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Schüsse auf 4 Muttertiere – Geldstrafe für Jäger

Amtsgericht Neuruppin Schüsse auf 4 Muttertiere – Geldstrafe für Jäger

Weil er vier weibliche Wildschweine erschossen hat, die noch Frischlinge zu säugen hatten, hat das Amtsgericht Neuruppin einen Jäger zu einer Geldstrafe von 8400 Euro verurteilt. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Er vermutet, dass etwas anderes hinter der Sache steckt.

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Der Neuruppiner Jäger soll 17 Frischlinge ihrem Schicksal überlassen haben.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Wegen mehreren Verstößen gegen das Bundesjagdgesetz hat das Amtsgericht Neuruppin am Donnerstag einen 58-jährigen Jäger zu einer Geldstrafe von insgesamt 8400 Euro verurteilt. Demnach hat Detlef B. bei einer sogenannten Erntejagd im Juli 2014 zwischen Kränzlin und Storbeck gleich vier weibliche Wildschweine erschossen, die noch ihre Frischlinge zu säugen hatten. 17 Jungtiere wurden damit ihrem Schicksal überlassen. Sie sind vermutlich qualvoll verhungert.

„Wer sich für die Jagd entscheidet, der tötet Tiere“, sagte Richterin Anke Neumann. „Die Qualen für die Tiere sollten aber so gering wie möglich gehalten werden.“ Gegen diesen Grundsatz hat Detlef B. nicht allein aus Sicht des Gerichts verstoßen. Viele Jäger aus der Region sind ebenfalls überzeugt, dass sich der Neuruppiner schon öfter nicht an die Vorschriften gehalten hat. Mehr als 30 Jäger waren am Donnerstag zur Verhandlung gekommen – weshalb der Prozess kurzerhand in einen größeren Saal verlegt wurde.

Schon öfter gegen Vorschriften verstoßen

Allein der Leiter der Oberförsterei Alt Ruppin, Jörg Herpel, berichtete von drei Fällen, bei denen Detlef B. die Vorschriften missachtet habe. Einmal soll er bei einer Jagd auf Rotwild im Stadtwald von Neuruppin zwei Alttiere erlegt haben. Dabei seien zuvor alle Jäger darauf hingewiesen worden, dass ein Alttier nur geschossen werden darf, wenn zuvor das Kalb erlegt wurde – damit dieses nicht jämmerlich verhungern muss. Bei einer anderen Jagd hat B. einen stattlichen Rothirsch, einen sogenannten Zwölfender geschossen. Dabei waren lediglich Rothirsche mit maximal neun Geweih-Enden für Jagd freigegeben. Gleichwohl habe B. „nur ein geringes Unrechtsbewusstsein gezeigt“, als er ihn auf seinen Fehler angesprochen habe, so Herpel. Deshalb wurde B. von der Forst danach zu keinen weiteren Jagden mehr eingeladen. „Wir legen keinen Wert auf Jäger, die sich nicht an die Regeln halten“, sagte Herpel.

Angeklagter spricht von einem Komplott gegen ihn

B. ist seit 1989 Jäger und hat nach eigener Aussage bisher knapp 300 Wildschweine erlegt. Er nutzt ein halbautomatisches Jagdgewehr. Diese sind bei vielen Jägern verpönt. Grund: Mit der halbautomatischen Waffe lassen sich in kürzester Zeit drei und mehr Schüsse abgeben, während bei der sonst üblichen Repetierbüchse jeder Schuss geladen wird. B. beschuldigte am Donnerstag Herpel, ein „umstrittener Vertreter seiner Zunft“ zu sein, der keine Freunde unter den Jägern habe. Bei den Vorwürfen handele es sich vielmehr um ein Komplott gegen ihn. B. will bei der Erntejagd im Sommer 2014 keine Frischlinge in dem Rapsfeld gesehen und auch kein noch säugendes Muttertier getötet haben. Wenn schon das erste Schwein, das er geschossen habe, ein säugendes Muttertier gewesen wäre, „dann wäre für mich die Jagd an diesem Tag vorbei gewesen“, sagte B.

Verteidigung kündigt Berufung an

Diese Aussage hielt das Gericht für wenig glaubwürdig. „Wir haben drei Zeugen gehört, dass die getöteten Bachen noch zu säugende Frischlinge hatten“, sagte Richterin Neumann. Sie konnte auch kein Komplott zu Lasten des Angeklagten erkennen.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil nur knapp unter der Forderung der Anklage. Diese hatte eine Geldstrafe von 9100 Euro gefordert, Verteidiger Uwe Furmanek einen Freispruch. Er kündigte am Donnerstag noch im Gerichtssaal Berufung gegen das Urteil an.

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Von Andreas Vogel

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