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Ostprignitz-Ruppin Schüler machen Oper
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schüler machen Oper
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17:16 20.10.2017
Gelungene Premiere: 19 Gymnasiasten haben eine Oper geschrieben und aufgeführt: ausdrucksstarke Bilder, dynamische Gruppenszenen, wunderbare Chöre und bewegende Momente. Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

Von wegen Jugendliche daddeln nur auf dem Handy herum. Wenn man erlebt, was 19 Elftklässler des Neuruppiner Schinkel-Gymnasiums in einem halben Jahr auf die Beine gestellt haben, kann man nur staunen. In Zusammenarbeit mit der Rheinsberger Musikakademie haben die Jungen und Mädchen eine ganze Oper geschrieben: das Libretto, die Grundzüge der Musik. Sie haben das Ganze einstudiert und auf die Bretter gebracht.

In der Mythologie ist Narziss der schöne Sohn der Nymphe Leirope und des Flussgottes Kephissos, der die Liebe anderer herzlos zurückweist. Die Bergnymphe Echo, mit einem Fluch belegt, so dass sie nur zu ihr gesprochene Worte wiederholen kann, umwirbt Narziss. Hat ihr Werben Erfolg? Schülerinnen und Schüler vom Schinkelgymnasium Neuruppin brachten das Stück im Schlosstheater Rheinsberg auf die Bühne.

Die Premiere am Donnerstagabend im Rheinsberger Schlosstheater war ein Erfolg. 120 Gäste waren dabei: Eltern und Freunde, Lehrer und Projektbegleiter. Denn die Jugendlichen hatten natürlich ein Profi-Team um sich, das sie bei der Arbeit unterstützte: allen voran Regisseur Arturo Gama, die Librettistin Erika Otto, Korrepetitor Seongyun Kim, Musiklehrerin Ulrike Schubach und Aurélien Bello als musikalischer Leiter und Komponist. Er hat die Ideen der Schüler zu Musik gemacht, so wie auch Erika Otto beim Libretto auf die Sprache der jungen Protagonisten eingegangen ist. Der Stoff ist uralt und dennoch immer aktuell – „Narziss und Echo“ heißt die Oper, der Stoff ist antike Mythologie, ein Stoff von Ovid. Die Jugendlichen haben ihn sich ins Hier und Jetzt geholt. Es geht um Fragen wie: Wer bin ich? Wo stehe ich? Um Liebe und Eigenliebe, die eigene Position in der Gruppe. Und um Eitelkeit – war doch Narziss von seinem Spiegelbild so betört, dass er über dessen Anbetung an unerwiderter Liebe starb. Wie auch die Nymphe Echo: Sie zerbrach, weil Narziss ihre Liebe verschmähte. Zwei tragische Figuren: Narziss, der sein Ich spiegelt, Echo, die aufgrund eines Fluchs ihre Sprache spiegelt – sie kann nur das wiederholen, was andere sagen. Die Jugendlichen haben das Ganze indes etwas umgekrempelt.

Ein halbes Jahr haben die Schüler intensiv am Stück gearbeitet

„Wir haben uns kurzfristig eine Schule suchen müssen, die Lust hatte, mit uns Operngeschichte zu schreiben“, erklärt Dirigent Aurélien Bello vorab. Die Oper sei der erste Teil eines vierjährigen Projekts der Musikakademie, das vom Bund gefördert wird. Ein Projekt, um junge Menschen für Oper zu begeistern. „Wir haben 19 Schüler, die offen waren für neue Formen der Musik“, so Bello, der die jungen Akteure und sein ebenfalls junges Projektorchester aus zwölf Studierenden souverän durch den Abend schifft. Die Musik ist modern, mit Anklängen im Jazz und Chorpartien, die Ohrwurm-Potenzial haben.

