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Sechs Wahlhelfer für fünf Wähler

Wählen in Basdorf in Brandenburg Sechs Wahlhelfer für fünf Wähler

Wer nach Basdorf (Ostprignitz-Ruppin) fährt, der bleibt nicht unbemerkt. Hier, in der ehemals kleinsten eigenständigen Gemeinde Deutschlands, kennt jeder jeden. 23 Wahlberechtigte leben im Dorf. 18 von ihnen haben Briefwahl gemacht. Die sechs Wahlhelfer teilen sich also am Wahlsonntag fünf Wähler.

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Andreas Burow und Sabine Koch müssen eine Stunde warten, bis der erste Wähler kommt.

Quelle: Andreas Vogel

Basdorf. Andreas Burow und Sabine Koch haben am Sonntag nicht viel zu tun – sie sind Beisitzer im Wahllokal in Basdorf, einem von 17 Ortsteilen in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin). In Basdorf gibt es 23 Wahlberechtigte. Das wäre an sich schon Grund genug, sich auf viel Leerlauf am Wahltag einzustellen. Doch von den 23 Wahlberechtigten haben auch noch 18 Briefwahl gemacht. Bleiben fünf Wähler. Wenn die fünf Leute kämen, hätte Basdorf eine Wahlbeteiligung von 100 Prozent. Und die Wahlhelfer hätten wenigsten ab und zu etwas zu tun: Wahlbenachrichtigungskarte prüfen, Wähler in der Liste finden, Wahlzettel ausgeben, nach dem Kreuzchen machen den Schlitz der Wahlurne freigeben, damit der Wähler den Zettel hineinstecken kann.

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Gewählt wird im Feuerwehrhaus, dem einzigen öffentlichen Gebäude von Basdorf. Dort finden auch die Ortsbeiratssitzungen statt.

Quelle: Andreas Vogel

Die Wahlhelfer selbst sind keine Einheimischen. Für diesen Dienst an der Demokratie hatte sich in dem Rheinsberger Ortsteil niemand gefunden. Und so wurden Mitarbeiter der Rheinsberger Stadtverwaltung abkommandiert. Die teilen sich den Wahltag in drei Schichten auf – immer zwei Wahlhelfer übernehmen eine Schicht. Andreas Burow und Sabine Koch haben die erste. Sie müssen bis 9 Uhr warten, dann kommt – ein Wähler! Fehlen also nur noch vier. Die Beisitzer Andreas Burow und Sabine Koch nehmen es gelassen. Wer nach Basdorf fährt, erwartet kein großes Unterhaltungsprogramm. Der ehemalige, inzwischen verstorbene Bürgermeister, hat früher die Kennzeichen fremder Autos notiert und ans Rheinsberger Ordnungsamt durchgegeben, um sie überprüfen zu lassen. Er wollte sicher gehen, dass sich keine dubiosen Leute im Dorf herumtreiben.

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In Basdorf warten an diesem Wahlsonntag sechs Wahlhelfer in drei Schichten auf fünf Wähler. Denn der kleine Rheinsberger Ort hat nur 23 Wahlberechtigte, von denen 18 schon Briefwahl machten. In Basdorf ist generell nur selten was los. Einblicke in ein kleines Dorf am Rande der Kyritz-Ruppiner Heide, die noch immer Sperrgebiet ist.

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Nach Basdorf muss man aber auch wirklich wollen, dorthin kommt man nicht aus Versehen. Eine einzige Straße führt von der Landesstraße in das Dorf. Eine extrem schlechte Straße übrigens, es holpert und rumpelt wie auf einer Vorkriegsstraße. Zurzeit müht sich die Stadt Rheinsberg mal wieder, eine Sanierung in Gang zu bringen – aber ob das etwas wird, ist fraglich.

Das Problem neben den finanziellen Zwängen: Der Basdorfer Damm gehört nicht allein Rheinsberg. Nur ein kleiner Teil des etwa zwei Kilometer langen, gepflasterten Weges durch den Wald ist Eigentum der Kommune. Für den Rest sind Neuruppin und die Forst verantwortlich. Die Folge: Selbst wenn Rheinsberg wollte, dürfte die Kommune die Straße nicht im Alleingang erneuern. Von den Kosten pro Einwohner mal ganz zu schweigen.

