ebenfalls, dazu noch weitere Verletzungen.

Die körperlichen Beschwerden waren schnell vergessen, nicht aber die psychischen, wie beide berichteten. Anna-Lena B. litt unter Angstzuständen, auch noch heute in abgeschwächter Form. Beide fühlen sich teilweise noch verfolgt, vermeiden es, in der Dunkelheit raus zu gehen. Und sie haben sich äußerlich angepasst, um nicht mehr aufzufallen. „Ich habe mir seitdem nicht mehr die Haare gefärbt“, sagte Karl F.

Für den 21. April ist in dem Verfahren ein Urteil geplant.

Von Dagmar Simons

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