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Ostprignitz-Ruppin Sechs kleine Seepferdchen in Sicht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Sechs kleine Seepferdchen in Sicht
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13:03 11.03.2018
Schwimmmeister Torsten Kukuk bringt Kindern in der Fontane-Therme das Schwimmen bei. Die sind mit Freude bei der Sache. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti
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Neuruppin

Aufgeregt sitzen sechs kleine Mäuse in Badehose, Bikini oder Badeanzug am Beckenrand und hängen an den Lippen von Schwimmmeister Torsten Kukuk. Letzten Sonntag hat ihr Seepferdchen-Kurs begonnen. An diesem Nachmittag ist die dritte Unterrichtsstunde drinnen im Süßwasserbecken der Fontane-Therme. Die Kinder sind aus Neuruppin und Dabergotz, zwischen fünf und acht Jahre alt.

„Habt ihr alle eure Beinbewegungen zuhause geübt?“, fragt Torsten Kukuk. Alle bejahen. „Wenn das gut klappt, machen wir das nächste Mal die Armbewegungen.“ Zum Aufwärmen zählt die Gruppe erstmal zusammen die Wochentage auf und taucht am Sonntag unter Gelächter den Kopf kurz unter. Danach wird in eine imaginäre Waschmaschine gesteckt, was reingehört: Pullover, Schlüpfer – kräftig mit den Beinen gestrampelt und Wasser aufgeschleudert.

Die Eltern der Kleinen schauen von draußen durch die Scheibe zu. Ohne Scheu hopsen Gustav, Elmar, Maria, Milla, Klara Sophie wie der Fisch ihrer Wahl in die Arme von Torsten Kukuk. „Ab der zweiten bis dritten Unterrichtsstunde haben die Kinder Vertrauen zu mir gefasst, das Eis ist gebrochen“, sagt dieser. Etwa einen Monat dauert der Kurs: 15 Termine, jeweils eine Stunde. Sechs bis acht Zwerge können es sein. „Das Seepferdchen-Abzeichen ist ein großer Anreiz für die Kinder. Wenn sie es haben, ist der Grundstein fürs Schwimmen gelegt“, sagt Torsten Kukuk.

Ein Sprung vom Beckenrand ist Teil der Seepferdchen-Prüfung.. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Ab der zehnten Unterrichtsstunde können die Kleinen je nach Leistungsstand ihre Schwimmgürtel im Kurs ablegen. Dann ist eine Prüfung möglich. Ganz nebenbei laufe das ab, eher spielerisch, erklärt Kukuk: „Bisher hat bei mir jeder das Seepferdchen geschafft. Wenn ein Kind im Kurs nur 23 Meter statt der abverlangten 25 Meter zu schwimmen schafft, bekommt es jedoch kein Abzeichen.“ Aber es hat die Möglichkeit, zwei bis drei Unterrichtsstunden dazu zu buchen, um es noch mal zu versuchen. „Meist ist es ein Ansporn, wenn die Freunde das Abzeichen bereits haben.“

Das heißt jedoch nicht, dass wer es hat, von nun ab ein sicherer Wettkampfschwimmer ist. „Der Nachwuchs sollte weiterhin mit Schwimmhilfsmitteln wie Nudel oder Schwimmring ins Wasser gehen“, legt Torsten Kukuk Eltern jedes Mal ans Herz.

Das Seepferdchen gibt lediglich an, dass sich Kinder auf einer Strecke von 25 Metern über Wasser halten kann. „Für unsere Prüfung in der Fontane-Therme müssen sie zudem zwei Tauchringe aus schultertiefem Wasser holen und vom Beckenrand springen“, sagt der 54-Jährige. Das alles ist schon ziemlich gut und wichtig. „Schwimmen rettet Leben. Das eigene und vielleicht das von anderen.“

Geübt wird mit Schwimmbrettern. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Leider können immer weniger Menschen hierzulande richtig schwimmen. Einer Forsa-Umfrage zufolge, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beauftragt hat, sind 59 Prozent der zehnjährigen Kinder keine sicheren Schwimmer. Nur etwa 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen besitzen ein Jugendschwimmabzeichen.

„Da hat Neuruppin schon ein Privileg. Ab der dritten Klasse findet Schwimmunterricht statt“, sagt Torsten Kukuk. „Allerdings ist es gut, wenn Kinder vorher schon schwimmen können, ansonsten stehen sie erstmal am Beckenrand und werden ausgegrenzt.“ Wer dagegen schon das Seepferdchen-Abzeichen habe, schaffe auch recht schnell das Bronze-Abzeichen. Dafür müssen Kinder innerhalb von 15 Minuten mindestens 200 Meter schaffen.

„Ihr Seepferdchen können Kinder ab fünf Jahre machen“, erklärt Experte Kukuk. „Da wir im Kurs Brustschwimmen lernen, ist ihre motorische Entwicklung dann ausgeprägt für diese Gleichschlagbewegung.“ Allerdings könne der Nachwuchs auch ruhig schon früher an das Element Wasser herangeführt werden, bereits im Babyalter von vier Monaten. Das nähme die spätere Angst, das Kind lerne zudem gegen den Wasserwiderstand auszuatmen, entspanne die Gelenke und habe soziale Kontakte.

Den Kindern wird spielerisch die Scheu vor dem Wasser genommen.. Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti

Scheu haben die Teilnehmer in Kukuks aktuellem Kurs scheinbar überhaupt nicht. Bei jeder Übung regt der Schwimmmeister die Fantasie der Fünf- bis Achtjährigen an: „Damit nehme ich ihnen Ängste. Sie springen bei mir nicht einfach vom Beckenrand, sondern in einen Suppentopf, mal in Blaubeersuppe, mal in Tomatensuppe. Sie schwimmen nicht nur von Rand zu Rand, sondern mal nach Spanien, mal nach Russland, je nach Wunsch.“

Seine Seepferdchen-Kurse sind gut besucht. Die nächsten freien Plätze gibt es erst wieder ab November. Allerdings können interessierte Eltern ihren Nachwuchs auf die Warteliste setzen. „Es kommt immer vor, dass jemand abspringt“, sagt Torsten Kukuk. Der staatlich geprüfte Schwimmmeister bringt im Jahr rund 80 Kindern das Schwimmen bei. Seit 1985 macht er das, war vor seiner Anstellung in der Fontane-Therme Bademeister im Sportcenter Neuruppin.

„Über die Jahre haben 2 640 Kindern bei mir das Schwimmen gelernt“, rechnet er kurz nach. Bei jedem seiner Kurse erhalten die Kinder ein passend bedrucktes T-Shirt mit einem Kuckuck. Darin gekleidet watscheln die sechs kleinen Teilnehmer im Pinguin-Gang nun zu ihren Handtüchern. Sie sind ihrem Traum vom Seepferdchen wieder ein Stück näher gekommen. Anmeldungen für Seepferdchen-Kurse unter: 03391/ 40350.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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