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Schweigen im Todesmarsch-Wald

Belower Wald Schweigen im Todesmarsch-Wald

Jahr für Jahr rücken Schüler aus Pritzwalk und Wittstock die Gedenkstätte Belower Wald in das öffentliche Bewusstsein. Im Rahmen einer Radtour erinnern sie an den rechtsextremistischen Überfall 2002 und den Todesmarsch im April 1945. Von Routine kann dabei jedoch keine Rede sein.

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Carmen Lange (l.) stimmte die Schüler mit ihren Schilderungen auf die Ereignisse im April 1945 ein.

Quelle: Christamaria Ruch

Below. Von Routine kann keine Rede sein. Denn wer die Gedenkstätte Belower Wald besucht, erlebt jedes Mal „ergreifende Momente, auch nach Jahren“, sagt Jürgen Jonker. Der Lehrer am Oberstufenzentrum in Pritzwalk ist Vorsitzender des Präventionsrates in Pritzwalk und organisiert mit weiteren Akteuren die alljährliche Gedenktour Belower Wald.

Zum 13. Mal stiegen am Freitag Schüler aus Pritzwalk und Wittstock auf ihre Fahrräder und begaben sich in einer Tagestour auf Geschichtsreise. Mitglieder des Präventionsrates gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Gewalt erinnern dabei innerhalb einer Radfahrt an den rechtsextremistischen Überfall vom September 2002 sowie an den Todesmarsch im Frühjahr 1945 und die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Die Gedenktour ist immer mit einer Radfahrt zum Belower Wald verbunden

Die Gedenktour ist immer mit einer Radfahrt zum Belower Wald verbunden.

Quelle: Christamaria Ruch

Allerdings konnte Henry Schwarzbaum als Zeitzeuge des Todesmarsches nicht in den Belower Wald kommen. „Er ist zwar 96 Jahre alt, aber er ist immer noch sehr beschäftigt und hat deshalb abgesagt“, sagte Jürgen Jonker. Somit standen eine Besichtigung und Führung durch die Gedenkstätte am Freitag im Vordergrund.

Neben 40 Schülern vom Gymnasium, Oberschule und Oberstufenzentrum in Pritzwalk kamen auch 22 Gymnasiasten der 9. Klasse aus Wittstock. „Die Teilnahme ist freiwillig und geht nach Interesse“, so Lehrer Holger Schröder. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sigrun Stahmleder war er am Vormittag auf dem Wittstocker Marktplatz gestartet. „Bei der Verabschiedung fand Bürgermeister Jörg Gehrmann die treffenden Worte“, so Schröder. Denn: „Auch heute ist der Appell nach Frieden wichtig und beim Besuch der Gedenkstätte soll jeder Demut zeigen.“

Bei der 27 Kilometer langen Tour legte die Pritzwalker Gruppe auch am Todesmarsch-Gedenkstein in Tetschendorf eine Pause ein. „Dort haben wir den Schülern eine historische Einführung gegeben“, sagte Geschichtslehrer Stefan Bandilla vom Gymnasium.

Die Pritzwalker Gymnasiasten Paula Graef (l) und Julia Gornig sind an der Geschichte interessiert

Die Pritzwalker Gymnasiasten Paula Graef (l.) und Julia Gornig sind an der Geschichte interessiert.

Quelle: Christamaria Ruch

Für die beiden Zehntklässler Julia Gornig und Paula Graef vom Pritzwalker Gymnasium gehört dieser Teil der Geschichte seit dem vergangenen Jahr zu den prägenden Erfahrungen. „Wir haben uns in der 9. Klasse mit dem Konzentrationslager Ravensbrück im Rahmen des Unterrichts beschäftigt“, sagten beide. „Dieses Leid und diese Grausamkeiten im Krieg sind für uns nicht vorstellbar“, so Paula. „Auch heute gibt es in anderen Ländern solche Grausamkeiten, wir sind froh, dass das in Deutschland nicht so ist“, sagte Julia.

Kerstin Zillmann übersetzte die Nachrichten an den Bäumen

Kerstin Zillmann übersetzte die Nachrichten an den Bäumen.

Quelle: Christamaria Ruch

Gedenkstättenleiterin Carmen Lange schilderte den Schülern im Zeitraffer die Fakten vom April 1945. Übrig geblieben sind 4000 Fundstücke aus dieser Zeit. „Im Wald werden die Schüler meist ganz still“, sagte Mitarbeiterin Kerstin Zillmann. Denn dort sprechen die Bäume eine besondere Sprache. Schnitzereien oder Einschnürungen von Draht sind auf 50 Bäumen verewigt. Die roten Dreiecke weisen auf sie hin. Sie sind Spuren und Fundstücke aus der Zeit des Todesmarsches.

„Hier haben die Häftlinge Nachrichten an den Bäumen hinterlassen“, stimmte Kerstin Zillmann auf den Waldrundgang ein. Die Umrisse einer großen Rübe gelten „als Symbol für das Überleben.“

Der Belower Wald

Zwischen 16 000 und 18 000 Häftlinge aus Sachsenhausen lagerten vom 23. bis 29. April 1945 auf einer Fläche von 20 Hektar im Belower Wald.

Der erste Gedenkstein, der an dieses provisorische Waldlager erinnert, stammt aus dem Jahre 1965.

Ein Brandanschlag zerstörte in der Nacht vom 4. zum 5. September 2002 einen Teil des Museums. Die Täter konnten nie gefasst werden.

Im Jahr 2008 folgte ein zweiter Anschlag – die beiden Täter aus der Region konnten gefasst und verurteilt werden.

Von Christamaria Ruch

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