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Ostprignitz-Ruppin Schulstandort an der Dosse bröckelt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schulstandort an der Dosse bröckelt
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00:22 11.11.2017
An der Neustädter Prinz-von-Homburg-Schule werden bis zu 750 Schüler unterrichtet. Die Bedingungen sind längst nicht mehr ideal. Quelle: André Reichel
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Neustadt

Die Neustädter Prinz-von-Homburg-Schule ist mit rund 750 Schülern der 1. bis 13. Klassen eine der größten Einrichtungen ihrer Art in der Region. Vor allem hat sie sich mit dem „Reiten in der Schule“ einen Namen gemacht.

Baulich jedoch besteht die Schule zu einem großen Teil aus Kompromissen. Einige davon – vor allem die bei Brandschutz und Fluchtwegen – gelten inzwischen als kaum noch tragbar.

Das Baukonzept ist überholt

Den größten Teil seiner Defizite bekamt das Haus schon bei seinem Bau zu DDR-Zeiten mit auf den Weg. Auf den einzelnen Etagen gibt es keine durchgehenden Flure, was lange Umwege mit sich bringt. Sanitäranlagen finden sich nur im Erdgeschoss. Weitgehend ungenutzte Innenhöfe vergrößern unnötig die Fassadenfläche und damit den Energieverbrauch. Es fehlt an Raum für größere Veranstaltungen. Insgesamt ist das Platzangebot angesichts der Schülerzahl zu knapp. Der Schulhof wird zu einem großen Teil als Buswendeschleife genutzt. Parkplätze für Autos fehlen.

Daran haben auch die zum Teil erheblichen Investitionen der vergangenen Jahrzehnte nichts Grundsätzliches geändert. Hinzu kommt mittlerweile allgemeiner Sanierungsbedarf bei Sanitäranlagen, Wärmeschutz, Fassaden, Ausstattung.

Träger der Schule ist das Amt Neustadt. Es beauftragte im vergangenen Jahr das Kyritzer Architekturbüro „s quadrat m“ mit der Suche nach Lösungen. Ergebnis war ein umfassendes Konzept zur Umgestaltung des Areals.

10 Millionen als Minimum

Bei einem Treffen der Bürgermeister des Amtes am Dienstag stellte das Büro das zwischenzeitlich aktualisierte Konzept vor. Wichtigste Punkte sind die Nutzung der Innenhöfe für zusätzliche Unterrichtsräume und eine Aula, für Treppen, Flure und einen überdachten Pausenraum. Alle Etagen sollen Sanitäranlagen bekommen, Verwaltungs- und Fachräume sollen sinnvoller angeordnet, mehr Kapazitäten für Grundschule und Hort entstehen. Die Verkehrssituation würde grundsätzlich neu geordnet. Insgesamt käme der Schulstandort auf die Höhe der Zeit.

Wäre da nicht das Geld. Planer Steffen Michaelis schätzt die Kosten des Vorhabens auf knapp 10 Millionen Euro – Minimum. „Wir rechnen mit 800 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche. Das ist ein wirklich sportlicher Wert.“

Das findet auch Breddins Bürgermeister Reinhard Neumann: „Das ist ja gerade der Fehler. Es bedeutet, dass wir am Ende mindestens 30 Prozent teurer werden. Das ist Augenwischerei.“

Selbst, wenn es bei den 10 Millionen bliebe, sehen sich viele Gemeinden des Amtes überfordert. Zwar sind Fördermittel in Aussicht, doch den aktuellen Kalkulationen zufolge müsste das Amt trotzdem einen Kredit von rund 2 Millionen Euro aufnehmen. Über die Amtsumlage hätten die Kommunen den dann abzustottern – jahrzehntelang.

Kommunen sehen sich überfordert

„Die Schule hat Sanierungsbedarf – keine Frage. Das heißt aber für die Gemeinden langfristig eine Amtsumlage, die sie nicht mehr leisten können“, fasste die Bürgermeisterin von Zernitz-Lohm Sigrid Schumacher zusammen. Ihre Amtskollegen sehen das mehrheitlich ähnlich. Reinhard Neumann verwies auf ein deutlich ablehnendes Votum seiner Gemeindevertreter.

Nur Karl Tedsen aus Neustadt warb nachdrücklich für das Vorhaben – selbst wenn ein Haushaltsdefizit die Folge wäre: „Für eine Schule, die sich auch wirklich Schule nennen darf, mach ich das gerne.“ Die Sanierung sei unabdingbar: „Seit Jahrzehnten investiert das Amt in die Schule und jetzt müssen wir feststellen, dass wir trotz allem kein funktionierendes Schulgebäude haben.“ Der Schulstandort stehe auf dem Spiel. „Wir haben ein Internat gebaut für über drei Millionen. All das stellen wir zur Disposition.“

Trotzdem: Den von der Amtsverwaltung vorgeschlagenen Grundsatzbeschluss zur Modernisierung des Schulzentrums mochten die anderen Bürgermeister am Dienstag nicht empfehlen. Sie wollen sich zuvor zumindest mit ihren Gemeindevertretungen abstimmen. Außerdem fordern sie genauere Kostenprognosen. In die dazu notwendigen Planungsleistungen soll das Amt rund 100 000 Euro Haushaltsmittel investieren. Ob die Aussichten für die Schulsanierung damit steigen, ist ungewiss.

Von Alexander Beckmann

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