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Schöner Bahn fahren mit neuen Triebwagen

Nordwest-Brandenburg Schöner Bahn fahren mit neuen Triebwagen

Bahnfahren im Nordwesten Brandenburgs wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember komfortabler. Erstmals kommen auf der Linie RE 6 - dem sogenannten Prignitz-Express - und der Linie RB 55 neu gestaltete Triebwagen zum Einsatz. Das erste Fahrzeug wurde am Mittwoch in Neuruppin vorgestellt. Die Feier begann allerdings verspätet – schuld war ein unpünktlicher Zug.

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Die neuen Züge von innen. Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Bahn kommt. Nur wann? Der mit Politikern und Pressevertretern besetzte Sonderzug von Berlin nach Neuruppin hatte am Mittwoch 24 Minuten Verspätung, als er den Bahnhof Rheinsberger Tor in der Fontanestadt erreichte. Das ist kein besonders guter Start für ein Infrastrukturprojekt im Volumen von rund 370 Millionen Euro. Doch vielleicht muss bei der Generalprobe etwas schiefgehen, damit es dann bei der Premiere klappt.

Die bisherigen Triebwagen (links) werden in den kommenden Monaten nach und nach durch die „Coradia Lint 41“-Baureihe (rechts) abgelöst

Die bisherigen Triebwagen (links) werden in den kommenden Monaten nach und nach durch die „Coradia Lint 41“-Baureihe (rechts) abgelöst.

Quelle: Peter Geisler

Ein wenig Zeit ist schließlich noch: Die ersten neuen Triebwagen vom Typ „Coradia Lint 41“ der französischen Firma Alstom werden erst Ende Dezember als „Prignitz-Express“ zwischen Wittenberge und Berlin eingesetzt werden. Bis Mai 2017 sollen dann alle 14 Doppeltriebwagen auf diesem Abschnitt zum Einsatz kommen. Bereits mit dem europaweiten Fahrplanwechsel am 11. Dezember wird die Baureihe auf der Linie RB 55 zwischen Kremmen und Hennigsdorf verkehren.

Mehr als zwei Millionen Kilometer pro Jahr

Betreiber beider Strecken ist die DB Regio Nordost, die das Ausschreibungsverfahren des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) 2014 für sich entschieden hatte. Der Vertrag zwischen den Ländern Brandenburg und Berlin beziehungsweise deren Verkehrsverbund auf der einen Seite und der Deutschen Bahn auf der anderen Seite ist auf zwölf Jahre angelegt. 2,24 Millionen Zugkilometer sollen jährlich abgespult werden.

Barrierefrei zugänglich sind die 14 Doppeltriebwagen

Barrierefrei zugänglich sind die 14 Doppeltriebwagen. Zudem verfügen sie über eine behindertengerechte Toilette an Bord.

Quelle: Peter Geisler

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des VBB, erläuterte, dass man „steigende Fahrgastzahlen auf den regionalen Expresslinien“ verzeichne. Dem werde im Nordwesten Brandenburgs nun durch das größere Sitzplatzangebot Rechnung getragen. 120 beziehungsweise 240 Sitzplätze halten die neuen Fahrzeuge bereit. Henckel lobte die modernen Züge für ihren barrierefreien Zugang, für mehr Platz und für große, digitale Informationstafeln. Zudem werde künftig jedes Fahrzeug mit einem Zugbegleiter besetzt sein. „Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Schritt, dass sich die Länder jetzt diesen Komfort leisten“, sagte Susanne Henckel.

Deutsche Bahn sieht Arbeitsplätze gesichert

Joachim Trittin, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, wirkte erleichtert. „Eine Ausschreibung ist ein sehr scharfes Schwert. Wir waren überhaupt nicht sicher, dass wir diese Ausschreibung gewinnen würden“, so Trittin. Er betonte, dass durch den Zuschlag an die DB Regio Nordost rund 130 Arbeitsplätze in der Region gesichert werden könnten.

Einfahrt des neuen Triebwagens in den Bahnhof Rheinsberger Tor am Mittwochmittag

Einfahrt des neuen Triebwagens in den Bahnhof Rheinsberger Tor am Mittwochmittag.

Quelle: Peter Geisler

Ralf Reinhardt, Landrat von Ostprignitz-Ruppin, hatte sich der Sonderfahrt gen Neuruppin angeschlossen und sich persönlich ein Bild von den in seinen Augen „modernen“ Fahrzeugen gemacht. Gebaut wird der „Leichte innovative Nahverkehrstriebwagen“ (Lint) seit 1999. Den Betreibern gab Landrat Reinhardt den Wunsch mit auf den Weg, dass die neuen Gefährte sich „hoffentlich wenig störanfällig zeigen werden“. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider wirkte ihrerseits erleichtert, dass die finanziellen Anforderungen für das Land Brandenburg schlussendlich doch erfüllbar gewesen waren. Die fortlaufende Diskussion um die Entwicklung der so genannten „Regionalisierungsmitteln“ habe den Prozess zwischen dem Ende der Ausschreibung und der Vertragsunterzeichnung ins Stocken gebracht. „Wir haben uns vor einiger Zeit noch ein bisschen Sorgen gemacht um diese Unterschriften“, sagte Schneider.

Ministerin: Gespräche über Direktverbindung nach Berlin laufen

Diese Sorgen aber waren am Ende verschwunden. Öffentlichkeitswirksam setzten Trittin, Schneider und Henckel ihre Signets unter den Verkehrsvertrag „Netz Nordwestbrandenburg“. Hierzu war einer der neuen Triebwagen extra in den Bahnhof Rheinsberger Tor eingefahren. So konnten sich auch interessierte Bürger ein Bild von den neuen Fahrzeugen machen. Im Neuruppiner Bahn-Betriebswerk stand der Lint 41 mit Unterbrechungen schon seit Juni herum.

Susanne Henckel, Kathrin Schneider und Joachim Tritten unterzeichneten am Mittwoch den Vertrag

Susanne Henckel, Kathrin Schneider und Joachim Tritten unterzeichneten am Mittwoch den Vertrag.

Quelle: Peter Geisler

Kathrin Schneider wünschte den Zügen „immer unfallfreie und pünktliche Fahrt“. Sie betonte am Rande, dass man sich weiter „in intensiven Gesprächen“ mit Bund, dem Land Berlin und der Bahn über die lange ersehnte Direktanbindung von Prignitz und Ruppiner Land nach Berlin-Gesundbrunnen befände. Der Wichtigkeit dieses Korridors sei man sich bewusst, aber es gebe da noch nichts Neues.

Von Mischa Karth

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