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Ostprignitz-Ruppin Ilona Reinhardt – Abgeordnete seit 50 Jahren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ilona Reinhardt – Abgeordnete seit 50 Jahren
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00:32 20.05.2018
Ilona Reinhardt mit einem Foto von sich, als sie um den ersten Jugendclub für Neuruppin kämpfte. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Als sie den Mann mit dem gold-glänzenden Bärtchen und dem Tuch auf dem Kopf an der Straßenecke sah, gab es für Ilona Reinhardt kein Halten. Die Neuruppinerin, die 1973 zu den mehr als 25 000 Teilnehmern aus 140 Ländern bei den X. Weltfestspielen in Berlin gehörte, stürmte einfach auf den Mann zu. Sie wollte den Bart wenigstens einmal anfassen, um zu prüfen, ob der echt ist.

Bei Jassir Arafat den Bart geprüft

Der Mann, der eine Art goldfarbenes Band in seinem Bart hatte, ließ das lächelnd zu – auch wenn seine Begleiter die Szene sehr kritisch beäugten. Dass es sich bei dem Mann um den palästinensischen Freiheitskämpfer Jassir Arafat handelte, damals schon einer der Vorsitzenden der Befreiungsorganisation PLO, der 1994 den Friedensnobelpreis erhielt, das wusste die Neuruppinerin nicht. Es hätte sie wohl auch nicht abgehalten: Wenn Ilona Reinhardt sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann will sie das auch durchsetzen. Angst vor großen Namen kennt sie dabei nicht. Deshalb hatte sie 1970 bei einer Konferenz im Neuruppiner Stadtgarten auch keine Scheu, ein Präsidiumsmitglied aus Berlin anzusprechen. „Wir brauchen unbedingt einen Jugendclub in der Stadt.“ Eine Idee, wo dieser entstehen könnte, hatte sie auch. „Die Gaststätte Rosengarten stand damals schon Jahre leer.“

Der Sohn von Friedrich Ebert

Die direkte Ansprache hatte Folgen – denn das Präsidiumsmitglied war Friedrich Ebert (junior), der Sohn des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871 – 1925). Der Sohn war fünf Jahre (von 1928 bis 1933) Mitglied des Reichstages und von 1948 bis 1967 Oberbürgermeister von Ost-Berlin sowie seit Gründung der DDR auch Abgeordneter der Volkskammer.

Wenige Wochen nach der Konferenz wurde Ilona Reinhardt, die damals noch Cyranek hieß und als gelernte Dekorateurin bei der Handelsorganisation (HO) arbeitete, ins Büro zu Neuruppins Bürgermeister Gerd Hohlfeld gerufen. Es gab grünes Licht für den Jugendclub im „Rosengarten“. Ilona Reinhardt kann sich noch gut an die Unmenge Schutt erinnern, die abgefahren werden mussten, an das Abschleifen der Fußböden, das Tapezieren und Streichen. Sogar das DDR-Fernsehen kam deshalb mit einem Kamerateam, um die Arbeiten zu filmen. „Das war schon eine schöne Zeit.“ Zudem sei es ihr erster Erfolg als Stadtverordnete gewesen, sagt die Neuruppinerin.

Ilona Reinhardt auf einem Foto, als in Neuruppin im „Rosengarten“ der erste Jugendclub in der Stadt entstand. Quelle: Peter Geisler

Sie war 1968 zum ersten Mal gewählt worden und mischt immer noch in der Stadtpolitik mit. Ilona Reinhardt dürfte damit zu den Volksvertreten in Deutschland gehören, die am längsten ununterbrochen im Amt sind. Für die Neuruppinerin, die derzeit ihren achten Bürgermeister erlebt, ist das nichts Besonderes. „Ich kann bis heute meinen Mund nicht halten, wenn mich was stört.“ Das habe sie auch schon früher so gehalten, als sie in der SED war, sagt Reinhardt, die die Wandlungen der Partei zur „Linke“ mitgemacht hat. Deshalb stört es die Mutter zweier erwachsener Kinder auch, wie heute teilweise Politik gemacht wird, „mit Lügen und Ränkespielen“. Davon hält Ilona Reinhard gar nichts. „Ich bin kein Theoretiker, sondern Praktiker.“

Hilfe für ein russisches Mädchen

Ihr größter Erfolg als Stadtverordnete ist für sie kein Stadtprojekt, das sie mitgeholfen hat durchzuboxen, wie etwa 1991 das Neuruppiner Frauenhaus, sondern die Hilfe für Galja, eine Russin, die zu DDR-Zeiten an der russischen Schule in Neuruppin gearbeitet hat und ihre sechs Jahre alte Tochter. Diese war mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, einem sogenannten Wolfsrachen, geboren worden und konnte deshalb kaum sprechen. Galja wandte sich an Reinhardt, weil diese nicht nur Stadtverordnete war, sondern ihre Mutter auch im Neuruppiner Krankenhaus arbeitete. Galja wollte, dass ihre Tochter in der DDR und zwar in Leipzig operiert wird – dazu habe es jedoch einer Genehmigung sowohl vom Neuruppiner Krankenhaus als auch von der sowjetischen Kommandantur in der Fontanestadt bedurft, so Reinhardt. Obwohl ihr in der Kommandantur die Beine geschlackert haben, gab es die Genehmigung. Die Tochter konnte in Leipzig operiert werden.

Gleichwohl ist der Kontakt zwischen Ilona Reinhardt und Galja abgerissen. „Sie musste mit ihrer Familie nach der Wende über Nacht die Stadt verlassen“, bedauert Ilona Reinhardt. Ob die Neuruppinerin im nächsten Jahr zur Kommunalwahl noch einmal antreten wird, ist offen. „Das hängt von meiner Gesundheit ab“, sagt die 70-Jährige. Klar sei aber: „Der Mensch steht für mich immer an erster Stelle.“

Von Andreas Vogel

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