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Schulsport wie die Fußballprofis

Gildenhall Schulsport wie die Fußballprofis

Beim „Kindersprint“ laufen Grundschüler mit Begeisterung um die Wette, gegen die anderen und gegen sich selbst. Der computergesteuerte Parcours fordert gleich mehrere Fähigkeiten. Den Schülern macht das riesigen Spaß. Selbst denen, die sonst nicht so sportlich sind.

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Der Parcours mit Slalomlauf fordert Kraft und Koordination.

Quelle: Reyk Grunow

Gildenhall. „Katie! Katie! Katie!!“ Die Jungs und Mädchen der 4. Klasse der Gildenhaller Grundschule feuern das Mädchen an, so laut sie können. Die Neunjährige wetzt die gut acht Meter über das Parkett bis zum letzten orangenen Kegel, wendet und schlängelt sich im Slalom zwischen den Hütchen hindurch zurück ins Ziel. Etwa 16 Meter sind das insgesamt. Lichtschranken registrieren den Start, den Wendepunkt und den Zieleinlauf auf die Hundertstelsekunde genau.

Alle 27 Kinder der 4. Klasse müssen sich an diesem Mittwochvormittag durch den computerüberwachten Parcours in der Gildenhaller Turnhalle schlängeln. Wobei „müssen“ eigentlich das falsche Wort ist. „Da wollen einfach alle mitmachen“, sagt Schulleiter Manfred Engel. „Es wäre eine Strafe, jemanden auszuschließen.“

Per Lichtschranke misste ein Computer die Zeiten der Kinder in der Gildenhaller Turnhalle auf die Hundertstelsekunde genau

Per Lichtschranke misste ein Computer die Zeiten der Kinder in der Gildenhaller Turnhalle auf die Hundertstelsekunde genau.

Quelle: Reyk Grunow

Der Wettbewerb erinnert mit automatischer Messung und exakten Vorgaben ein bisschen an den Profisport. „Tatsächlich kommt er auch von dort“, sagt Betreuer Frank Richter. Bei Fußballprofis gehören solche Sprintwettkämpfe inzwischen zum regelmäßigen Training.

Der Sprint für Kinder soll vor allem neugierig machen auf Sport. Der Parcours fordert die Mädchen und Jungs auf mehrfache Weise. Sie müssen auf einer computergesteuerten Anzeige erkennen, wann ihr Startsignal kommt und dann blitzschnell entscheiden, in welche Richtung sie laufen müssen. Sie müssen schnell sein und sie müssen sich auf den Bewegungsablauf konzentrieren. Für viele Kinder eine enorme Herausforderung. Die Mädchen und Jungs bekommen nach jedem Lauf einen Computerausdruck mit ihren Zeiten. Dreimal durchläuft jeder den Parcours, drei Zettel gibt es. jeder kann sofort sehen, wie er sich geschlagen hat und ob und wie er sich von Runde zu Runde verbessert hat.

Frank Richter hat die Viertklässler mit seiner Mischung aus Strenge und Humor fest im Griff. Früher wollte er Sportlehrer werden, sagt er. Dann hat er sich aber doch für die Sozialpädagogik entschieden. Die Schüler haben in seiner Sportstunde einen Heidenspaß. Immer wieder halten sie sich gegenseitig die Zettel unter die Nase, um ihre Zeiten zu vergleichen.

Die Mädchen und Jungs bekommen nach jedem Lauf einen Zettel mit ihren Zeiten ausgedrucktl Alle wollen sehen, was die anderen geschafft haben

Die Mädchen und Jungs bekommen nach jedem Lauf einen Zettel mit ihren Zeiten ausgedruckt.l Alle wollen sehen, was die anderen geschafft haben.

Quelle: Reyk Grunow

Hunderte Schulen vor allem in Ostdeutschland starten beim Kindersprint. Die Organisatoren aus Leipzig suchen sich jeweils Partnerfirmen vor Ort und fragen in den Schulen an, wer mitmachen will. Gildenhall ist zum fünften Mal dabei. Zuerst gibt es Klassenwettkämpfe an den Schulen, dann ein großes Finale für alle. Dabei kann jeder starten, egal, wie gut oder schlecht er in der Vorrunde war. Das Neuruppiner Finale findet am Sonnabend, 15. Oktober, ab 10 Uhr im Autohaus Jürgens in Bechlin statt. Dort starten auch die Nachwuchssprinter der Neuruppiner Rosa-Luxemburg- und der Karl-Liebknecht-Schule, aus den Grundschulen Alt Ruppin, Fehrbellin, Wildberg und aus der Löwenzahnschule in Breddin. Die Preise stiften Sponsoren, Bürgermeister Jens-Peter Gilde ist Schirmherr. Er war in Gildenhall vom Einsatz der Kinder beeindruckt.

Der Kindersprint soll die Mädchen näher an den Sport bringen. „Manche sind schon in einem Verein“, sagt Frank Richter. Viele Kinder aber nicht. Der Kindersprint ist für viele die erste Gelegenheit, sich in einem öffentlichen Wettbewerb zu messen. Dabei geht es nicht nur darum, besser zu sein als die anderen. Weil der Wettkampf aus mehreren Runden besteht, misst sich automatisch auch jeder mit sich selbst. Richter ist selbst immer wieder überrascht: Selbst für Kinder, die nicht zu den sportlichsten zählen, ist das ein riesiger Ansporn.

Von Reyk Grunow

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