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Ostprignitz-Ruppin Seit 50 Jahren Meister seines Handwerks
Lokales Ostprignitz-Ruppin Seit 50 Jahren Meister seines Handwerks
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16:05 27.11.2017
Schuhmacher Alfons Zeh in Kyritz ist seit 50 Jahren Meister. Bis heute geht der 79-Jährige seinem Handwerk nach - wenn auch nur noch an einem Tag in der Woche. Quelle: fotos (2): Beckmann
Kyritz

Es riecht nach Gummilösung, Leder und ein ganz kleines bisschen nach alten Schuhen. Überall stapeln sich Fußbekleidung, Materialreste, Werkzeug, Leimfläschchen. Regalborde quellen über.

Herr des Sammelsuriums ist Alfons Zeh. Er betreibt die einzige Schumacherwerkstatt, die Kyritz noch hat, und das bot jetzt Anlass, Jubiläum zu feiern.

An der Wand über der großen Nähmaschine hängt das Dokument, das es belegt: Alfons Zeh ist seit 50 Jahren Meister seines Handwerks. Am 23. November 1967 legte er die dazu nötige Prüfung ab.

Schuhmacher aus Gesundheitsgründen

Dass die Leidenschaft für den Beruf mal so lange vorhalten würde, war damals bestimmt nicht abzusehen. „Meine Eltern waren Kleinbauern in Lagowitz“, erzählt der 79-Jährige. Am Ende des Zweiten Weltkrieges musste seine Familie ihre Heimat verlassen. In Klosterhof bei Kyritz fand sie 1945 ein neues Zuhause.

Der damals sechsjährige Alfons besuchte die Schule in Rehfeld und dann in Kyritz und sollte eigentlich Tischler werden. „Ich hatte schon den Lehrvertrag in der Tasche.“ Gesundheitliche Probleme kamen dazwischen – ausgerechnet mit den Füßen. „Da hieß es, ich darf nur einen sitzenden Beruf machen. So bin ich zum Schuhmacherhandwerk gekommen.“

Das hatte in Kyritz damals, Anfang oder Mitte der 1950er Jahre noch goldenen Boden. Alfons Zeh erinnert sich genau – schließlich war sein Lehrmeister Rudolf Rangnow damals Obermeister der Innung. „Da gab’s im Kreis 43 Schumachermeister. Allein in Kyritz elf und einen Pantinenmacher. Ich kenne noch alle mit dem Namen.“

Intermezzo bei den Vermessern

Zwei Jahre lang blieb Zeh nach der Lehre als Geselle bei seinem Meister. „Dann kam ja die PGH.“ Die „Produktionsgenossenschaft Handwerk“ fasste die Einzelbetriebe unter neuer Regie zusammen. „Die Meister haben alle ihre Gesellen entlassen“, erinnert sich Zeh. Er selbst verdiente sein Geld fünf Jahre lang in einem Vermessungstrupp.

Doch als Orthopädieschumachermeister Ribbe aus Neustadt einen neuen Gesellen suchte, kehrte der Kyritzer 1965 zu seinem Handwerk zurück. Wenig später legte er selbst die Meisterprüfung ab und arbeitete insgesamt 25 Jahre lang in der Neustädter Werkstatt – bis der Inhaber das Geschäft aus Altersgründen aufgab.

„1990 musste ich mich selbstständig machen.“ Wenig später bezog Alfons Zeh die 18-Quadratmeter-Werkstatt in der Pritzwalker Straße in Kyritz, in der er auch heute noch zu finden ist. Reparaturen waren und sind sein Geschäft: Absätze flicken, Reißverschlüsse einnähen, Riemen ersetzen, Nähte erneuern. „Aus Jux sag ich immer: Außer Kinder mach ich alles.“

Vor 27 Jahren das letzte neue Paar

Den Niedergang des Handwerks bekam auch der Kyritzer zu spüren. „Ich hab in meinem Leben so 5000 bis 6000 Paar Schuhe hergestellt.“ Doch das ist lange her. Kaum jemand trägt noch Handarbeit an den Füßen – außer natürlich Alfons Zeh. „Mein letztes Paar hab ich mir 1990 gemacht.“ Sein Winterschuh für die kaum beheizte Werkstatt ist sogar noch älter: „1978“ besagt eine Prägung im Schaft. Das Alter ist den Stiefeln anzusehen. Das bereitet Alfons Zeh keine Sorgen. „Ich hab noch fünf Paar. Die reichen, solange ich lebe. Reparieren kann ich sie ja alleine.“

Trotzdem schwingt ein bisschen Wehmut mit: „Fast alle Handwerksberufe gehen so langsam kaputt. Wir werden uns noch umsehen, wenn die mal nicht mehr sind.“ Zu Zehs Meisterjubiläum gab es keinen offiziellen Gruß. Eine eigene Schuhmacherinnung besteht in Brandenburg längst nicht mehr. Doch zumindest der Jubilar macht sich über das Aufgeben keine Gedanken. Offiziell natürlich schon lange in Rente geht er weiter seinem Handwerk nach – wenn auch nur einen Tag pro Woche. Montags ist der winzige Laden geöffnet und durchaus gut besucht. Nur Januar und Februar werden eine Ausnahme sein, kündigt Alfons Zeh an – wegen der fehlenden Heizung. Ab März hofft er wieder auf Kunden. „Meine Frau sagt: Du musst da ja schon hingehen, um zu quatschen.“

Von Alexander Beckmann

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