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„Sei ruhig, sonst schlitze ich dich auf“

Blutiger Streit in Neuruppin „Sei ruhig, sonst schlitze ich dich auf“

Auch am vierten Verhandlungstag blieb unklar, wie es am Herrentag 2015 zu der blutigen Auseinandersetzung am Neuruppiner Bollwerk kommen konnte. Dennoch sah das Amtsgericht es als erwiesen an, dass ein 25-Jähriger im Vollrausch zuschlug und eine 26-Jährige mit einem Messer zustach – und verurteilte die beiden Angeklagten zu Bewährungsstrafen.

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Bei der Auseinandersetzung am Bollwerk war ein Butterflymesser zum Einsatz gekommen. Später zückte einer beiden Angeklagten ein weiteres Messer.

Quelle: dpa

Neuruppin. Er hatte getrunken. Den ganzen Tag. Zwischendurch genehmigte sich Robert M. zwei Gramm Koks. Als er am Herrentag 2015 am Neuruppiner Bollwerk auf eine Gruppe Feiernder traf und ein Streit blutig wurde, wusste Robert M. nicht mehr, was er tat. Weil er im vorsätzlichen Vollrausch mehrmals zuschlug und einen Mann mit dem Messer bedrohte, verurteilte das Neuruppiner Amtsgericht den 25-Jährigen am Mittwoch zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe.

Seine damalige Freundin Luisa S. erhielt ebenfalls eine zehnmonatige Freiheitsstrafe. Die 26-Jährige hatte einem der Feiernden ein Butterflymesser in den Oberschenkel gerammt. Mehrere Wochen soll ihr Opfer anschließend an Schmerzen gelitten haben. Zugleich soll sie einen Mann gebissen, einer Frau Haarbüschel herausgerissen und später mit einer Hundeleine zugeschlagen haben. Das Gericht setzte beide Strafen zur Bewährung aus. Im Falle Robert M. berücksichtigte das Gericht, dass er erst Ende April aus einer 14-monatigen Haftstrafe entlassen worden war.

Die Vorstrafen sind einschlägig

Zwar ist M. in elf Fällen vorbestraft – vor allem wegen Gewalttaten. Dennoch ging das Gericht davon aus, dass M. unter dem Eindruck seiner ersten Gefängnisstrafe keine weiteren Straftaten begeht. Die Staatsanwältin hatte das in ihrem Plädoyer anders gesehen. Aufgrund seiner einschlägigen Vorstrafen sei von einem verfestigten Verhaltensmuster auszugehen, so ihre Einschätzung.

Im Falle von Luisa S. setzte das Gericht die Strafe zur Bewährung aus, weil die Neuruppinerin schwanger ist. „Wir haben die Hoffnung, dass Sie dadurch, dass Sie die Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen müssen, ein wenig nachreifen“, sagte die Vorsitzende Richterin. Auch Luisa S. ist bereits in fünf Fällen vorbestraft. Allerdings nicht wegen Gewalttaten, sondern wegen Diebstählen und Fahrens ohne Führerschein. Verstößt Luisa S. in den kommenden drei Jahren gegen ihre Bewährungsauflagen, muss auch sie ins Gefängnis. „Eine Mutterschaft schützt nicht vor dem Vollzug der Bewährungsstrafe“, so die Richterin.

Zeugen konnten Notwehr nicht bestätigen

Beide Angeklagten hatten das Geschehen am Bollwerk als Notwehrsituation geschildert. Das hatten die mehr als zehn Zeugen, die im Gerichtssaal ausgesagt hatten, jedoch nicht bestätigt. „Es ist nicht einmal davon berichtet worden, dass Sie angegriffen worden sind“, so die Vorsitzende Richterin.

Bis zum vierten Verhandlungstag am Mittwoch war unklar geblieben, wie es zu dem Zoff am Bollwerk kam. Mike K., der am schwersten verletzt worden war, hatte wegen großer Erinnerungslücken nur wenig zur Aufklärung des Falles beitragen können (die MAZ berichtete). Sicher ist allerdings, dass Luisa S. ein Messer zückte und zustach. Das hatte unter anderem ein 29-jähriger Zeuge aus Alt Ruppin bestätigt. Anschließend war er selbst von M. gegen den Hals geschlagen worden. „Ich konnte eine Woche kaum sprechen, kaum schlucken, kaum essen.“

Wieder eskaliert die Situation

Nach dem Zoff am Bollwerk war es zu einer weiteren Auseinandersetzung gekommen. Die beiden Anklagten gingen zunächst streitend in Richtung Stadt. Als eine Gruppe Freunde, die in einem Garten grillten, helfend dazu eilen wollte, eskalierte die Situation erneut. Luisa S. begann, mit einer Hundeleine auf eine damals schwangere Frau aus dieser Gruppe einzuschlagen. Ihrem Freund, der am MIttwoch als Zeuge aussagte, wurde von M. ein goldenes Butterflymesser an die Wange gedrückt. „Sei ruhig, sonst schlitze ich dich auf“, rief M. damals. Das gab er auch vor Gericht zu. „War ’ne Stresssituation.“

Von Frauke Herweg

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