Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Schüler machen Druck

Projekt im Neuruppiner Museum Schüler machen Druck

Schüler der Evangelischen Schule haben als erste die neue Lithografiewerkstatt im Museum Neuruppin getestet. In ihrer Projektwoche lernten sie alte Drucktechniken kennen, auch den Steindruck, mit dem früher die Bilderbogen hergestellt wurden. Bei dem Projekt ging es vor allem ums Heimatgefühl.

Voriger Artikel
Besseres Schulessen lockt nur wenige
Nächster Artikel
Neuruppin und Schmerynka im Kulturaustausch

Die Arbeit an der Druckerpresse braucht eine Menge Kraft. Quelle: Geisler

Neuruppin. Lars hat ganz schön zu pusten, als er die Kurbel an der großen Presse dreht. Dem Sechstklässler fällt das nicht leicht. Judith Pauly hat aber Vertrauen, dass er das schafft. Die pädagogische Mitarbeiterin des Neuruppiner Museums passt nur auf, dass er nicht zu weit dreht. Der dicke Lithografiestein, der in der Presse steckt, ist empfindlich. Der Stein soll schließlich nicht kaputtgehen – er soll nur das Muster, das die Schüler vorher mit Ölkreide auf die Oberfläche gemalt haben, auf den mit eingespannten Bogen Büttenpapier übertragen.

Die Fünft- und Sechstklässler der Evangelischen Schule waren am Donnerstag die Ersten, die die eigens für Schulprojekte eingerichtete Lithografiewerkstatt im Neuruppiner Museum benutzen durften. In ihrer Projektwoche hatten sich die Schüler mit verschiedenen Drucktechniken beschäftigt. Der Grafiker Ralf Hentrich hatte mit ihnen in der Schule Linolschnitte angefertigt. Wie Holzschnitte gehören die zum sogenannten Hochdruckverfahren. In seiner Werkstatt in Altglobsow bei Rheinsberg hat Hentrich den Kindern dann den Tiefdruck demonstriert – mit Radierungen, die er selbst angefertigt hat. Im Museum ging es am Donnerstag um den sogenannten Flachdruck, konkret um die Lithografie – den Steindruck.

Der heißt so, weil dafür eine präparierte Platte aus besonders feinem Kalkschieferstein benutzt wird. Verwendet wird dafür in Deutschland ein Material aus einem Steinbruch im bayerischen Solnhofen. Die Kalksteinplatten werden mit Sand und Wasser penibel plan geschliffen. Dann wird mit einem wasserabweisenden Material – Fettkreide oder spezielle Tusche – das Motiv seitenverkehrt auf den Stein aufgezeichnet. Der Stein wird mit Gummi arabicum und Wasser behandelt, damit er die Druckfarbe nur dort aufnimmt, wo zuvor das Motiv gemalt wurde.

Oscar und Johanna sind gespannt, was am Ende herauskommt

Oscar und Johanna sind gespannt, was am Ende herauskommt.

Quelle: Peter Geisler

Früher war die Lithografie das einzige Druckverfahren für große Auflagen. Die Neuruppiner Bilderbögen wurden so hergestellt.

„Bis in die 20-er, 30-er Jahre war Lithografie weit verbreitet“, sagt Ralf Hentrich. Dann kam der Offsetdruck auf, der heute die meisten anderen Verfahren verdrängt hat. Lithografien sind inzwischen fast nur noch etwas für Künstler „Heute wissen nur noch wenige, wie das eigentlich geht“, sagt Judith Pauly. Früher dauerte die Ausbildung eines Lithografen fünf Jahre. Diese Ausbildung gibt es so längst nicht mehr. Es gibt auch kaum noch jemanden, der die Technik derart vermitteln könnte. Judith Pauly tastet sich selbst gerade wieder an das komplizierte Verfahren heran.

Die Werkstatt im Museum stammt aus Hamburg. Mit den Maschinen hat das Museum von dort die Lithografiesteine bekommen, mit denen die Jugendlichen arbeiten. Steine sind teuer; alte Motive werden deshalb immer wieder abgeschliffen, um neue drucken zu können. „Aber natürlich schleifen wir keine Bilderbogenmotive ab“, sagt Museumsmitarbeiterin Dorothea Leicht.

Die Motive für ihre Drucke hatten sich die Kinder selbst ausgesucht. Kunstlehrerin Christine Böthig hat nur das Thema festgelegt: Heimat und Landschaft. Sie wollte damit Identifikation stiften. „Die Kinder sollten selbst sehen, in welcher schönen Gegend sie leben“, sagt Christine Böthig. In der Hoffnung, dass sie später als Erwachsene zurück in die Heimat kommen, wenn sie nach der Schule zuerst einmal wegziehen müssen.

Von Reyk Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg