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Schneewittchen tanzte in Rheinsberg

Allein unter Männern Schneewittchen tanzte in Rheinsberg

Der 26. Dezember ist in der Musikakademie Rheinsberg traditionell dem Weihnachtsmärchen vorbehalten. Oft von Grimm, manchmal modern, immer getanzt, sorgt es immer wieder für ein gutgefülltes Haus. Gern gesehen sind die Tänzer aus Neustrelitz. In diesem Jahr brachten sie ihre Version von Schneewittchen auf die Bretter.

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Schneewittchen fühlt sich äußerst wohl in ihrer Männer-WG. Die Zwerge hegen und pflegen sie – und umgekehrt.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. „Kann‘s mal losgehen?“ ruft es aus dem Off. Der Junge im Ringelshirt mit Nummer 7 kickt noch rasch seinen Ball bis zur Bühne, bevor er „Ja“ ruft. Und schon wimmelt es dort vor Märchengeistern. Immer wieder am zweiten Weihnachtsfeiertag lädt die Musikakademie Rheinsberg zum Weihnachtsmärchen ins Schlosstheater ein. Auch in diesem Jahr ist der Saal voll. Kinder haben es sich auf dem Schoß ihrer Eltern gemütlich gemacht – da ist es kuscheliger und so verliert auch die böse Königin einen Teil ihres Schreckens. Denn die kann bitterböse schauen – trotz aller Schönheit. Die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz ist in Rheinsberg gern gesehen, viele Jahre schon verzaubert sie im Schlosstheater Jung und Alt mit zauberhaften Inszenierungen. Diesmal ist der Schneewittchen-Stoff dran.

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Alle Jahre wieder: am 26. Dezember lädt die Musikakademie Rheinsberg alljährlich Familien zum Weihnachtsmärchen ein. In diesem Jahr zeigte die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz ihre Version von „Schneewittchen“.

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Die Umsetzung geht jedoch weit über die Vorlage der Gebrüder Grimm hinaus. Choreograph und Regisseur Bernd Lanzke hat ein wenig in der Psychologiekiste gekramt – mit überraschenden Ergebnissen. Zum Beispiel der junge Kicker, der auch gern Trompete spielt. Nur leider nicht gut genug: seine Mutter überlässt ihn eher sich selbst, als seine Talente zu fördern. Sie hat nie Zeit – schon weil sie immer vor dem Spiegel steht, um sich zu vergewissern, dass sie die Schönste im Lande ist. Ihr Kind resigniert und haut von Zuhause ab. Seine Halbschwester Schneewittchen indes – so weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz – wächst zu einer Schönheit heran und vereitelt so die neue Heirat ihrer Stiefmutter, die ihr Auge auf einen Prinzen geworfen hat. Der aber seinerseits nur Augen für das Stiefkind hat. Man weiß, wie es weitergeht: die Holde wird zur Hinrichtung geschickt, erweicht des Jägers Herz und taumelt blindlings durch den Wald und über den verwaisten Fußball-Knaben – schauerlich untermalt von grollenden Klaviersonaten: Waldemar Wirsing hat in der Klassik gewildert und eine wunderbare Ballettmusik daraus gezaubert. Es ist herrlich, wenn die Zwerge zu Griegs „Marsch der Trolle“ auf der Bühne ihren drolligen Einmarsch zelebrieren: täppisch und artistisch zugleich, fröhlich und neugierig, bunt herausgeputzt und immer für ein paar Kapriolen zu haben. Doch halt – es sind derer nur sechs! Schnell hat der ungeliebte Junge seine wahre Bestimmung im Leben gefunden: er wird der siebte Zwerg und verliebt sich ein ganz klein bisschen in Schneewittchen, die im Haus der Zwerge ein fröhliches Regiment führt, wenn die Langschläfer früh nicht aus den Betten finden. Trotzdem trauern alle, als sie leblos vorgefunden wird – aufgrund des Gürtels der bösen Königin.

„Ja“, stößt ein Mädchen erleichtert aus, als die Zwerge endlich fündig werden. Beim vergifteten Apfel ist das nicht so leicht. Hier zeigt sich, dass der kleine Trompeter eine tragende Rolle im Stück hat. Beim Trauermarsch an Schneewittchens Sarg verpatzt er die Töne so, dass den Sargträgern der Schreck in die Knochen und darauf der Scheintoten der Apfel aus dem Mund fährt. Worauf der Hochzeit nichts mehr im Wege steht. Zwerg Nummer 7 bekommt zum Dank eine nagelneue Trompete. „Alles in Ordnung?“ fragt es aus dem Off. „Ja“, ruft er. „Ja“, ruft es auch aus dem heftig klatschenden Publikum. Ende gut, alles gut.

Galerie : Mehr Bilder: www.maz-online.de/rheinsberg-schneewittchen.

Von Regine Buddeke

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