Die Akteure haben das Projekt im regulären Musikunterricht geprobt

Narziss ist genervt-verzweifelt. Nicht einmal mit glänzenden Gabeln darf er essen – zu groß die Angst der Eltern, er könne hineinsehen. Der Fluch besagt: Narziss darf niemals sein Spiegelbild erblicken. Narziss’ Freunde sind ebenfalls genervt: Nie hat er Zeit für sie. Doch dann kreuzt Narziss doch auf der Party auf – als einziger, der nicht im Spiegel sein Erscheinungsbild checkt. Alle anderen tun das mal selbstbewusst, mal scheu. Schon in dieser Szene offenbart sich das große schauspielerische Potenzial aller Akteure. Arturo Gama hat einiges abverlangt und die Schüler präsentieren mit viel Liebe zum Detail ihre Charaktere. Sebastian Lindmair ist ein Narziss zwischen Auflehnung und Angst, zwischen Zweifel und Zorn über den Fluch, der ihn zum Außenseiter macht, auch wenn ihn alle Mädchen umschwärmen. Anna Nguyen gibt die abgewiesene Echo, die ob der Zurückweisung von Narziss quasi die Sprache verliert, mit so viel Feingefühl und Sinn für Dramaturgie, dass es manchmal beinahe schmerzt. Bei ihrer Soloszene auf der Bank ist es totenstill im Saal. Und auch Joseph Schüler und Bastian Soost als Narziss’ Kumpels bringen viel Kraft auf die Bühne. Insgesamt ist zu beobachten, dass die Gruppenszenen von bebender Dynamik sind – für ein Schüler­ensemble eine mehr als beachtliche Leistung. Viele der Jugendlichen sind Mitglieder im Märkischen Jugendchor, insofern geraten die Chorstücke zur puren Wonne. Und auch die Soli und Duette gehen geschmeidig ins Ohr – wenn man bedenkt, dass keiner der Sänger eine Opernausbildung absolviert hat.

Zwei intensive Probenphasen waren ebenfalls nötig

Auch Kostüme und Bühnenbild überzeugen bis ins Detail: Mal bunt, mal in sorgsam choreographierter schwarzer Gruppendynamik agieren die Schüler vor einem Bühnenbild aus verschiebbaren Prismen-Elementen, die nach Lust und Laune und unter Einsatz von Lichteffekten in immer neue Schauplätze verwandelt werden. Ein Lob für Robert Pflanz’ Bühnen-Installation.

„Ich bin absolut begeistert. Meine Freunde waren alle so toll“, schwärmt Julia Vietze am Ende. „Mit dem Schluss habe ich nicht gerechnet.“ „Ich bin begeistert von der Energie und der Leistung der Jugendlichen“, lobt Projektinitiatorin Brigitte Kruse. „Wenn man sieht, wie es angefangen hat – und jetzt diese eigene Ästhetik auf der Bühne. Man merkt, wenn man junge Leute wirklich ernst nimmt, zu was sie in der Lage sind.“

„Als ich das erste Mal vor allen stand, habe ich sofort die Lust und die Neugier gespürt. Und eine unglaubliche Bereitschaft“, sagt Regisseur Arturo Gama. „Und nach der ersten Probe wusste ich: Die können das.“

Das Projekt wurde von der Musikakademie Rheinsberg initiiert

„Zuerst dachte ich: ’ne kleine Schulaufführung“, sagt Darsteller Jonas El-Sirwy. „Später dachte ich, das wächst uns über den Kopf. Aber die Führungsspitze vermittelte den Eindruck nicht.“ Die Bühne habe es dann alles noch auf eine komplett andere Ebene gehoben. „Ich bin beeindruckt, zu welchen Leistungen Schüler fähig sind“, lobt Zuhörerin Margrit Jacobsen.

„Die Qualität des Ensembles ist beachtlich – es hat einen richtig aufgesogen“, sagt Diana Anne Stüber, Mutter des Narziss. „Am meisten habe ich mich über das Happy End gefreut.“

Von Regine Buddeke

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