Basdorf gehört als Ortsteil zu Rheinsberg

Basdorf gehört als Ortsteil zu Rheinsberg

Quelle: Andreas Vogel

Hinter Basdorf ist nämlich – nichts. Gleich hinter dem Ortsausgang liegt die Kyritz-Ruppiner Heide mit dem noch immer gesperrten ehemaligen Truppenübungsplatz. Die Durchfahrt ist verboten, weil gefährlich – dort soll noch jede Menge Altmunition liegen. Die früheren GUS-Truppen haben nicht nur mit Übungsmunition trainiert, sondern auch mit echten Granaten und Splitterbomben.

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Basdorf hat nicht einmal 25 Einwohner. 18 Wahlberechtigte entschieden sich für eine Briefwahl – und für fünf weitere wurde ein Wahllokal geöffnet. Da gab es sogar mehr Wahlhelfer als Wähler. Nur ein Tweet brauchte es, da war Basdorf binnen weniger Stunden berühmt. Wir haben einige zusammengestellt.

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So ein Wahltag kann in Basdorf ganz schön lang werden. Und das, obwohl die Wähler dort doppelt gefragt sind. Sie wählen den Deutschen Bundestag und einen neuen Rheinsberger Bürgermeister. Vier Kandidaten traten dafür an, darunter der Amtsinhaber Jan-Pieter Rau (CDU). Der Wahlkampf wurde in Rheinsberg heftig geführt, nicht nur mit Argumenten wurde gefochten, die Fetzen flogen sogar bei den Wahllokalen. Mehr als 300 zerstörte Plakate hatte Gegenkandidat Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) zu beklagen, Amtsinhaber Rau fünf bis sechs. Einmal wurde ein Schwochow-Plakat sogar von jungen Rheinsberger Feuerwehrleuten angezündet – doch Schwochow stellte ein Foto der davonlaufenden Täter bei Facebook ins Netz und drohte, die Schuldigen von vorn zu zeigen. Da stellten sie sich selbst der Polizei.

Die Dorfstraße von Basdorf

Die Dorfstraße von Basdorf.

Quelle: Andreas Vogel

So etwas machen sie in Basdorf nicht. Da sorgen die paar Wahlplakate sogar für Farbe auf der sonst eher tristen Dorfstraße. Nur das von Frank-Rudi Schwochow liegt leicht lädiert im Gras.

Die Basdorfer wollten eigentlich gar kein eigener Wahlbezirk mehr sein – zu viel Aufwand für die 23 Wahlberechtigten. Die Basdorfer wollten deshalb gar nicht mehr in ihrem Dorf wählen: „Das ist kein Verhältnis von Aufwand und Nutzen“, sagt Ortsvorsteher Matthias Klenner.

Dass doch noch einmal ein Wahllokal im kleinen Feuerwehrgebäude von Basdorf eingerichtet wurde, liegt an einer Formalie: Die Entscheidung des Ortsbeirats, dass die Basdorfer in dem gut acht Kilometer entfernten Wallitz wählen würden, kam einfach zu spät.

Doch wenn um 18 Uhr das Wahllokal von Basdorf schließt, wird es wohl das letzte Mal sein, dass man in dem kleinen Dorf bei Rheinsberg zum Urnengang gerufen wird. Aber bis dahin gilt aushalten bis 18 Uhr, auch wenn alle Basdorfer da waren. Es könnte ja sein, dass sich ein Pilzsammler aus der Prignitz verirrt, der zufällig seine Wahlbenachrichtigungskarte dabei hat. Dann könnte er in Basdorf wählen.

Lesen Sie hier, wie viele Wahlberechtigte am Sonntag ihre Stimme abgegeben haben und welches kuriose Wahlergebnis erzielt wurde>>

Von Andreas Vogel und Kathrin Gottwald

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