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Ostprignitz-Ruppin Schwerer Unfall an Biogasanlage
Lokales Ostprignitz-Ruppin Schwerer Unfall an Biogasanlage
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02:15 06.03.2017
Die ganze Nacht hindurch und auch gestern waren die Mitarbeiter der Biogasfirma bemüht, den Schaden einzugrenzen. Sie pumpten tausende Liter des verseuchten Wassers ab. Quelle: Peter Geisler
Wuthenow

Bei einem schweren Unfall in der Biogasanlage in Wuthenow am Donnerstagabend sind tausende Quadratmeter rund um das Betriebsgelände mit gefährlichem Schlamm verseucht worden. Nur mit großer Anstrengung konnte verhindert werden, dass die aggressiven Abfälle aus der Biogasproduktion über einen Graben in den Ruppiner See laufen. Laut der Kreisverwaltung in Neuruppin sind etwa zwei Millionen Liter der Brühe in die Umwelt gelangt.

Am späten Donnerstagnachmittag hatten Mitarbeiter der Biogasanlage bemerkt, dass ein Rohr an einem sogenannten Fermenter undicht war, einem der riesigen Biogasreaktoren. Durch die Havarie lief der Inhalt eines großen Tanks aus, in dem die flüssigen Abfallstoffe der Biogasproduktion gesammelt werden. In diesen Sammelbehälter passen bis zu 4880 Kubikmeter der sogenannten Gärreste aus der Anlage, das entspricht dem Inhalt von fast 35.000 Badewannen. Knapp die Hälfte des Behälters konnte auslaufen, ein Teil ist im Boden versickert. Die Jauche verbreitete sich überall auf dem Firmengelände am Rande von Wuthenow und rundherum. „Erhebliche schädliche Boden- und Gewässerverunreinigungen sind die Folge“, bestätigte Kreissprecherin Britta Avantario am Freitag.

Feuerwehrleute und Mitarbeiter einer Spezialfirma verhinderten am Donnerstagabend, dass die aggressive Jauche über eine Graben an der Lanke in den Ruppiner See laufen konnte. Quelle: Reyk Grunow

Mitarbeiter der Biogasanlage riefen sofort die Feuerwehr zu Hilfe. Die rückte mit sechs Fahrzeugen und 26 Leuten an und sperrte das Areal weiträumig ab. Auch, weil zunächst unklar war, ob Explosionsgefahr besteht. Die Gärreste setzen unter anderem umweltschädliches und brennbares Methangas frei.

Die Feuerwehr konnte jedoch schnell Entwarnung geben. Gegen den ausgelaufenen dünnflüssigen Schlamm konnten die Feuerwehrleute wenig ausrichten. „Wir haben vor allem die Mitarbeiter der Firma unterstützt“, sagt Frank Schwartz von der Freiwilligen Feuerwehr Neuruppin. Mit Radladern versuchten sie unter anderem, Erdwälle aufzuschütten, um zu verhindern, dass sich der Schlamm noch weiter ausbreitet.

Feuerwehrleute sicherten derweil einen Graben, der von der Biogasanlage zur Lanke führt. Über mehrere Stunden kontrollierten sie das Wasser, um sicher zu gehen, dass die Jauche nicht den See erreicht. Die ganze Nacht über und am gestrigen Tag pumpten große Tankwagen und Traktoren mit Spezialanhängern belastetes Wasser aus dem Graben ab.

Die Gefahr für den benachbarten See ist gebannt

Die größte Gefahr scheint gebannt, meldete die Kreisverwaltung in Neuruppin Freitagmittag: „Durch die schnelle und zielsichere Reaktion des Anlagenbetreibers, der freiwilligen Feuerwehr, des Ordnungsamtes der Stadt Neuruppin und der unteren Wasserbehörde des Landkreises konnte der Gefahr für den Neuruppiner See im Bereich der Lanke zuverlässig entgegengewirkt werden“, hieß es.

Wie lange es dauern wird, den Schaden zu beseitigen, und wie aufwändig das wird, war am Freitag nicht zu erfahren. Die Biogasanlage in Wuthenow ist vor etwa sieben Jahren errichtet worden. Das Kraftwerk steht zwar neben den Rinderställen der Agrargesellschaft. Sie gehört jedoch nicht zu diesem Unternehmen, sondern zur KTG Energie AG, einem Teil des bundesweit größten Agrarkonzerns KTG. Die KTG Energie befindet sich zurzeit in einem Insolvenzverfahren (die MAZ berichtete). Von dem Unternehmen war am Freitag keine Auskunft zu Wuthenow zu bekommen.

Anfall aus der Biogasproduktion als Dünger für die Felder

Neben großen Mengen an Pflanzen wird in der Biogasanlage auch Gülle aus den Rinderställen als Rohstoff für die Gasproduktion eingesetzt. Der sogenannte Gärrest ist ein Abfallprodukt. Weil er viele Nährstoffe enthält, wird er häufig als Dünger verwendet. Gefährlich wird es, wenn der Schlamm in großen Mengen und hoch konzentriert in den Boden oder ins Wasser gelängt. Umstritten ist er unter anderem, weil er neben Methan auch giftiges Ammoniak ausdünstet.

Von Reyk Grunow

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