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Schwierige Rückkehr nach Neustadt

Junge Mutter ohne Hilfe vom Amt Schwierige Rückkehr nach Neustadt

„Ich hab nicht mal eine Krankenversicherung für meinen Sohn. Das macht mir am meisten Bauchschmerzen“, berichtet eine 26-jährige Neustädterin, die nach einem mehrjährigen Aufenthalt in der Schweiz nun seit fast drei Monaten ohne alles dasteht. Behörden konnten bislang nicht helfen.

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Die junge Frau weiß nicht, wie sie über die Runden kommt.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. „Mach Mutti glücklich! Komm zurück!“ überschrieb das Kooperationsnetzwerk zur Fachkräftesicherung in Landkreis Ostprignitz-Ruppin vor gut einem Jahr seine Kampagne, mit der es junge Leute zur Rückkehr in die Region bewegen wollte.

Eva-Maria Kabutz ist in ihre Heimatstadt Neustadt zurückgekehrt. Glücklich gemacht hat sie damit weder ihre Mutter noch sich selbst. Für sie stellt der Neustart in der Heimat eine kaum zu überwindende Hürde dar.

Nach dem Abitur hatte die heute 26-Jährige in Darmstadt eine Ausbildung zur Justizfachangestellten begonnen und erfolgreich abgeschlossen. „Das war mein Traumjob“, sagt Eva-Maria Kabutz. „Ich wollte eigentlich sogar noch eine höhere Ausbildung.“

Doch erst mal kam Familie. Vor drei Jahren brachte die junge Frau ihren Sohn auf die Welt. Gemeinsam mit ihm und ihrem Ehemann zog sie kurz darauf in die Schweiz. Ihr Berufsabschluss wurde dort nicht anerkannt. Es fanden sich andere Jobs. „Außerdem habe ich in Konstanz ein Jurastudium angefangen“, erzählt die Neustädterin. „Ich war im zweiten Semester.“

Die Werbekampagne für Rückkehrer

Die Werbekampagne für Rückkehrer.

Quelle: Peter Geisler

Die große Zäsur kam mit der Trennung vom Ehemann. In der Schweiz hielt Eva-Maria Kabutz nichts mehr. „Ich hätte meine Jobs sowieso aufgeben müssen.“ Die junge Frau ist erneut schwanger. „In drei Monaten kommt das Kind. Da gibt mir doch keiner Arbeit.“

Trotzdem versuchte sie ihr Glück und bewarb sich in weitem Umkreis um ihre Heimatstadt Neustadt, in der auch ihre Mutter lebt, um verschiedene Stellen. Ihre Berufsausbildung schien Anlass zur Hoffnung zu geben.

Doch Absage folgte auf Absage. „Die haben wohl auch schon meinen Bauch gesehen“, vermutet Eva-Maria Kabutz. „Ich würde liebend gerne arbeiten. Aber jetzt geht das schlecht.“ Zumindest bis das zweite Kind auf der Welt und versorgt ist, bräuchte die junge Frau Unterstützung. Ihre Mutter in Neustadt kann da nur wenig weiterhelfen. Sie ist erwerbsunfähig und hat selbst nicht viel.

Die Agentur für Arbeit erklärte sich für nicht zuständig. „Die sagten mir, ich hab keinen Anspruch, weil ich in der Schweiz gearbeitet und hier nichts eingezahlt habe.“ Also führte Mitte November der nächste Weg zum Jobcenter. „Ich hab meine Unterlagen eingereicht. Da hieß es: Weil ich noch verheiratet bin, soll ich erstmal zu meinem Ehemann gehen.“ Eva-Maria Kabutz bezweifelt, dass bei dem viel zu holen ist. Zum einen lebe er noch immer in der Schweiz, zum anderen habe er inzwischen selbst keine Arbeit mehr.

Die Situation ist kompliziert – offenbar auch für die Behörden. Dass bei all dem auch noch eine EU-Außengrenze eine Rolle spielt, macht es nicht leichter. Vom im November beantragten Kindergeld hat Eva-Maria Kabutz bislang nichts gehört. Der Bescheid steht aus.

Dabei, so versichert Britta Avantario als Pressesprecherin der Kreisverwaltung in Neuruppin, bemühe sich das Jobcenter durchaus zu helfen. Seit November habe es mindestens ein Dutzend Kontakte gegeben. Doch der Fall sei anspruchsvoll. „Sofern es sich um Personen handelt, die erklären, hilfebedürftig zu sein, kann es durchaus Vorleistungen geben, wenn schon frühzeitig abzusehen ist, dass ein Leistungsbezug eintritt“, schreibt Britta Avantario. Ohne Frage zeige Eva-Maria Kabutz Bereitschaft zur Mitarbeit. Doch bevor Leistungen gewährt werden können, sei prinzipiell eine gründliche Prüfung der Bedürftigkeit notwendig. Außerdem bestehe eine Verpflichtung des ehemaligen Partners gegenüber Frau und Kind.

Die Betroffene fühlt sich mit alldem inzwischen schlicht überfordert. „Ich habe weder Handy noch Auto. Ich muss mir alles zusammenschlauchen, nur um die Anforderungen der Ämter zu erfüllen.“ Daran, dass der jüngste Antrag auf Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt etwas bringt, mag die Neustädterin kaum noch glauben. „Ich hab nicht mal eine Krankenversicherung für meinen Sohn. Das macht mir am meisten Bauchschmerzen.“ Die Untersuchungen beim Frauenarzt bezahle sie mit geliehenem Geld, sagt Eva-Maria Kabutz.

„Das größte Problem für mich ist, dass ich seit fast drei Monaten rumsitze und gar nichts habe und dass keiner begreift, dass mein Mann nicht helfen kann.“ Sie gebe sich alle Mühe, das den Behörden plausibel zu machen, aber nichts passiere. „Ich brauche jetzt Hilfe. Ich kann im Moment nicht allein für mich sorgen.“

Die junge Frau hat Hilfe bei einem Anwalt gesucht. Doch der Optimismus ist ihr längst abhandengekommen.

Von Alexander Beckmann

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