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Schwerlaster treiben die Anwohner um

Sewekow Schwerlaster treiben die Anwohner um

Tempo 30 gilt für Brummifahrer in Sewekow, doch viele halten sich nicht daran. Die Straßenführung im Dorf ist kurvenreich – drei unübersichtliche Abschnitte ziehen sich durch den Ort. Einwohner fordern deshalb schon lange Verkehrskontrollen und Tempo 30 für alle Fahrzeuge.

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Hans Utpott, Klaus Robeck, Wilfried Lüdtke und Thomas Ahlers (v.l.) sorgen sich um die Sicherheit entlang der Dorfstraße in Sewekow.

Quelle: Christamaria Ruch

Sewekow. Die Schwerlaster auf der Dorfstraße in Sewekow entwickeln sich zum Dauerbrenner. Bei der Sitzung vom Ortsbeirat in der vergangenen Woche brachten gleich mehrere Einwohner dieses Problem erneut zur Sprache. Nur gut die Hälfte aller Fahrzeuge fährt vorschriftsmäßig durch das Dorf. Das ergab die Bilanz der Geschwindigkeitsmesstafel vom 7. bis 14. Juni.

Klaus Robeck und Hans Utpott wohnen unmittelbar an der Dorfstraße und sehen immer wieder, wie es zu brenzligen Situationen mit den Brummis kommt. Die Straße ist zu schmal für diesen Begegnungsverkehr – deshalb muss immer wieder ein Fahrzeug auf den Gehweg ausweichen. Der 69-jährige Wilfried Lüdtke sorgt für Sauberkeit im Dorf. Oftmals ist er mit seinem Rasentraktor unterwegs. „Damit fahre ich nicht mehr auf der Straße, das ist zu gefährlich“, sagt er. Vor einiger Zeit reinigte er die Gullis auf der Straße und dann „musste ich beiseite springen, weil ein Laster zu dicht an mir vorbeifuhr. Das ist kein schönes Gefühl, wenn die Fahrzeuge nicht abbremsen.“

Für Lkw gilt bereits Tempo 30

Für die Lastkraftwagen gilt Tempo 30. „Wenn alle ordentlich fahren würden, hätten wir nur halb so viele Probleme“, sagt Klaus Robeck am Montagvormittag. Mit seiner Aussage fasst er das einstündige Warten mit der MAZ entlang der Dorfstraße zusammen. Doch dieser Termin taugt nur bedingt für den Fotobeweis. „Das ist wie verhext, kaum ein Laster fährt jetzt hier lang“, sagen die drei Männer. Dann fahren ein leerer Holzlaster und ein Lkw aneinander vorbei. „Das sind ja noch kleine Fahrzeuge“, sagen die Männer mit Kennerblick.

Hans Utpott hat von seinem Haus die beste Sicht auf die 90-Grad-Kurve hinter dem Bauerncafé Nöhmke in Richtung Mirow. „Der Brennpunkt ist diese Kurve. Wenn sich hier zwei Schwerlaster begegnen, muss einer zurücksetzen, sonst stoßen sie zusammen. Das passiert auch bei Tempo 30“, sagt Utpott.

Für einen beladenen Holzlaster reicht die Straßenbreite

Für einen beladenen Holzlaster reicht die Straßenbreite.

Quelle: Christamaria Ruch

Im Juni setzten sich die Mitglieder vom Ortsbeirat mit Revierpolizisten Jörg Rachow in Verbindung. Dieser bilanzierte nach einem vor-Ort-Termin, dass mobile Messtechnik, also Blitzer, auf der Dorfstraße eingesetzt werden kann. Mitte Oktober erteilte der Landkreis eine Absage. „Der Landkreis kann keine Messung in Sewekow vornehmen“, zitiert Dana Hefenbrock, Wittstocker Revierpolizeileiterin, ein entsprechendes Schreiben. Mathias Wittmoser, Straßenverkehrsamtsleiter in Neuruppin, sagt dazu am Montag auf MAZ-Nachfrage: „Die alte Messtechnik kann diese Messung in Sewekow nicht leisten. Seit vergangener Woche haben wir ein neues Messsystem im Einsatz. Ob das für Sewekow geeignet ist, kann ich noch nicht sagen.“ Zukünftig zeigen der Revierpolizist und der normale Streifendienst mehr Präsenz im Dorf, so Dana Hefenbrock.

„In Marzahn war es ruhiger als hier“

„Wenn wir im Haus sitzen, hören wir die starken Erschütterungen, auch abends, wenn die Holzlaster wieder leer durchfahren“, sagt der 65-jährige Klaus Robeck. Erst vor zwei Jahren zog er mit seiner Frau zurück in sein Heimatdorf. 40 Jahre wohnte das Paar in Berlin. „In Marzahn war es ruhiger als hier“, so Robeck. „Stehe ich an der Straße und die Schwerlaster donnern entlang, entwickelt sich ein richtiger Sog“, sagt er. Das merkt er auch beim Laubharken. Kürzlich hatte Klaus Robeck eine Heizöllieferung und das Fahrzeug stand auf der Straße. Die Schwerlaster umkurvten das Lieferfahrzeug und fuhren dabei mit einem Reifen über den Gehweg.

Dann kommt noch Thomas Ahlers vorbei. Er zog vor sechs Jahren von Schleswig-Holstein nach Sewekow und wohnt an der Dorfstraße: „Einige halten sich an die Geschwindigkeit, aber sonst scheppert es, wenn die Laster schnell entlangfahren.“ Er sieht besonders die Schulkinder einer Gefahr ausgesetzt: „Wenn sie morgens die Straße überqueren und zum Bus gehen, kann das schnell wegen der schnellen Autos und der Kurvenlage zur Katastrophe führen.“

Gefahr auf der Dorfstraße in Sewekow

Die Straßenführung in Sewekow ist kurvenreich – drei unübersichtliche Abschnitte ziehen sich durch den Ort. Vor allem am Abzweig von der Dorf- zur Schulstraße und am Ende dieser Straße zurück auf die Dorfstraße kommen Autofahrer in Bedrängnis. Hinzu kommt die 90-Grad-Kurve hinter dem Bauerncafé Nöhmke.

Am 31. Mai kollidierte der Anhänger eines Holztransporters mit einem Reisebus in einer Rechtskurve der Dorfstraße. Die 45 Fahrgäste blieben unverletzt, der Sachschaden belief sich auf rund 10 000 Euro.

Daraufhin demonstrierten Einwohner aller Altersgruppen für mehr Sicherheit. Eine Forderung lautet, eine kontrollierte Tempo-30-Zone für alle Fahrzeuge einzurichten. Bislang gilt diese nur für Brummifahrer.

Von Christamaria Ruch

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