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Schrepkower beklagen immer höhere Windräder

Unmut in den Dörfern Schrepkower beklagen immer höhere Windräder

Egal, wie sehr die Menschen auch gegen Windparks vor ihrer Haustüre sind, sie können zumeist nichts dagegen ausrichten. In Schrepkow ist man der Meinung, sich dennoch wenigstens Gehör zu verschaffen, wenngleich die Wirkung absehbar ausbleibt. So beteiligten sich viele nun auch am Protest im Nachbardorf Kletzke.

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Wohin man von Schrepkow aus auch blickt: In allen Himmelsrichtungen türmen sich Windparks. Einige Anlagen könnten wachsen.

Quelle: Matthias Anke

Schrepkow. Bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Gumtow war die Rede davon, einen längst beschlossenen Kriterienkatalog für den Umgang mit Anträgen von Windparkinvestoren aufzuheben, anstatt ihn noch zu erweitern. Es hieß, Betroffene könnten den Eindruck erlangen, dass die Gemeinde irgendeinen Einfluss auf Windkraftvorhaben hat. Doch dem sei nicht so: Einerseits müssten bestimmte Punkte ohnehin immer wieder mit Investoren erörtert werden, andererseits könnte die Genehmigungsbehörde das sogenannte gemeindliche Einvernehmen am Ende bekanntermaßen stets ersetzen.

Schrepkower haben kaum Chancen, in Kommunalpolitik mitzumischen

Zu jenen, für die allerdings selbst noch so wirkungslose Versuche ein Signal sind, sich wenigstens irgendwie zur Wehr gesetzt zu haben, gehören viele Schrepkower, besonders die Neu Schrepkower. „Noch höhere Anlagen, wie sie rundherum geplant sind, sind einfach nicht mehr zumutbar“, sagt Raik Genenz. Der 42-jährige Kriminalpolizist ist seit 2014 Ortsvorsteher mit Rederecht in der Gemeindevertretung. Ein Stimmrecht hat er nicht – wie auch kein anderer Schrepkower. „Ich dachte anfangs, man könne trotzdem mehr bewerkstelligen.“ Nun verlasse ihn allmählich der Mut. Mühselige Bitten nach Grünpflege seien nur ein Beispiel. Die Hoffnung verlasse ihn dennoch nicht: „Ich werde alles versuchen, um den Willen der Schrepkower zu vertreten.“ Er und die beiden weiteren Ortsbeiratsmitglieder Uwe Zimmermann und Liane Meißner seien schließlich ihr einziges Sprachrohr. Etwa 86 Einwohner hat das Dorf, in Neu Schrepkow sind es 34.

Windkraftdebatten haben Zusammenhalt im Dorf beeinträchtigt

Nicht alle seien partout gegen Windkraft. Es gebe eben auch Profiteure wie die Landeigentümer und Verpächter und Einnahmen, mit denen das eine oder andere gesponsort wird. „Das Thema Windkraft hat den Zusammenhalt im Dorf bereits gestört“, sagt Genenz.

Und es gehe weiter: Nördlich der B 5 bei Groß Welle stehen 19 über 150 Meter hohe Türme. Im Windpark Schrepkow selbst sind es 23 kleine mit bis zu 100 Metern Höhe. Jetzt sind jedoch Anlagen geplant, die weit darüber hinausgehen (MAZ berichtete). Unerträglich sei das laut Genenz vor allem, weil im Entwurf des Regionalplanes Prignitz-Oberhavel, Teilplan „Freiraum und Windenergie“, dieses Gebiet für Windkraft entfällt. Wird der Plan beschlossen, könnte dort nicht mehr gebaut werden. Bis dahin aber werde offensichtlich alles versucht, kleine Anlagen durch größere mit Befeuerung zu ersetzen. „Irgendwann haben wir nur noch rote statt weiße Sterne am Nachthimmel“, sagt Raik Genenz.

Infraschall und eine zerstörte Landschaft

Weiterer wichtiger Aspekt seien negative Auswirkungen auf Immobilienpreise. Es gehe ohnehin alles zu Lasten der Bevölkerung: Während eine Minderheit Geld verdiene, sei es die Mehrheit der umliegenden Dorfbewohner, die die Windparks sehen und hören, Belastungen wie dem Infraschall beispielsweise ausgesetzt sind. Und wenn bei zu viel Wind eine Anlage bremst, sei das so laut, als würde ein Flugzeug landen.

Von Schrepkow aus erstrecken sich Windparks in allen Richtungen: zwischen Kunow und Groß Welle, zwischen Schönhagen, Vehlin und Görike sowie in Schrepkow selbst und bis hinüber nach Kletzke in der Gemeinde Plattenburg. Dort kämpft derzeit eine Bürgerinitiative gegen einen Windpark. Es geht um gesundheitsgefährdenden Infraschall, die weitere Zerstörung der Natur und Landschaft vor der Haustür, und dass viele Menschen sich unwichtiger behandelt sehen als etwa Störche.

Kletzker, aber auch viele Schrepkower haben nun mit Hilfe der BI kürzlich fast 250 Einwände zum Vorentwurf eines Bebauungsplanes erhoben, wonach fünf je 200 Meter hohe Anlagen entstehen würden. Die BI-Sprecherin Susan Eppenstein-Kiack sagt, dass die Bürger Antworten auf ihre Stellungnahmen erhalten: „Dann wird sich zeigen, wie viel Respekt dem Bürgerwillen entgegengebracht wird.“

Von Matthias Anke

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