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Ostprignitz-Ruppin Schweinemast in Braunsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schweinemast in Braunsberg
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00:18 02.06.2016
Hartmut Hofmeister (l.) vom Braunsberger Agrarbetrieb erklärt den Landsenioren, wie das Futter für die Schweine gemischt wird. Quelle: Felsch
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Braunsberg

Dass der italienische Parmaschinken einst auch aus dem Ruppiner Land kam, das wissen nur Eingeweihte. Agraringenieur Hartmut Hofmeister kann sich daran noch gut erinnern. Der 64-jährige Vorstandsvorsitzende plauderte beim Besuch der Landsenioren in der Braunsberger Agrargenossenschaft aus dem Nähkästchen: „Alle 14 Tage kamen die Italiener zum Schlachthof und holten etwa 130 Schinken ab. Das ging über zehn Jahre so.“

1953 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet, mit 18 Mitarbeitern und einem Rinderoffenstall nahm alles seinen Anfang. Agrarbetriebe der umliegenden Dörfer kamen später hinzu. Die Landwirtschaftsbetriebe in Schwanow, Binenwalde, Linow, Zühlen und Gühlen-Glienicke schlossen sich der Braunsberger LPG in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts an. 1980 wurde das Betriebsgelände baulich erweitert. Schweine, Rinder, Schafe und Masthühner lieferten nun die Einnahmen der LPG. Der Hit waren zu jener Zeit die als „Broiler“ gehandelten Masthühner. „Die waren sehr gefragt“, sagt Hartmut Hofmeister. „Wir sind mit dem Schlachten gar nicht nachgekommen.“

Nach der politischen Wende ging es erst bergab

Die Ställe befanden sich in Binenwalde, in Zühlen wurde ein moderner Kuhstall gebaut. „Uns ging es damals nicht schlecht“, sagt Hofmeister. 25 000 Schweine wechselten im Jahr den Besitzer, für den Agrarbetrieb ein gutes Geschäft. Doch mit der politischen Wende ging es bergab. „Unser Vorsitzender wollte den Betrieb dicht machen“, sagt Hartmut Hofmeister, der damals gemeinsam mit dem Hauptbuchhalter den Neuanfang wagte. „In den vergangenen Jahren haben wir versucht, den Betrieb in die stabile Seitenlage zu bringen.“

Die Sauenhaltung wurde abgeschafft, Photovoltaikanlagen sind mittlerweile auf fast allen Dächern zu finden. Doch seit dem vergangenen Jahr ist sein Optimismus gedämpft. „Wenn es so weiter geht, wird die Landwirtschaft verschwinden, in Brandenburg gibt es immer weniger Kühe und Schweine. Seit vorigem Jahr ist es besonders arg“, sagt Hofmeister, der auch Vorstandsmitglied im Bauernverband ist.

20 Cent für einen Liter Milch

„Es kann doch nicht sein, dass Landwirte jeden Tag aufstehen, dafür sorgen, dass alle gut zu essen haben und dafür jetzt noch Geld mitbringen und zusetzen müssen“ fasste Landesbauernverbands-Präsident Henrik Wendorff auf der Landesbauernversammlung zu Beginn des Monats, die derzeitige katastrophale Situation in der Tierhaltung, speziell bei den Milchbauern zusammen. Sie bekommen gerade einmal 20 Cent für einen Liter Milch. 40 Betriebe haben im vergangenen Jahr bereits das Handtuch geworfen.

Die Schweinepreise sind Dank der beginnenden Grillsaison nun wieder langsam angestiegen. „Wir liefern viele Schweine nach Polen“, sagt Hartmut Hofmeister, der sich genauso wie die Landsenioren darüber ärgert, dass Fleisch aus der Region nur selten in den Supermärkten zu finden ist. „Die polnischen Abnehmer zahlen pünktlich und nach zehn Tagen ist das Geld auf dem Konto.“

Die von Statistikämtern veröffentlichten Zahlen belegen es – die in Brandenburg erzeugten Mengen an Milch, Fleisch und Eiern können den Bedarf der Berliner und Brandenburger nicht decken. Doch immer mehr Verbraucher möchten qualitativ hochwertige Lebensmittel, möglichst aus der eigenen Region, kaufen. Glaubt man den Aussagen des Landwirts, kaufen die Großmärkte ihr Schweinefleisch allerdings nicht in Deutschland ein, bis auf Aldi. Die Landsenioren sind sich einig: Es muss eine nachhaltige Landwirtschaft geben. Um die Lebensqualität der Menschen in den bevölkerungsarmen Regionen Nordbrandenburgs zu erhalten, darf der ländliche Raum nicht aufgegeben werden. Dass immer mehr Agrarbetriebe gezwungen sind, Tierzucht und Milcherzeugung aufzugeben, sei allerdings ein schlechtes Omen.

Blick durch die geöffnete Tür in den Stall

Betreten durften die Landsenioren die Schweinemastanlagen aus hygienischen Gründen nicht. Aber sie durften einen Blick durch die geöffnete Tür werfen. Gemästet werden die Schweine computergesteuert, auch das Futter wird über Computer angemischt. „Das Rezept ist geheim“, sagt Hofmeister.

Etwa 2000 Tonnen Getreide verarbeitet der mit 3000 Mastplätzen ausgestattet Betrieb im Jahr für seine Schweine. Drei Wochen bleiben die Ferkel bei der Sau. Dank der guten Muttermilch und zusätzlichem Ferkelfutter haben die Ferkel nach drei Tagen schon gut ein Kilogramm mehr auf den Rippen. Der Energie-, Nähr-, Mineral- und Wirkstoffbedarf verändert sich mit zunehmendem Alter der Mastschweine. Ab einem Gewicht von 25 Kilogramm bekommen die Braunsberger Schweine Trockenfutter, das aus Getreide, Mineralstoffen und Ergänzungsfutter besteht. Ab einem Gewicht von 60 Kilogramm wird auf Flüssigfütterung umgestellt. Das Schweineleben dauert rund 180 Tage, dann ist das Schlachtgewicht von 120 Kilogramm erreicht.

Von Cornelia Felsch

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